Widerstand zeigt Wirkung

3000 Jäger begehren gegen Jagdreform auf

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Bei der Regionalkonferenz in der Werler Stadthalle machten rund 3000 Jäger ihrem Ärger Luft.

WERL - Der heftige Protest der Jäger gegen den von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) vorgelegten Entwurf zur ökologischen Jagdreform wirkt: Bei der Regionalkonferenz für den Regierungsbezirk Arnsberg, an der am Dienstagabend etwa 3000 Jäger in der Werler Stadthalle teilnahmen, zeichneten sich grundlegende Veränderungen der Gesetzesinitiative ab.

Der Vorstoß, dass neben privaten auch juristische Personen (etwa Vereine und Naturschutzgruppen) das Recht erhalten sollen, die Jagdausübung auf ihren Grundstücken zu verbieten („befriedete Bezirke“), ist in der rot-grünen NRW-Regierungskoalition nicht mehr mehrheitsfähig.

Marc Herter, Hammer Landtagsabgeordneter und Parlamentarischer Fraktionsgeschäftsführer der SPD, stellte klar, dass seine Fraktion diese Regelung nicht mitgetragen wird. Aus Jägersicht bedeutet eine weitere Einschränkung das Ende der flächendeckenden Jagdausübung und des Reviersystems. Zudem würden Wildschäden und Seuchenzüge begünstigt, wenn es weitere Jagdverbote für Flächen gibt.

Widerstand habe erst begonnen

Der Präsident des Landesjagdverbandes (LJV), Ralf Müller-Schallenberg, machte gleich zu Beginn der – kontroversen und teilweise von starken Emotionen geprägten – Debatte deutlich, dass der Widerstand gegen die Remmel-Initiative mit den Versammlungen erst begonnen habe. Falls es keine grundlegenden Änderungen der rot-grünen Absichten gebe, werde die Jäger-Interessenvertretung gegen das neue Gesetz klagen, weil damit Eigentumsrechte verletzt werden.

Jägerpräsident warnt vor Überreglementierung

„Das Land kocht“, riet der Jägerpräsident der SPD, sich nicht von den Grünen in einen „Abwärtsstrudel“ hineinziehen zu lassen. „Mit der SPD hat es bei der Jagd nie Differenzen gegeben“, warb Müller-Schallenberg um Unterstützung. Die Bürger hätten die „politische Bevormundung und Gängelung satt“, warnte er zugleich vor Überreglementierungen.

Jäger haben Hannelore Kraft um ein Gespräch gebeten

Er berichtete, dass die Jäger Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) um ein Gespräch gebeten haben, um den 15 Punkte umfassenden LJV-Forderungskatalog zu erörtern. Auf Distanz zu den Remmel-Vorschlägen ging auch SPD-Jagdexpertin Annette Watermann-Krass: „An manchen Stellen steht nicht das drin, was wir vereinbart haben“, untermauerte sie die Feststellung von Müller-Schallenberg, dass Inhalte des Eckpunktepapiers des Umweltministers nicht besprochen worden seien. „Da kann man gut noch drüber reden“, signalisierte sie Veränderungsbereitschaft bei der Novelle.

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Jäger formulieren Protest gegen Jagdgesetz 

Als „nachvollziehbare Methode“ wertete sie die Praxis, dass Jagdhunde an der kurzfristig flugunfähigen Ente ausgebildet werden. Hier solle es eine zeitlich festgelegte Überprüfung der Neuerung geben, die ein Verbot des Trainings am lebenden Tier vorsieht. Während Norwich Rüße von den Grünen den Gesetzentwurf als „maßvoll und ausgewogen“ sowie „dem Tierschutz angemessen“ wertete, hielten Vertreter von CDU und FDP überhaupt keine Veränderungen am Jagdgesetz für erforderlich.

Entwurf sei ein Beleg für "Arroganz der Macht"

„Dieses Gesetz wurde von radikalen Naturschützern geschrieben“, erklärte der FDP-Abgeordnete Christof Rasche aus Erwitte. Der Entwurf sei ein Beleg für „die Arroganz der Macht von Grünen und SPD“, sagte der CDU-Parlamentarier Werner Lohn aus Geseke. Der fraktionslose Parlamentarier Robert Stein bescheinigte den Grünen „Ideologie“ und der SPD „Utopie“, denn es werde Beteiligung vorgegaukelt.

Kastrationsgebot für Katzen müsse umgesetzt werden

Und was wird aus dem geplanten Tötungsverbot für wildernde Katzen? Das Kastrationsgebot müsse umgesetzt werden, forderte Herter. FDP-MdL Karlheinz Busen verlangte schlicht die Einführung einer Katzensteuer. Zwischenzeitlich haben sich auch die Waidgenossen – ein Initiativkreis sozialdemokratischer Jäger in NRW – zur Gesetzesreform positioniert. „Es gibt noch sehr, sehr großen Beratungs- und Veränderungsbedarf“, berichtet Waidgenossenchef Claus Jacobi. Ziel seiner Vereinigung sei es, möglichst viele der 15 LJV-Forderungen durchzusetzen. - von Robert Vornholt

Quelle: wa.de

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