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Zwei Jahre im Zirkuslockdown: Geldsorgen und existenzielle Ängste

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Cirsus Salto Lockdown Corona Sorgen Lüdenscheid
Der Circus Salto gastiert noch bis Sonntag an der Hohen Steinert. © Björn Othlinghaus

Vor allem für einen Wanderzirkus ist es befremdlich, zur Sesshaftigkeit gezwungen zu sein. Doch genau dieser Zustand wurde für rund 300 Zirkusse in Deutschland zwei Jahre lang zum Alltag. Unmittelbar nachdem das Showverbot für Zirkusse im Frühjahr 2020 verhängt wurde, war die gesamte Zirkusbranche gezwungen, den Betrieb einzustellen und auf sämtliche Einnahmen zu verzichten.

Lüdenscheid - Auch der Circus Salto, welcher bis Sonntag an der Hohen Steinert in Lüdenscheid gastiert, musste damals seinen ursprünglich auf kurze Zeit geplanten Aufenthalt in Neuhof bei Fulda auf zwei Jahre – ohne Shows – ausweiten.

Von Carlotta Wilks

So hatten sich die Mitglieder des Circus Salto den Start der Saison, im Frühjahr 2020, wohl kaum vorgestellt. Renado Tränkler, Mitglied des Zirkusteams, berichtet von den zwei Jahren Showverbot, in denen die Manege leer blieb und alle geplanten Auftritte ausfielen. Die Artisten sehnten sich nach den Shows, den Scheinwerfern, dem bunten Zirkusalltag und vor allem dem Publikum im großen Zirkuszelt. Denn die Zeit in Neuhof entsprach nicht ansatzweise dem sonst so bunten und fröhlichen Treiben des Zirkus’.

Zebras, Circus Salto, Auftritt in Lüdenscheid
Die Zebras sind ein fester Teil der Show. © Fabiene Schwarzer

Ganz im Gegenteil: Geldsorgen und existenzielle Ängste rückten in den Vordergrund. Es war ein Kampf auf unbestimmte Zeit, und genau dieser Zustand bereitete den Verantwortlichen viele Sorgen, da er die konkrete Planung und Einteilung von den verfügbaren Ressourcen verhinderte. Für den Circus Salto bedeutete dies, zwei Jahre lang an allen Ecken sparen und die nötigen Ausgaben auf ein Minimum reduzieren zu müssen.

Das Wohlergehen der Tiere hat für uns oberste Priorität.

Renado Tränkler

Aber trotz aller Anstrengungen war es fast unmöglich, die benötigten finanziellen Mittel aufzubringen, unter anderem, weil der Zirkus 50 Tiere beherbergt, welche täglich mit Futter versorgt werden müssen. „Das Wohlergehen der Tiere hat für uns oberste Priorität“, betont Renado Tränkler.

Doch die Kosten, welche für Futter und Gesundheit der Tiere anfallen, waren durch das Ausbleiben von Shows kaum zu bewältigen. Pro Tag müssen rund 100 Euro für Hunde, Kamele, Lamas, Ponys, Pferde, Ziegen und Zebras investiert werden, hinzu kommen Wartungs- und Standkosten sowie sämtliche laufenden Kosten, die vonnöten sind, um den Zirkus am Leben zu halten. „Wir haben versucht, so geringe Ausgaben wie möglich zu haben. Nach zwei Jahren war bei fast allen Wagen der Tüv abgelaufen, und es hat uns ein Vermögen gekostet, den Zirkus für die kommenden Shows wieder auf Vordermann zu bringen,“ berichtet der Artist.

Circus Salto Lockdwon Corona Lüdenscheid
Der Kampf ums Überleben beschäftigte deutschlandweit rund 300 Zirkusse und wurde zum zentralen Aspekt des Lebens eines jeden Zirkusmitglieds. © Fabiene Schwarzer

Der Kampf ums Überleben beschäftigte deutschlandweit rund 300 Zirkusse, und er wurde zum zentralen Aspekt des Lebens eines jeden Zirkusmitglieds. Mit dem Ziel, der Zirkusbranche finanziell unter die Arme zu greifen, stellte Kulturstaatsministerin Grütters im Rahmen eines Soforthilfeprogrammes mit dem Titel „Neustart“ rund elf Millionen Euro zur Verfügung, von denen jedoch nur siebeneinhalbtausend Euro dem Circus Salto zugute kamen.

Vorstellungen und Reservierungen

Vorstellungen finden am Freitag ab 16 und 18.30 Uhr sowie am Samstag ab 14 und 17 Uhr statt. Am Sonntag, 30. Januar, geben die Artisten dann ab 11 Uhr ihre Abschiedsvorführung. Tickets können reserviert werden unter Tel. 0 15 77 / 2 36 65 92. Für alle Vorstellungen gilt 2G plus, also geimpft oder genesen zuzüglich eines tagesaktuellen Tests. Wer bereits über drei Impfungen, also auch über die Booster-Impfung, verfügt, braucht keinen tagesaktuellen Test, für Schulkinder gilt jener Test, den sie in ihrer Schule absolviert haben.

Diese einmalige Coronahilfe zu Beginn der Zwangspause habe nicht ansatzweise die Kosten gedeckt. Während die staatlichen Hilfsgelder dem Zirkus nur zu einem geringen Anteil durch die Pandemie halfen, so waren es vor allem die hilfsbereiten Landwirte Neuhofs, im osthessischem Landkreis Fulda, welche dem Zirkus mit tatkräftiger Unterstützung zur Seite standen. Die gastfreundlichen Landwirte sowie die Kommune und einige Bürger halfen mit finanzieller Unterstützung und Futterspenden, um den Fortbestand von Circus Salto zu sichern.

Die Bewältigung der Zwangspause war ein Kraftakt, und die Mitglieder des Circus Salto seien sehr stolz, die Zwangspause ohne den Verkauf von Tieren überstanden zu haben. Umso mehr freuen sich nun die Artisten auf jede Show, die sie noch auf dem Gelände des Schützenplatzes Hohe Steinert und an den folgenden Spielstätten geben können.

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