Angebliche Vergewaltigung auf Wache: Kommissar freigesprochen

[UPDATE 16.45 Uhr] DÜSSELDORF - Ein 58-jähriger Kommissar ist vom Vorwurf freigesprochen worden, auf einer Düsseldorfer Polizeiwache einen jungen Mann vergewaltigt zu haben. "Die Kammer hat den Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten"" angewandt, sagte die Vorsitzende Richterin Bettina Reucher-Hodges am Donnerstag.

Es sei zwar zu sexuellen Handlungen gekommen, anders seien die gefundenen DNA-Spuren nicht zu erklären. Dass dabei Gewalt im Spiel war, sei aber nicht mit der notwendigen Sicherheit feststellbar gewesen.

Staatsanwältin Anna Gerdemann hatte am Düsseldorfer Landgericht drei Jahre und neun Monate Haft wegen schwerer Vergewaltigung gegen den Polizisten beantragt. Sie kündigte an, Revision gegen das Urteil einzulegen.

Lesen Sie auch:

- Polizist soll wegen schwerer Vergewaltigung ins Gefängnis

"Es sprach einiges für die Aussage des Nebenklägers", räumte die Richterin ein. Auf der Wache sei zweifellos etwas geschehen, dass den jungen Mann "nachhaltig erschüttert" habe, als er den Diebstahl seines Fahrrades anzeigen wollte. Der 25-Jährige habe sich sicher unter Druck gesetzt gefühlt, als er kurz den Oralverkehr an dem Beamten vollzogen und abgebrochen habe, nachdem er würgen musste, führte sie aus. Eine Drohung oder Nötigung sei aber nicht nachzuweisen gewesen.

Der Nebenkläger rang nach dem Freispruch mit der Fassung. Angehörige versuchten ihn zu trösten. Der Hauptkommissar wirkte nach dem Urteil ebenfalls mitgenommen. "Mein Mandant ist über die Begründung nicht erfreut", sagte sein Verteidiger Claus Eßer. "Wichtig ist aber nur der Freispruch."

Der Polizist hatte beteuert, keinerlei homosexuelle Neigungen zu haben. Er sei seit 35 Jahren glücklich verheiratet und seit 40 Jahren Polizist. Er habe den 25-Jährigen nicht berührt, nicht erpresst und auch nicht, wie dieser behauptet hatte, mit seiner Dienstwaffe bedroht. Die habe er an jenem Tag in seinem Spind vergessen.

Nach Ansicht der Staatsanwältin hatte der Beamte das Opfer, das den Diebstahl seines Fahrrades anzeigen wollte, auf der Wache mit "Psycho-Spielchen" und der Drohung, ihn bei einem Fluchtversuch zu erschießen, gefügig gemacht. Der junge Mann habe schließlich keinen anderen Weg gesehen und den Beamten oral befriedigt. Seine Aussage sei "voll umfänglich glaubhaft", detailreich und stimmig, hatte sie in ihrem Plädoyer ausgeführt.

Die psychologische Sachverständige hatte dagegen in der Aussage des 25-Jährigen hervorgehoben, den Beamten zum Abschied vor der Wache umarmt zu haben. Dies sei ein ungewöhnliches Verhalten für ein Vergewaltigungsopfer.

An der Unterhose des 25-Jährigen, der wenige Stunden nach seinem Besuch auf der Polizeiwache im zentralen Präsidium erschienen und den Polizisten angezeigt hatte, waren allerdings DNA-Spuren des Polizisten entdeckt worden. Im Genitalbereich des Kommissars waren wiederum Mischspuren fremder DNA gefunden worden, die vom mutmaßlichen Opfer stammen könnten.

Der Kommissar hatte dazu ausgesagt, der Mann habe auf der Wache sein Piercing aus dem Mund genommen und ihm gezeigt. Er habe es kurz in die Hand genommen. Später habe der 25-Jährige noch die Toilette der Wache aufgesucht. Die DNA könnte durch "Sekundärübertragung" beim Toilettengang in die jeweiligen Intimbereiche gelangt sein, hatte sein Verteidiger ausgeführt. - dpa

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare