Deutschlandweit größter Protest gegen Schmähvideo in Dortmund

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Muslime veranstalten am Samstag in Dortmund eine Demonstration gegen das islamfeindliche Schmähvideo aus den USA. Das Video führte weltweit zu Protesten.

[UPDATE] DORTMUND - Es kamen mehr Menschen als erwartet. Gewalt blieb bei Protesten gegen das Mohammed-Video in NRW ebenso aus, wie in anderen deutschen Städten. In Dortmund zogen 1500 Muslime durch die Straßen.

Bei der deutschlandweit größten Demonstration gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film aus den USA sind am Samstag 1500 Muslime friedlich durch die Dortmunder Innenstadt gezogen. Die Polizei hatte lediglich bis zu 1000 Teilnehmer erwartet. Auf Plakaten hieß es: "Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz." Die Muslime riefen immer wieder: "Respekt für alle Religionen. Stoppt den Film, stoppt den Spott!" In einem Flugblatt forderten sie ein Gesetz, das das Verspotten und Schmähen von heiligen Symbolen aller Religionen untersagt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) lehnte eine Verschärfung des Blasphemie-Paragrafen aber ab.

In Pakistan sorgte der Aufruf eines Regierungsmitglieds für neue Aufregung. Der Eisenbahnminister setzte ein Kopfgeld von 100 000 Dollar auf den Macher des Videos aus. Der pakistanische Premierminister Raja Pervez Ashraf distanzierte sich davon.

In Dortmund hielten einige Teilnehmer während des Marsches Deutschlandfahnen hoch und zeigten Bilder, auf denen Muslime und Christen gemeinsam religiöse Schriften lesen. Männer und Frauen liefen in jeweils eigenen Demonstrationszügen. Zu der Kundgebung hatte eine muslimische Privatperson aufgerufen.

Es habe keinerlei Störungen gegeben, auch nicht von außen, sagte eine Polizeisprecherin. In Hannover zogen 1000 Muslime am Sonntag friedlich durch die Stadt, in Bergisch Gladbach rund 100. Bereits am Freitagabend hatten 600 Menschen in Münster friedlich gegen das Schmähvideo demonstriert. Drei Mitglieder der radikalislamischen Salafisten wurden dort nach Rücksprache mit Polizei und Veranstalter geduldet. In Karlsruhe kamen mehrere Hundert Muslime zusammen.

In der islamischen Welt hat das Video massive Proteste und eine Welle der Gewalt ausgelöst, die schon mehrere Menschen das Leben gekostet hat. Der Film "Unschuld der Muslime" stellt den islamischen Propheten Mohammed unter anderem als vertrottelten, lüsternen Bösewicht dar. Allein die Darstellung des Propheten als Mensch ist für strenggläubige Muslime anstößig.

Die muslimischen Gemeinden in Dortmund verzichteten auf einen eigenen Aufruf zur Demonstration. Ihr Sprecher Ahmad Aweimer sagte: "Wir sehen, dass die Bundesregierung und die Menschen in Deutschland den Schmähfilm ablehnen. Wir haben deshalb keinen Bedarf." Sollte der Film allerdings öffentlich gezeigt werden, würden auch die Gemeinden reagieren. Gewalt sei aber kein Thema. "Wir lassen uns auf keinen Fall provozieren", sagte Aweimer. - lnw

Quelle: wa.de

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