Zwei ausverkaufte Vorstellungen

Hochverdienter Beifall für Herbert Knebels Affentheater

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Herbert Knebel und sein Affentheater gastierten im Kulturhaus.

Lüdenscheid - Na gut, covern können die. Quer durch den Garten, von Uriah Heep über Johnny Cash bis Queen. Aber das können viele Bands. Nur: Hier rocken vier Typen sich durch einen Duisburger Zechensiedlungs-Vorgarten, die irgendjemand aus den 70er-Jahren in die Gegenwart gebeamt zu haben scheint. Herbert Knebels Affentheater trägt seinen Namen völlig zu Recht. Was für ein herrlicher Quatsch.

Ältere Herren in braunen Hosen, Hawaii-Hemd oder Birkenstock-Sandalen, wahlweise enge Trainingshose, durch Hosenträger in den Schritt gewürgt – und natürlich diese unvermeidliche Kappe auf dem Kopf des Chefs. „Wie es darunter wohl aussehen mag“, fragt Herbert, gesprochen: „Häbbät“. Er zeigt es auch diesmal nicht. Ein bisschen Comedy, ein bisschen Musik, schräge bis blöde Dialoge, ganz viel Spielfreude, fertig ist das Konzept, mit dem diese komischen Vögel an zwei Abenden hintereinander das voll besetzte Kulturhaus auseinander nehmen.

Dabei äußert das Publikum bei den ersten Nummern eine eher etwas abwartende Distanz. Rampensau Uwe Lükow („Häbbät“), Gitarrist Ozzy Ostermann (alias Georg Göbel-Jakobi), Bassist Ernst Pichl (Martin Breuer) und der piepsende Naivling Detlef Hinze als „Der Trainer“ am Schlagzeug – sie haben anfangs Mühe, die Lüdenscheider Mitklatscher aus der Reserve zu locken.

Herbert Knebels Affentheater

Doch spätestens in den Musikpausen, wenn Herbert Knebel solo zappelnd Anekdoten aus seinem Leben mit „meine Guste“ zum Besten gibt, johlen, pfeifen und applaudieren sie, wollen mehr – und kriegen es. „Mit meine Frau in Schwimmbad“, „mitte Guste in Schuhparadies“ und vor allem der Besuch mit ihr in diesem neuen indischen „Restorang“ namens „Zum Gandhi“ – da läuft Lykow zur Hochform auf und erzählt, wie Guste von seinem sauscharfen Lammcurry nascht, bunt anläuft („Da kam sogar Rauch ausse Ohren“), keuchend alles Trinkbare hinunterstürzt – und ihn so davon abhält, sein Essen auch mal zu probieren. „Dieser eine Moment ihrer Gier hat mir wohl das Leben gerettet.“ Das löst Jubelstürme aus. Und zwar hoch verdient.

Die Rollenverteilung im Affentheater ist klar definiert. „Häbbät“ ist der Boss, der Trainer die traurige Lachnummer, Ernst der Trockene, eher Bremsende. Und Ozzy der Vorstadt-Proll. Alle haben ihre altersbedingten Zipperleinchen, Rücken, Pumpe, Kniegelenke. Und: „Vergesslichkeit ist eine zeitraubende Freizeitbeschäftigung.“ Die Zusammenfassung kommt musikalisch daher: „Die Zeit macht nur vor dem Teufel Halt.“ Aber sie machen ihr Ding, halten durch und lassen sich zu ausführlichen Zugaben auf die Bühne zurück klatschen. Das Affentheater hat mehr drauf „als so mancher, der nix drauf hat“.

Knebel und seine Mannschaft sind alte Bekannte in der Kreisstadt. Der Anspruch ist überschaubar, der Spaß dafür anarchisch, die Musik durchaus veritabel – ein herrlicher Quatsch eben. Wir freuen uns auf dein nächstes Gastspiel, Häbbät. Komm bald wieder!

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