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Zwei Kreuze tun nicht weh: Ein Plädoyer wider das Nichtwählen

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Runter vom Sofa, rein ins Wahllokal und zwei Kreuze machen! Das tut nicht weh...

Runter vom Sofa, rein ins Wahllokal und zwei Kreuze machen. Wer die Direktkandidaten der Parteien und deren Engagement zuletzt erlebt hat, der weiß, dass sie es verdient haben, dass die Wahlberechtigten am Sonntag zur Wahl gehen. Ein Meinungsbeitrag.

Dagmar, Engelbert, Florian, Holger, Johannes, Klaus, Nezahat, Otto und Sabrina: Das sind nicht die Namen der Teilnehmer einer lustigen Biergartenrunde in dieser schönen Spätsommerwoche. Es sind die Vornamen der Direktkandidaten, die der Bürger am Sonntag im Wahlkreis 149, also auch in Lüdenscheid, Kierspe, Herscheid, Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle wählen darf. Mit der Erststimme.

Dazu gibt’s eine Zweitstimme mit noch mehr Wahlmöglichkeiten – fast so vielen wie es Fleisch-mit-Fleisch-Gerichte auf der Karte beim Balkan-Restaurant um die Ecke gibt. Wahlwerbung also ist das Thema.

Nicht Werbung für den einen oder die andere. Eher Werbung dafür, den Hintern hochzubekommen. Dafür, zwei Kreuze zu machen am Sonntag. Politiker und die Resultate von Politik werden dieser Tage gerne schlechtgeredet, mitunter bis hin zur Schmähkritik. Die Folge: Der so Frustrierte geht gar nicht mehr wählen. 2017 haben im Wahlkreis 149 von 206 716 Wahlberechtigten 54 174 Menschen nicht gewählt – 26,2 Prozent. Nur CDU-Wähler hat es mehr gegeben als Nichtwähler. Dramatisch.

Zwei Kreuze tun nicht weh: Ein Plädoyer wider das Nichtwählen

Ja, es ist schwierig, die eine Partei oder den einen Kandidaten zu finden, mit der oder dem man inhaltlich voll übereinstimmt. Es ist leichter, so manches Gegenargument zu finden, die Partei oder den Kandidaten nicht zu wählen. Aber: Nichtwählen ist keine Option. Die Wahl zu haben, das ist ein Privileg. Mitbestimmen zu dürfen, wohin die Reise geht, ist ein Geschenk, keine Selbstverständlichkeit. Selbst wenn ein Wähler der Meinung ist, dass er bestenfalls das kleinste Übel zu wählen vermag, dann soll er doch eben dieses kleinste Übel wählen.

Die Jugendlichen in Lüdenscheid haben bei ihrer U18-Wahl etwas Sympathisches getan: Sie haben die Tierschutzpartei aus der Masse der „Sonstigen“ herausgehoben, ihr fast fünf Prozent der Stimmen beschert. Tierliebe als Alternativ-Wahlidee. Im Zweifel ist Mut zur Phantasie beim Urnengang besser als eine Vogel-Strauß-Mentalität.

Letzter Gedanke, gegen Politikverdrossenheit: Wer die neun Direktkandidaten im Wahlkampf beobachten durfte, wer mit ihnen gesprochen hat, der hat Menschen voller Herzblut, voller Ideen, voller Ideale erleben dürfen. Man muss die Meinungen nicht teilen, um Respekt vor diesem Engagement, dieser Unermüdlichkeit zu haben. Diese Neun und auch die vielen anderen Wahlkämpfenden haben es verdient, dass nicht wieder 26,2 Prozent der Wahlberechtigten zu Hause bleiben. Deshalb: Runter vom Sofa! Versprochen: Wählen tut nicht weh. Nicht mal Nebenwirkungen wie beim Impfen sind zu befürchten.

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