Neue Einrichtung auf der Kippe

Zweites Impfzentrum in Iserlohn: KVWL sagt Teilnahme ab

Firmengebäude zu verkaufen
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Seit dem 1. Februar hat der Märkische Kreis dieses Gebäude einer ehemaligen Firma in Iserlohn angemietet.

Die Inbetriebnahme eines zweiten Impfzentrums in Iserlohn steht auf der Kippe. Eine Woche, nachdem Landrat Marco Voge vor lauter Freude über die bevorstehende Eröffnung im Nordkreis noch „Luftsprünge machen“ wollte, sagt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) ihre Teilnahme nun ab.

Märkischer Kreis - In einem Brief an die Landräte des Märkischen Kreises sowie der Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein kritisiert KVWL-Bezirksstellenleiter Dr. Martin Junker die Einrichtung eines zweiten Impfzentrums als „rein politischer Wunsch, der nicht den realen Bedingungen und den real gelieferten Impfstoffmengen gerecht wird“.

Wenn die Vaccine künftig in hausärztlichen Praxen verimpft werden sollten, so Junker weiter, werde selbst ein einziges Impfzentrum pro Kreis „in absehbarer Zeit nicht mehr notwendig sein“. Die Kapazitäten der Impfzentren seien schon jetzt „nicht in dem Maße ausgeschöpft“. Es fehle eher am Impfstoff.

Pflegebedürftigen oder behinderten Menschen über die Weitergabe in die Praxen zuhause die Impfung zu ermöglichen, sei sinnvoller als die Eröffnung eines weiteren Impfzentrums. „Sobald es eine flächendeckende Versorgung von Impfstoff in den Praxen gibt, wäre eine solche Maßnahme nicht mehr zu rechtfertigen.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte der KVWL-Bezirksstellenleiter, die niedergelassenen Ärzte könnten bei der Gabe von Moderna oder AstraZeneca „das gleiche Procedere“ verwirklichen wie bei der Grippeimpfung. „Da bin ich als Arzt im Herbst mobil und führe 600 bis 700 Impfungen durch.“ Er habe von den Ärzten der drei Landkreise für seinen Vorstoß „vielfach positive Resonanz“ bekommen. Ebenso bei der Vertreterversammlung der KVWL am Freitag.

Die Rekrutierung des medizinischen Personals und die Terminplanung für das zweite Impfzentrum sollten nach Landrat Voges Ankündigung in der Zuständigkeit der KVWL liegen. Die Vereinigung der niedergelassenen Mediziner aber winkt ab.

In seinem Schreiben an die Landräte stellt Dr. Junker fest, die Personalsituation mit ärztlichen und freiwilligen Helfern in einem zweiten Zentrum sei „nicht von der KV zu stemmen“. Weiter heißt es: „ Das bedeutet, dass Sie bei Eröffnung eines zweiten Impfzentrums die komplette Mannschaft bereitstellen müssten, sowohl die freiwillig beteiligten Ärzte und Medizinische Fachangestellte wie auch sonstiges Hilfspersonal.“

Überdies lasse sich die Teilnahme am Betrieb eines Impfzentrums nicht erzwingen. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts könne die KVWL das nicht anordnen, die Teilnahme sei freiwillig.

Der Märkische Kreis hält unterdessen an der geplanten Eröffnung des Impfzentrums in Iserlohn fest. Das teilt der Pressesprecher des Landrats, Alexander Bange, mit. Die Einrichtung der zweiten Impfstelle erfolge vor dem Hintergrund des Erlasses der Landesregierung am 1. März.

Und Voge will die Kassenärzte offenbar an ein Versprechen erinnern. Demnach hat die KVWL im Januar angekündigt, beim Aufbau und Betrieb einer zweiten Impfstelle „ein verlässlicher Partner“ zu sein. Deren kurzfristige Errichtung sei „weiterhin erforderlich“, um vor allem den Bürgern im Nordkreis ein niederschwelliges Angebot machen zu können. „Stand heute, 9. März, wird die Impfstelle in Iserlohn am 1. April in Betrieb gehen.“

Das sieht Dr. Junker offenbar anders. Gegenüber unserer Redaktion sagt er: „Wir sind bereit zu helfen. Aber dann auf eine vernünftige Art und Weise.“

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