Schärfere Corona-Maßnahmen

2G-Regel in NRW? Landesregierung sträubt sich - doch eine Aussage macht stutzig

Kommt die 2G-Regel in NRW? Noch sperrt sich die Landesregierung gegen die Corona-Maßnahme, doch eine Aussage macht stutzig. Auch ein Termin deutet sich an.

Hamm - Nordrhein-Westfalen war vor wenigen Wochen noch der Corona-Hotspot Deutschlands. Seitdem sinken die Inzidenz-Werte, doch die Lage ist trügerisch. Experten prognostizieren für den Herbst eine steigende Zahl an Neuinfektionen. Viele Bundesländer wappnen sich mit Einführung der 2G-Regel gegen die Corona-Welle. NRW gehört nicht dazu. Noch nicht. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Fläche34.098 km²

2G-Regel in NRW? Druck auf Landesregierung wächst

Der Druck auf die Landesregierung von Ministerpräsident Armin Laschet* steigt, die 2G-Regel einzuführen, wonach nur noch Geimpfte und Genesene Vorzüge erhalten und nicht mehr Getestete. Viele Pfeile hat die Politik nicht mehr im Köcher, wenn es um die Eindämmung der Herbst-Welle geht.

Die Impfkampagne lahmt; auch die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ausgerufene Impf-Aktionswoche hatte nur überschaubaren Erfolg. Gleichzeitig werden die Stimmen lauter, die nach einem größeren Schutz der Kinder bis 12 Jahre rufen, für die es trotz Fortschritten etwa bei Biontech noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Sie fürchten einen neuen Lockdown an Schulen und Kitas.

Vorerst soll in Nordrhein-Westfalen aber die 3G-Regel bestehen bleiben. Danach genießen auch Getestete bestimmte Vorzüge. Ungeimpfte haben also die Möglichkeit, mittels eines Corona-Tests die gleichen Freiheiten zu genießen wie Geimpfte und Genesene. Aber wie lange noch?

2G-Regel: Andere Bundesländer experimentieren mit Corona-Maßnahme

Acht Bundesländer experimentieren derzeit mit der 2G-Regel, unter ihnen so grundverschiedene wie Berlin und Baden-Württemberg. In NRW gilt landesweit 3G, auch wenn Kreise und Städte nach Absprache schärfere Regeln erlassen dürfen. Einige Veranstalter gehen bereits dazu über, den Zutritt für ungeimpfte Personen zu beschränken. Zum Karnevalsstart in Köln darf den beliebten Heumarkt etwa nur betreten, wer geimpft oder genesen ist.

„Wenn wir die 2G-Regel landesweit zum Standard machen, würde das den Infektionsschutz in Innenräumen nachweisbar erhöhen und Betreibern Planungssicherheit geben“, sagte Felix Banaszak, Chef der Grünen in NRW, der WAZ. Ähnlich äußert sich dort auch Städtetag-Geschäftsführer Helmut Dedy: „Wir brauchen auch in NRW eine 2G-Regelung“, sagte er. Wer mehr Freiheiten wolle, müsse über 2G nachdenken.

2G-Regel in NRW: Karl-Josef Laumann mit deutlicher Aussage

Die von CDU und FDP geführte NRW-Landesregierung zögert mit der Einführung der 2G-Regel. Doch sie hat sich alle Möglichkeiten offen gehalten. Am 8. Oktober läuft die Corona-Schutzverordnung von Nordrhein-Westfalen aus. Ob danach - dann auch unbelastet von der politischen Sprengkraft, die eine solche Entscheidung in Armin Laschets Bundesland kurz vor der Bundestagswahl 2021* entfalten könnte - die 2G-Regel in NRW kommt, ist nicht klein.

Vor einer Bar in Hamburg steht ein Schild, das auf den Einlass nach der 2G-Regel hinweist. Bald auch in NRW?

Schon im September sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU): „Eines muss uns klar sein: Nach allen Prognosen von Expertinnen und Experten, aber auch nach meiner persönlichen Überzeugung, stehen nicht geimpften Menschen im Herbst besondere Gefährdungen bevor. Wenn wir dann die von vielen vorhergesagte ‚Pandemie der Ungeimpften‘ bekommen, können für diese Personen neue Schutzmaßnahmen erforderlich werden.“ Im Klartext: Kommt die „Pandemie der Ungeimpften“, kommt 2G.

2G-Regel in NRW? Im Oktober könnte sie kommen

In diesem Fall wäre der Druck auf Ungeimpfte ab Oktober doppelt groß. Nicht nur, dass sie durch die 2G-Regel mehr Nachteile hätten. Selbst dort, wo der Zutritt mit Corona-Test noch möglich wäre, wird er teuer, denn ab dem 11. Oktober werden die sogenannten „Bürgertests“ für die meisten Menschen in Deutschland nicht mehr kostenlos sein.

„Wer sich nicht gegen Corona impfen lassen will, muss Nachteile durch die 2G-Regel in Kauf nehmen“, sagt der Grundrechtsexperte Prof. Stefan Huster von der Ruhr-Uni Bochum in der WAZ. Supermärkte, Busse und Bahnen oder auch der Arbeitsplatz müssten aber auch für Ungeimpfte zugänglich bleiben. „Aber dann müssten diejenigen, die sich in Betrieben nicht impfen lassen wollen, die Tests auch selbst bezahlen.“ Es sei nicht einzusehen, dass die Solidargemeinschaft für sie die Tests bezahlt. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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