39-jähriger Familienvater wegen Mordes vor Gericht

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DÜSSELDORF - Vor neun Jahren wurde die Mitarbeiterin einer Unternehmensberatung in Düsseldorf in ihrem Bett erschlagen. Nun steht ein 39-jähriger Familienvater wegen der Tat vor Gericht.

Sie lag in ihrem Bett und schlief vermutlich, als die tödlichen Hiebe sie mit voller Wucht trafen. Neun Jahre nach dem nächtlichen Mord an einer jungen Frau in Düsseldorf wird der Fall an diesem Dienstag vor Gericht verhandelt. Auf der Anklagebank muss sich ein 39-jähriger Familienvater aus Ratingen verantworten. Ungewöhnlich: Obwohl wegen Mordes angeklagt, ist der Mann auf freiem Fuß. Erwartet wird ein Indizienprozess mit offenem Ausgang.

Wissenschaftler in München und Jena waren in den vergangenen Jahren mit dem Fall befasst. Eine neue Analysemethode zur Bestimmung der Tatzeit hatte den Verdacht gegen den 39-Jährigen verstärkt. Danach soll er noch in der Wohnung der Frau gewesen sein, als diese starb, bevor er nach Essen zu seiner neuen Freundin und jetzigen Ehefrau eilte. Er selbst hatte ausgesagt, dass die Frau noch lebte und unverletzt war, als er wegfuhr.

Die Leiche der 27-Jährigen war im November 2004 in ihrer Düsseldorfer Wohnung entdeckt worden - am Tag ihrer geplanten Geburtstagsparty. Die Gäste hatten vergeblich vor dem Haus gewartet und schließlich die Feuerwehr gerufen. Die Helfer stießen in der Wohnung dann auf das Verbrechen.

Noch im vergangenen Sommer hatte eine Hundertschaft der Polizei in dem Mordfall die Böschung der Autobahn 52 auf Essener Gebiet abgesucht, um die Tatwaffe zu finden. Die Auswertung von Handydaten hatte nahegelegt, dass der Verdächtige an der A52 unmittelbar nach der Tat einen kurzen Stopp eingelegt haben könnte. Doch die Suche acht Jahre nach der Tat brachte nichts Verdächtiges ans Licht.

Der jungen Frau war das Gesicht zertrümmert worden. Als Tatwaffe wird ein Knüppel, Baseballschläger, Rohr oder Ähnliches vermutet. Die Leiche wies massivste Gesichts- und Kopfverletzungen auf. Zeichen eines Kampfes fanden sich nicht.

Der langjährige Lebensgefährte des Opfers war damals gerade eine neue Beziehung zu seiner jetzigen Ehefrau eingegangen, hatte sich aber von der 27-Jährigen anscheinend nicht lösen können. Im Beziehungsspagat und -stress zwischen den beiden Frauen vermuten die Ermittler sein Motiv.

Als zusätzlich belastend wertet die Staatsanwaltschaft das Spurenbild an einem Pyjama, der am Tatort sichergestellt worden war. Der Angeklagte hatte eingeräumt, den Pyjama getragen zu haben. Die Analyse der Blutspritzer auf dem Schlafanzug ergab, dass ihn der Mörder während der Tat getragen hatte, so die Staatsanwaltschaft.

Der Verdächtige hatte sich stets kooperativ gezeigt, alle Fragen beantwortet - und seine Unschuld beteuert. Er hatte angegeben, dass seine intime Beziehung zu der Düsseldorferin bereits beendet gewesen sei. Man war sich nur noch freundschaftlich verbunden, sagt er. Die Mutter der Ermordeten hatte immer wieder Zweifel an dieser Version geäußert. - dpa

Quelle: wa.de

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