Missstände

Zwischen Schimmel und Hoffnung: Mieter eines Immobilieninvestors klagen über grobe Mängel

Wirkt recht idyllisch, ist aus Sicht der Mieter aber kein Wohn-Paradies: die ehemalige Eisenbahner-Siedlung an der Oberen Schlänke in Lüdenscheid.
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Wirkt recht idyllisch, ist aus Sicht der Mieter aber kein Wohn-Paradies: die ehemalige Eisenbahner-Siedlung an der Oberen Schlänke in Lüdenscheid.

Diese Farben machen wohl niemanden froh: An den Decken von Küchen und Wohnräumen haben sich schwarz-grau-grüne Geflechte gebildet. Wasser tropft die Wände herab. Kein Zweifel: Schimmelbefall.

Brügge – Die Bewohner – sie sind Mieter in den früheren Eisenbahner-Häusern im Stadtteil Brügge – blicken sorgenvoll nach oben, fürchten Gesundheitsgefahren und Verlust der Wohnqualität. Und der Schimmel ist dabei längst nicht alles, was sie auf die Palme bringt. Die Liste der Mängel und Probleme sei lang, so der Tenor vor Ort, umfasse auch fehlerhafte Gebühren-Abrechnungen, Heizungspannen und Tatenlosigkeit der Vermieterseite. Zustände, die man aber nicht hinnehmen wolle und könne, sagt Volker Linn, einer der Beschwerdeführer: „Wir lassen uns die Missstände hier nicht mehr gefallen.“

Zur Einordnung: Vor gut zwei Jahren hatte die in Hagen ansässige Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft (EWG) ihre knapp 60 Mietwohnungen in Brügge an einen Privatinvestor – die Bochumer Rhein-Ruhr-Invest GmbH – verkauft. Die Veräußerung der Häuser – vornehmlich gelegen an der Oberen Schlänke und der Opderbeckstraße – löste damals Irritationen und Unsicherheit aus. Kritiker des Geschäfts fürchteten, dass die Immobilien zu Rendite- und Spekulationsobjekten mutieren könnten. In der Folge investierte die Rhein-Ruhr-Invest in die Ausstattung der teils arg veralteten Wohnungen. Die erhielten neue Gasheizungen, einige – nicht alle – auch neue Bäder und Fußböden.

Geringe Heizleistung

Besuch bei Volker Linn. Der ist Anfang 2020 in eine der renovierten Wohnungen an der Oberen Schlänke 1 eingezogen. Schimmel hat er dort nicht. Dafür besitzt das Haus eine moderne Gastherme im Keller. Das Problem laut Linn allerdings: Der Brenner funktioniere nicht. „Die Therme hat viel zu wenig Druck. Bei mir im Dachgeschoss kommt kaum noch Wärme an.“ Im Februar habe er seine Wohnung bei einer Raumtemperatur von zwölf Grad gar zeitweise verlassen müssen. Auch die anderen Bewohner müssten eine reduzierte Heizleistung hinnehmen, wenn auch in geringerem Ausmaß – weil sie näher an der Therme mit ihrem Geringdruck sind. Außerdem verschwinde in die Heizung nachgefülltes Wasser aus unerklärlichen Gründen: „Das sickert vermutlich ins Mauerwerk – mit unabsehbaren Folgen für die Bausubstanz.“

Mieter André Weber zeigt die Schäden im Hausflur. In seiner Wohnung muss er derweil mit Schimmelbefall kämpfen.

Auf seine regelmäßigen Beschwerden reagierten die Bochumer Vermieter oft gar nicht oder nur verzögert. Das gelegentliche Auftauchen von Handwerkern habe bisher keine Wende gebracht: „Da passiert nichts. Stattdessen hat mir die Projektverwaltung mitgeteilt, dass ich ja kündigen könne. Aber ich will bleiben, ich fühle mich hier wohl.“

Ein weiteres Problem von Linn: Laut Mietvertrag steht ihm ein Keller zu. Doch den Verschlag habe er bis heute nicht betreten können – weil ein anderer Hausbewohner den Raum belegt habe und nicht herausgebe. Wiederholte Anfragen bei den Vermietern hätten keinerlei Erfolg gezeitigt: „Ich warte immer noch auf meinen Keller.“

Falsche Abrechnung

Visite bei einer Nachbarsfamilie von Linn, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Das Ehepaar nebst Kind hat von der Rhein-Ruhr-Invest kürzlich eine Nebenkostenabrechnung erhalten. Demnach sollten für einen Zeitraum von fünf Monaten Kabel- und Antennenkosten in Höhe von 4750 Euro gezahlt werden. „Eine völlig aus der Luft gegriffene Summe“, sagen die Betroffenen, die die Forderung nicht beglichen und eine korrigierte Nebenkostenabrechnung verlangten. In der Folge flatterte ihnen dann die fristlose Kündigung in die Wohnung. Der kam die Familie nicht nach und schaltete den Mieterbund ein. Ende offen.

