"Schwere Jungs" unter Anklage

Raubüberfall auf Lüdenscheider Tankstelle - dann hat Täter einen Unfall

+
Die Aral-Tankstelle an der Werdohler Landstraße war am 25. Dezember vergangenen Jahres Schauplatz eines bewaffneten Raubüberfalls.

Lüdenscheid - Am Donnerstag beginnt am Hagener Landgericht ein umfangreicher Strafprozess gegen zwei Lüdenscheider. Sie sollen unter anderem  im Dezember vergangenen Jahres die Aral-Tankstelle an der Werdohler Landstraße überfallen haben.

Es war einer der spektakulärsten Raubüberfälle des zurückliegenden Jahres: 

Zwei bewaffnete Männer, 36 und 52 Jahre alt, fahren am Abend des 1. Weihnachtstages mit einem Mercedes mit gestohlenen Kennzeichen an der Aral-Tankstelle an der Werdohler Landstraße vor. Minuten später fliehen sie mit 1540 Euro und vier Stangen Zigaretten. 

Anfang Februar erwischt die Polizei die Gesuchten. Ab Donnerstag wird ihnen am Hagener Landgericht der Prozess gemacht. 

Vor der 6. großen Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettina Wendlandt sitzen zwei Männer, die für die Justiz keine Unbekannten sind. Wie es heißt, ist der 52-Jährige unter anderem wegen Beihilfe zur Freiheitsberaubung, räuberischen Diebstahls, illegalen Drogenerwerbs und besonders schweren Raubes vorbestraft. 

Kurz vor dem Überfall auf die Tankstelle war er erst aus dem Gefängnis entlassen worden. Dort hatte er fünf Jahre und drei Monate abgesessen. 

Sein mutmaßlicher Komplize ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt und war auch schon mehrmals im Gefängnis. Im Bundeszentralregister sind Verurteilungen wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes, Beihilfe zum Diebstahl, Drogenschmuggels und -handels oder Unfallflucht dokumentiert. 

Zur Tatzeit Weihnachten 2018 stand er nach Auskunft des Landgerichts unter laufender Bewährung.

Der Raubüberfall und ein Zufallsfund

Die Staatsanwaltschaft legt den beiden Männern auch diesmal eine ganze Reihe von Verbrechen zur Last. Das Schwerwiegendste davon ist der Raubüberfall auf die Tankstelle. 

Nach bisherigem Ermittlungsstand haben die Angeklagten kurz vor der Tat am Dürerweg im Ortsteil Grebbecke Kennzeichen von einem Auto gestohlen und an ihren Mercedes geschraubt. 

Dann fuhren sie zur Werdohler Landstraße und füllten zunächst den Tank. Der ältere der beiden ging mit einem Schal maskiert in den Kassenraum, hielt dem 18-jährigen Kassierer einen scharfen Revolver der Marke Smith & Wesson, Kaliber 38, vor die Nase und forderte Bargeld und Zigaretten. 

Die Täter flohen mit ihrer Beute im Mercedes in Richtung Werdohl. Zwei Tage nach dem bewaffneten Raubüberfall wurde der Fluchtwagen mit den geklauten Nummernschildern in einen Verkehrsunfall verwickelt. 

Polizeibeamte inspizierten den Mercedes und fanden, wie es damals hieß, „Teile der Maskierung“ sowie den Revolver. Der 36-Jährige wurde in Münster festgenommen und landete in U-Haft, der zweite Gesuchte war zu diesem Zeitpunkt noch auf der Flucht.

Weitere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Dem 52-Jährigen legt die Anklagebehörde einen weiteren Raubüberfall zur Last. Er soll am Abend des 1. Februar in einem Kiosk am Hagener Hauptbahnhof eine Flasche Bier aus dem Regal genommen, sie am Tresen zerschlagen und den Mitarbeiter des Kiosk mit dem abgebrochenen Flaschenhals bedroht haben. Dabei erbeutete er laut Anklage 25 Euro. 

Auch der jüngere der beiden Angeklagten muss sich wegen weiterer Straftaten verantworten. Nach Erkenntnissen der Justiz ist er in Hagen und Lüdenscheid mehrfach mit seinem Mercedes durch die Gegend gefahren, obwohl er keinen Führerschein hat. 

Bei einer Verkehrskontrolle fanden Polizisten eine Schreckschuss-Pistole mit Magazin und Munition. 

Zwei Tage vor dem Raubüberfall auf die Tankstelle überholte er laut Staatsanwaltschaft auf dem Volmeabstieg in Hagen „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ einen Skoda und stieß mit ihm zusammen. 

Zwei Tage nach dem Überfall raste er die Oedenthaler Straße hoch und kollidierte mit einem entgegenkommenden Auto. In beiden Fällen beging er demnach Unfallflucht. Am 30. Dezember soll er außerdem unter dem Einfluss von Morphin und Kokain durch Lüdenscheid gekurvt sein.

Umfangreicher Strafprozess geplant

Das Landgericht hat sich auf einen umfangreichen Strafprozess eingerichtet. Sechs Verhandlungstage sind anberaumt, 27 Zeugen, unter ihnen auch Sachverständige, sollen vernommen werden. 

Das Strafgesetzbuch sieht allein für den bewaffneten Raubüberfall einen Strafrahmen zwischen fünf und 15 Jahren vor. Der jüngere der beiden Angeklagten wird von dem Hagener Strafverteidiger Ralph Giebeler vertreten. 

Die Verteidigung des anderen Mannes übernimmt der Lüdenscheider Rechtsanwalt Heiko Kölz.

Die Termine

Die Hauptverhandlung findet am 13., 18. und 27. Juni, 18. und 29. Juli sowie am 2. August im Saal 247 des Hagener Landgerichts statt, Beginn ist jeweils um 9 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare