Zwei Jahre nach Kirmes-Unfall wieder Verletzte durch "Commander"

[UPDATE 12.16 Uhr] BREMEN/LÜDENSCHEID - Knapp zwei Jahre nach dem schweren Kirmesunfall in Lüdenscheid, hat es in dem Fahrgeschäft "Commander" wieder einen Zwischenfall gegeben. Auf der Bremer Osterwiese hat sich am Sonntagnachmittag eine Gondel gelöst - zwei Menschen wurden verletzt.

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Zwei Verletzte nach "Commander-Unfall": Diskussionen über Sicherheit

Der Unfall auf der Kirmes in Bremen erinnert an den Vorfall am 29. Mai 2010 in Lüdenscheid. Wieder löste sich während der Fahrt eine Gondel. Eine 14-Jährige und ein 33 Jahre alter Mann wurden leicht verletzt. „Sie hatten Glück im Unglück“, sagte Polizeisprecher Henning Zanetti. Ein Notarzt behandelte die beiden Fahrgäste. Danach konnten sie nach Hause gehen.

Es handelt sich um das gleiche Karussell, bei dem es auch in Lüdenscheid zu einem Zwischenfall gekommen war. Das bestätigte am Montag die Leiterin des Bremer Stadtamtes, Marita Wessel-Niepel.

Am Sonntagnachmittag war die Gondel in voller Fahrt fast komplett von der Halterung abgerissen, nur an einem kleinen Teil blieb sie noch hängen. Die Kabine krachte nach Angaben von Zanetti ein- bis zweimal auf die Oberfläche des „Commanders“. Dann stoppte der Karussellbetreiber die Anlage, bei der sich etwa 30 Gondeln um die eigene Achse drehen. Die Polizei ermittelt jetzt, wie es zu dem Unglück auf der Osterwiese kommen konnte. Ein Gutachter des zuständigen Bauamts beschäftigte sich mit dem Vorfall – und dem Fahrgeschäft. Erste Ergebnisse sollen erst Mitte der Woche vorliegen. Es ist davon auszugehen, dass der „Commander“ auf der diesjährigen Osterwiese nicht mehr in Betrieb geht.

Der Tüv soll das Fahrgeschäft nach Angaben des Besitzers am Samstag noch untersucht haben – für die jährliche Abnahme. Mängel wurden dabei nicht entdeckt, hieß es. Nur einen Tag später war dann die Gondel in voller Fahrt fast komplett aus der Halterung gerissen. Sie schlug mehrmals auf, berichteten Zeugen. Der Betreiber hielt das Karussell sofort an. Durch diesen Not-Stop wurde möglicherweise Schlimmeres verhindert.

Rückblick auf Unfall in Lüdenscheid

Rückblick:

- Geldstrafe nach Kirmes-Unfall beantragt

- Gutachten nach Kirmes-Unfall: Gondel-Gelenk war kaputt

Zwei Schwerverletzte im Alter von 19 und 24 Jahren sowie sieben Leichtverletzte hatte es 2010 an der Hohen Steinert auf dem Schützenfest des Bürger-Schützen-Vereins Lüdenscheid gegen. An dem Fahrgeschäft Commander hatte sich im Kirmestrubel am Samstagabend beim Anfahren eine mit zwei Personen besetzte Gondel gelöst. Ein 24-Jähriger zog sich dabei eine Platzwunde am Kopf zu, einem 19-Jährigen brach die schleudernde Gondel den Unterschenkel. Er hatte mit einem Sprung zur Seite gerade noch verhindern können, dass er am Kopf getroffen wurde. Die Gondel wurde von einer stählernen Balustrade aufgehalten, bevor sie in der Menge noch Schlimmeres anrichten konnte.

Bilder vom Unfall im Mai 2010 in Lüdenscheid

Kirmes-Unfall in Lüdenscheid

Mehrere Jugendliche und Erwachsene erlitten Schocks, Gehirnerschütterungen oder leichtere Verletzungen. Die Polizei beschlagnahmte damals das Karussell. Der "Commander" gehört dem Bremer Schaustellerbetrieb Hanstein.

Ursache für den Unfall war ein defektes Gelenk zwischen dem Stahlträger und der aufgesetzten Gondel. Für den Betreiber hatte der Zwischenfall ein gerichtliches Nachspiel: Wegen „fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen“ in neun Fällen hatte die Staatsanwaltschaft Hagen beim Amtsgericht Strafbefehle beantragt.

Auch BSV-Platzmeister Jürgen Linnepe beschäftigte der Unfall in Bremen am Montag, steht doch die nächste BSV-Kirmes vom 11. bis 20. Mai wieder bevor. Mit Sicherheit wird die „größte Kirmes des Sauerlandes“ aber ohne den „Commander“ stattfinden, wie Linnepe gestern betonte: „Der hat weder angefragt noch einen Vertrag.“

Rubriklistenbild: © Foto: Kornau

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