Steigende Zahlen von Covid-19-Patienten

Zweite Welle trifft Kliniken im MK mit voller Wucht - Besuchsstopp vereinbart

Auf der Intensivstation des Klinikums Lüdenscheid werden wieder mehr Covid-19-Patienten behandelt.
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Auf der Intensivstation des Klinikums Lüdenscheid werden wieder mehr Covid-19-Patienten behandelt.

Die zweite Welle der Pandemie trifft die Krankenhäuser im Märkischen Kreis mit voller Wucht. Täglich müssen mehr Covid-19-Patienten behandelt werden.

„Heute Morgen standen allein fünf Positivfälle vor der Tür und wollten stationär aufgenommen werden“, berichtet Prof. Thomas Uhlig, Leiter der Intensivstation am Klinikum Lüdenscheid. So etwas habe es während der gesamten ersten Corona-Phase im Frühjahr nicht gegeben.

Die Zahl von 28 Covid-19-Patienten, die die Märkischen Kliniken gestern Morgen abfragten, war am Mittag schon wieder überholt. „Wir haben eben den sechsten Patienten auf der Intensivstation aufgenommen, vermutlich kommt in diesem Moment gerade der siebte“, sagt Uhlig am Mittag am Telefon. Der Klinikdirektor geht von zwei bis drei Monaten aus, in denen der Fokus seines Teams vor allem auf Covid-19-Patienten liegen wird.

Auf die Erfahrungen aus dem Frühjahr können Ärzte und Pflegekräfte dabei zurückgreifen. Bereits seit Wochenbeginn wurde im Klinikum Lüdenscheid die Corona-Station wieder eingerichtet. „Wir hatten Ende der vergangenen Woche eine Explosion bei den Covid-19-Patienten-Zahlen. Bis gestern haben sich die Zahlen noch einmal verdoppelt. Das Virus klopft derzeit so heftig an die Tür, dass wir gucken müssen, dass wir die Schotten dicht machen“, erklärt Thomas Uhlig.

Er begrüßt das strenge Besuchsverbot, das seit Wochenfrist im Klinikum sowie in der Stadtklinik Werdohl gilt. Nur in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel einer Geburt oder bei der Sterbebegleitung ist ein Besuch erlaubt. Die strengen Testvorgaben für Mitarbeiter und Patienten im Klinikum wurden gestern weiter verschärft.

Andere Häuser im Kreis gehen ähnlich vor. In einer Telefonschalte am Donnerstag vereinbarten die Vertreter des Gesundheitsamts sowie aller Krankenhäuser im Märkischen Kreis einen sofortigen Besuchsstopp, um die sensiblen Einrichtungen während der zweiten Corona-Welle zu schützen. Ausnahmen gelten nach Angaben von Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheit beim Kreis, für die Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer und die Sportklinik in Lüdenscheid, wo auch weiterhin kurze Besuche durch Angehörige oder Freunde möglich sind. Die Behandlung von Elektivpatienten – ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für alle Krankenhäuser – unterliegt anders als im Frühjahr diesmal allerdings noch keinen Beschränkungen.

„Die Kapazitäten für Covid-19-Patienten im Kreis sind vorhanden und nicht ausgeschöpft, dennoch blicken die Krankenhäuser angespannt in die Zukunft“, berichtet Schmidt. Limitierender Faktor sei das Personal zur Betreuung von Intensivpatienten und zur Bedienung der Beatmungsgeräte. „Es wurde deutlich: Die Kliniken haben im Moment nicht genügend Personal, um im Fall der Fälle alle Intensivplätze zu versorgen“, sagt der Fachbereichsleiter. Damit dieses Szenario erst gar nicht eintritt, dürften die Infektionszahlen nicht weiterhin so stark steigen.

Sorgen bereiten den Krankenhausvertretern auch vereinzelte Corona-Ausbrüche innerhalb der Kliniken. Im Gesundheitswesen müssen Kontaktpersonen der Kategorie I unter Auflagen weiterarbeiten, solange sie keine Symptome haben. Das gilt auch für infizierte Pflegekräfte und Ärzte, die derzeit noch in häusliche Quarantäne gehen. Aktuell gebe es kleinere Corona-Ausbrüche in mehreren Häusern im Kreis, berichtet Volker Schmidt. Darunter befindet sich auch das Klinikum Lüdenscheid.

Anfang der Woche waren dort bei Routineuntersuchungen zwei Mitarbeiter und vier Patienten einer Station positiv auf das Coronavirus getestet worden. Auch auf zwei weiteren Stationen gab es einen Corona-Fall beziehungsweise einen Verdachtsfall. Gestern befanden sich 17 Mitarbeiter des Klinikums Lüdenscheid in häuslicher Quarantäne. Prof. Thomas Uhlig gab gestern vorsichtige Entwarnung, alle drei Stationen seien in den Normalbetrieb zurückgekehrt. „Es ist uns gelungen, dass Infektionsgeschehen einzudämmen“, sagt der Leiter der Intensivstation.

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