Schimmelbildung

Ortswechsel. An der Oberen Schlänke 5 lebt Mieter André Weber – ebenfalls ganz gerne, wenn da nicht der Schimmel und die undichten Fenster in Bad und Wohnräumen wären, wie er moniert. Etliche E-Mails hat er deswegen schon an den Vermieter geschrieben. Doch Anfragen und Beschwerden beantworte die Rhein-Ruhr-Invest kaum bis gar nicht. Mehrmals habe Weber bereits seine Miete gekürzt. Auch das sei ohne Reaktion geblieben. „Wegen der Untätigkeit“ der Vermieter habe sich die Feuchtigkeit mittlerweile offensichtlich durch die Wand bis in den Hausflur gearbeitet. Dort klafft nun ein dickes Loch im Putz.

Die neue Gastherme im Haus von Mieter Volker Linn bringt kaum Wärme in seine Wohnung.

Mindestens ebenso ernst schätzt die Mieterin in der Etage über Webers Wohnung ihre Lage ein. Die Frau lebt dort mit ihrem kleinen Kind. An den Decken von Küche und Wohnzimmer haben sich fette Schimmelnester gebildet. Es riecht muffig. Nachbarn sind gekommen und schauen kopfschüttelnd in die Höhe. Vor kurzem sei hier noch Wasser geplätschert, weiß die Bewohnerin, die nun Angst vor gefährlichen Schimmelsporen hat. Die Ursache für Nässe und Schimmel ist nicht ganz klar. „Vielleicht ist es das Dach“, mutmaßt die Runde der Nachbarn. Für Abhilfe jedenfalls habe der Vermieter bisher nicht gesorgt.

Alles Einzelfälle? Keineswegs, da ist sich Volker Linn sicher. Die Kommunikation in den sozialen Medien zeige, dass es unter den Brügger Mietern der Rhein-Ruhr-Invest verbreitet Unzufriedenheit gebe. Die Vorwürfe seien dabei immer ähnlich: Der Vermieter führe notwendige Reparaturen nicht aus, lasse Wartungsarbeiten schleifen, ignoriere Nachfragen und Beschwerden. Volker Linn: „Wahrscheinlich halten die uns für unbequeme Mieter, die sich nicht alles bieten lassen und die man deshalb loswerden will. Und es stimmt, wir lassen uns nicht alles bieten. Eines ist klar: Hier muss sich etwas ändern.“

Die Stellungnahme von Rhein-Ruhr-Invest im Wortlaut

Auf eine LN-Anfrage hat die Rhein-Ruhr-Invest folgende schriftliche Stellungnahme zu den Vorgängen in Brügge abgegeben:

Zum Vorwurf einer zu geringen Wärmeleistung der Gastherme, Obere Schlänke 1.

Rhein-Ruhr-Invest: „Bereits zu Beginn des Jahres haben wir die zuständige Heizungs- und Sanitärfirma beauftragt. Mehrere Male war der beauftragte Handwerker vor Ort und konnte keine Mängel feststellen. Auf Grund Ihrer Anfrage haben wir erneut einen Handwerker beauftragt, dieser überprüfte alle Wohneinheiten und auch bei dieser Begehung konnten keine Mängel festgestellt werden.“

Zum Vorwurf eines fehlenden Kellers, Haus Obere Schlänke 1.

Rhein-Ruhr-Invest: „Die Übergabe der Wohnung wurde seinerzeit von einer externen Vermieterin durchgeführt. Dies ist nicht üblich. Eine finale Kellerzuordnung ist nicht erfolgt, da der Fall noch in Bearbeitung ist.“

Zum Vorfall einer fehlerhaften Nebenkostenabrechnung.

Rhein-Ruhr-Invest: „Bei dieser Abrechnung gab es leider einen systemseitigen Fehler, aktuell wird die Abrechnung korrigiert und den Mietern zugestellt. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir Ihnen keine datierte Aussage zukommen lassen. Wir werden nach Erstellung der korrigierten Abrechnung uns mit der betroffenen Familie in Verbindung setzen.

Zum Vorwurf von Schimmelbildung wegen Baumängeln.

Rhein-Ruhr-Invest: „Auch hier sind wir bereits seit Februar aktiv und haben diverse Fachfirmen beauftragt. Nach Auskunft der Fachfirmen handelt es sich um falsches Lüftungsverhalten des Mieters. Um eine Verschlechterung ausschließen zu können, haben wir erneut eine Fachfirma beauftragt, die sich der Problematik annimmt. Auch dieser Vorgang befindet sich derzeit in Bearbeitung.“

Zum Vorwuf, der Vermieter kümmere sich nicht um die Häuser, ignoriere Anfragen und behebe Mängel nicht.

Rhein-Ruhr-Invest: „Erstmals mit Ihrer E-Mail haben wir von der Problematik erfahren. Uns liegen derzeit keine unbearbeiteten Mängelmeldungen vor. Den Mietern sollte der Prozess der Schadensmeldung bekannt sein, da dazu entsprechende Schreiben versandt beziehungsweise ausgehängt wurden.“

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