100.000 Euro ergaunert - Angeblich Toter legt Geständnis ab

AACHEN - Er erfand Menschen, ließ sie wieder sterben - und kassierte ab. Auch sich selbst erklärte der Mann aus der Eifel für tot. Es half nichts. Jetzt steht er vor Gericht.

Ein vermeintlich toter Serienbetrüger hat vor dem Aachener Landgericht gestanden, Urkunden gefälscht und Versicherungen betrogen zu haben. Um in einem Revisionsverfahren am Bundesgerichtshof einer drohenden Haftstrafe zu entkommen, habe er sich dann 2006 einen Totenschein ausgestellt und dem Gericht seine eigene Sterbeurkunde zukommen lassen. "Ich hatte in der Justiz so viele Leute gegen mich aufgebracht. Da dachte ich mir, es sei besser, wenn ich ganz verschwinde", gestand der 44-Jährige am Dienstag.

Später habe er für sich eine Ehefrau erfunden, die er sterben ließ, um bei der Berufsgenossenschaft Hinterbliebenenrente zu beziehen. Mit der Totenschein-Masche habe er insgesamt rund 100 000 Euro ergaunert. Nötige Stempel für die Fälschungen habe er sich auf einem belgischen Flohmarkt besorgt oder über das Internet bei einer litauischen Firma bestellt, sagte der Mann aus der Eifel, der zuletzt im belgischen Grenzgebiet bei Aachen lebte. Bei Nachfragen habe er sich als Mitglied eines Karnevalsvereins ausgegeben, der fantasievolle und wichtig aussehende Stempel benötige.

Zuletzt habe er sich einen Autounfall mit einem verletzten Mädchen ausgedacht, um eine Versicherung abzuzocken. Angeblich hatte er ein kleines Mädchen angefahren und am Auge verletzt. Für die Versicherung habe er ein Foto aus einem medizinischen Lehrbuch kopiert. Dann aber habe die Versicherung die Fünfjährige und deren Eltern sehen wollen. "Da drohte alles aus dem Ruder zu laufen, und ich fand es am elegantesten, einen Todesfall zu konstruieren", sagte der Angeklagte, der zuletzt Europäisches Recht studiert hatte. Er ließ das erfundene Mädchen sterben.

Der bereits wegen Betrugs vorbestrafte Mann ist in dem aktuellen Verfahren wegen gewerbsmäßigen Betrugs und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in 21 Fällen angeklagt. Das Gericht hatte ihm eine mildere Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren in Aussicht gestellt, wenn er ein Geständnis ablegt. Andernfalls hätte er mit einem zusätzlichen Haftjahr rechnen müssen. - lnw

Quelle: wa.de

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