Zweieinhalb Jahre für Lüdenscheider Schulleiter

LÜDENSCHEID ▪ Der Prozess gegen einen Lüdenscheider Schulleiter wegen zweifacher uneidlicher Falschaussage wird in die zweite Runde gehen: Ein erweitertes Schöffengericht des Amtsgerichts Hagen verurteilte den Angeklagten gestern zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren.

„Wegen der Gesamtumstände wäre auch eine Strafe von bis zu zwei Jahren nicht zur Bewährung ausgesetzt worden“, sagte der Vorsitzende Richter Brass in seiner Urteilsbegründung.

Nach Meinung des Gerichts hatte sich der Angeklagte im Dezember 2007 der uneidlichen Falschaussage schuldig gemacht: Bei seiner ersten Vernehmung im Rahmen des Verfahrens gegen einen an seiner Schule tätigen Arabischlehrer hatte er als Zeuge behauptet, dass die Tür zum Unterrichtsraum stets offengestanden und er das Tun des Sprachlehrers unter Kontrolle gehabt habe. Dies hatte sich durch weitere Zeugenaussagen sehr schnell als unzutreffend herausgestellt. „Die Taten hätten gar nicht geschehen können, wenn der Unterricht bei geöffneter Tür stattgefunden hätte“, urteilte der Richter.

Für erwiesen hielt das Gericht auch eine zweite Falschaussage: Demnach habe der Schulleiter Schulkonferenz-Unterlagen einer weiterführenden Schule über eine seiner ehemaligen Schülerinnen nicht – wie zunächst behauptet – zur Stellungnahme bekommen, sondern seinerseits angefordert, „um einen Kübel Dreck über die Belastungszeugin auszugießen“. Tatsächlich hatte er das Dokument den Verteidigern des angeklagten Arabischlehrers zur Verfügung gestellt. „Der Angeklagte ist ein unbelehrbarer Überzeugungstäter, der meint, gerichtliche Entscheidungen manipulieren zu müssen“, urteilte das Gericht harsch. Es sei „ein völliges Unding, dass ein Schulleiter, dessen Lehrer vorgeworfen wird, jahrelang Kinder missbraucht zu haben, in der Hauptverhandlung falsche Angaben macht“.

Als Zeugen sagten gestern zwei Richter und eine Staatsanwältin aus. Der Beisitzende Richter des Missbrauchs-Prozesses hatte über das damalige Aussage-Verhalten des Angeklagten geurteilt: „Er war ein nicht glaubhafter Zeuge, auf den wir kein Urteil hätten stützen wollen.“ Das Gericht sei durch das teilweise „Zurückrudern“ des Zeugen aber „zufriedengestellt“ worden.

Der Angeklagte selbst nahm gestern nur über seinen Anwalt zu den Vorwürfen Stellung. Auch für dessen Strategie, in einer Erklärung Falschaussagen in Missverständnisse umzudeuten, gab es starke Worte des Vorsitzenden: „an den Haaren herbeigezogene semantische Verrenkungen“.

Mit dem Strafmaß verdoppelte das Gericht noch die vom Staatsanwalt geforderte Strafe von 15 Monaten, die dieser zur Bewährung ausgesetzt sehen wollte. Schon über diesen Antrag hatte sich der Verteidiger „entsetzt“ gezeigt. Das Urteil nahmen er und der Angeklagte mit versteinerten Mienen entgegen. Für sie bleibt vorerst nur der Weg in die Berufungsinstanz „Landgericht“ oder in die Revision beim Bundesgerichtshof – beides würde aufschiebende Wirkung haben.

Sollte das Urteil Bestand haben, müsste der Schulleiter aus dem Dienst entfernt werden. Zudem würde er nach Angaben des Gerichtes seine Altersbezüge verlieren. ▪ thk

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