Kunden genervt

Zwei Wochen Kassenbon-Pflicht im MK: Händler schlagen Alarm - “Wir sind doch keine Verbrecher“

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Das Geier-Team erteilt der Bonpflicht eine klare Absage.

Lüdenscheid - Ein Bon für jedes Brötchen, jedes Würstchen auf die Hand und jede Brezel für den kleinen Hunger zwischendurch? Mehrheitlich „unnütz“ und „übertrieben“ finden die Bergstädter die neue Kassenbon-Pflicht, die am 1. Januar in Kraft getreten ist.

Diese Neuregelung verpflichtet Einzelhändler dazu, ihren Kunden bei jedem Einkauf – sei er noch so klein – einen Kassenbon auszudrucken und möglichst in die Hand zu drücken, ob der Kunde ihn nun haben will oder nicht. Mit der neuen Abgabenordnung will der Gesetzgeber das Unterschlagen von Umsätzen verhindern und Steuerbetrug eindämmen. 

Kehrseite der Medaille: Millionen zusätzlich ausgedruckter Bons, mehr Müll und mehr Papier – obendrein häufig beschichtetes Thermopapier, das schädlich für die Umwelt ist. Nur vereinzelt, das ergab eine Umfrage, können die Lüdenscheider der neuen Regelung etwas abgewinnen. Die Mehrheit spricht sich dagegen aus. 

Grundsätzlich sei er bestrebt, seinen Kunden einen Bon mitzugeben, meint Oliver Scherff vom Feinkostgeschäft „Papageno“ an der Wilhelmstraße.

Vielfach sind Unverständnis und Verärgerung groß. Grundsätzlich sei es immer sein Bestreben, den Kunden einen Bon mitzugeben, kommentiert beispielsweise Oliver Scherff vom Feinkostgeschäft Papageno an der Wilhelmstraße die neue Regelung. Schließlich gebe das eine gewisse Sicherheit. „Dass man das zur Pflicht macht, grenzt aber schon an Beleidigung. Wir sind doch keine Verbrecher. Die Bonpflicht macht überhaupt keinen Sinn.“ 

Ähnlich sieht das Gaby Hübner vom Fachgeschäft Das Bastelzubehör an der Herscheider Landstraße, die mit ihrer Kasse zwar schon einen digitalen Bon ausstellen könnte, aber noch nicht kann, weil dafür noch die Zertifizierung aussteht. „Das Thema nur auf den Kassenbon zu reduzieren, ist zu wenig“, verweist sie auf zahlreiche Ausnahmeregelungen. Ihre Kasse sei schon immer manipulationssicher gewesen. Wer es allerdings darauf anlege, finde immer Wege zu betrügen. 

Gaby Hübner vom Fachgeschäft „Das Bastelzubehör“ könnte mit ihrer Kasse digitale Bons ausgeben, kann aber nicht, weil die Zertifizierung dafür noch aussteht.

Auch Christoph Geier von der Fleischerei Geier an der Kalver Straße meint: „Das bringt gar nichts, das ist nur Arbeit.“ Bei Geier sei schon immer ein Bon ausgedruckt worden, allerdings ließen 90 Prozent der Kunden diese Bons liegen. 

Auf die Bonpflicht angesprochen, gibt‘s bei den Kunden fast überall Kopfschütteln. „Ich brauche keinen Bon für zwei Brötchen“, findet beispielsweise Burkhard Wattenberg, der die Bonpflicht „unnütz“ findet. „Bei diesen kleinen Alltagsgeschäften ist das unnötig.“ Schließlich verfügten heutige Registrierkassen auch über die technischen Mittel, die Beträge direkt ans Finanzamt zu übermitteln. 

Peter-Henning Trimpop pflichtet ihm bei: „Ich brauche keinen Bon. Ich weiß ja, was ich bezahlen muss. Wenn ich einen Bon brauche, lasse ich mir einen ausdrucken.“ Zwar sei es generell richtig, einen Kassenbon auszudrucken, meint Bäckereikunde Rolf Bredemann. „Aber bei so kleinen Beträgen nehme ich den Kassenzettel nicht mit. Da finde ich es übertrieben.“ Ansonsten halte er einen Kassenbon wegen einer eventuellen Rückgabe von Waren für wichtig. 

"Das ist ein absolutes Unding"

Gleicher Meinung ist Arno Seltmann, der zuvor sowohl beim Bäcker wie beim Metzger vorschriftsmäßig nach Aushändigung von Kassenbons gefragt worden war. „Das ist ein absolutes Unding, wenn man für jedes Brötchen ein Stück Papier in die Hand bekommt. Ich brauche das nicht.“ Auch Rolf Becker und Petra Albowski erteilen der Bonpflicht eine Absage. „Ich find’s eigentlich Quatsch, nur immer mehr Kontrolle“, meint Rolf Becker. „Das gehört in die Kategorie: Dinge, die der Mensch nicht braucht“, ergänzt Petra Albowski. 

Thomas Fischer findet die Bonpflicht „lästig“, kann aber auch den Gesetzgeber verstehen. „Ich kenne das auch aus Italien.“ „Sehr positiv“ findet indes Matthias Wahl-Wehner die Bonpflicht. „Selbst beim Brötchen.“ Steuer, Diebstahl und Eigenbedarf führt er als Gründe für seine Meinung an. Gleicher Meinung ist Claus Fröhling: „Dann weiß ich, was ich ausgegeben habe und habe die Möglichkeit zu reklamieren. Ich kann beweisen, was ich gekauft habe, auch beim Brötchenkauf.“ 

Bon-Ausbeute von einer Stunde bei Wurst und Schinken König im Stern-Center.

Vor allem die liegengebliebenen und nicht mitgenommenen Bons gehören in den Geschäften zu den unliebsamen Begleiterscheinungen der neuen Regelung. „Viele Kunden möchten gar nicht den Kassenbon“, beklagt etwa Bäckereifachverkäuferin Bianca Böhler. „Das ist mehr Umwelt- und Papierverschwendung als alles andere.“ 

Eine Einschätzung, die sie mit Nathalie Boss von Wurst und Schinken König im Stern-Center teilt. „Das ist viel mehr Papierverschwendung“, verweist sie auf den vollen Mülleimer. „Das ist die Ausbeute von einer Stunde.“ Gleiches in der Bäckerei Hesse: „Die Wenigsten wollen den Kassenbon mitnehmen. Dadurch entsteht viel mehr Müll.“ 

Auch das Team der Metzgerei Niedergesäß ist nicht glücklich über die neue Regelung. „Nicht für eine Bratwurst“, meinen Barbara Markus und Janine Schachtschneider. „Die Kunden möchten den zusätzlichen Müll gar nicht zu Hause haben.“ Besonders am Grill, wo die Kunden jetzt im Winter draußen in der Kälte warten, falle zudem der Zeitfaktor ins Gewicht. 

„Wir brauchen’s nicht!“ Kunde Stefan Brambier verweist überdies auf die schwierige Entsorgung der Bons. „Normalerweise sollten Metzger und Bäcker das Papier sammeln und nach Berlin schicken“, findet er.

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