An der Bundesstraße

Zwangsversteigerung: Hochwasser zerstört Firmengebäude im MK

Das Hochwasser des Elspe-Bachs riss am 14. Juli Teile des Gebäudes weg.
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Das Hochwasser des Elspe-Bachs riss am 14. Juli Teile des Gebäudes weg.

Die Insolvenz des Mieters - der HC Aludruckguss - löste bei einem Industriebau an der B229 eine Kettenreaktion aus. Kurz vor dem zweiten Termin für die Zwangsversteigerung der Immobile kommt am 14. Juli das Hochwasser und zerstört Teile des Gebäude.

Lüdenscheid – Der Termin für die Zwangsversteigerung stand schon, als die Flut kam. Während des Jahrhunderthochwassers am 14. Juli trat der Elspebach aus seinem Bett und riss Teile des Industriegebäudes an der Talstraße 126 mit. Hier wurde zuletzt Aluminium gegossen, jetzt flattert das Absperrband an der Bundesstraße 229 im Wind. Der ohnehin schon trostlose Anblick wird durch Sperrmüll und eingestürzte Wände noch verstärkt.

Seit 2019 steht das mehr als 16 000 Quadratmeter große Grundstück mit seinen fast 6 000 Quadratmetern Nutzfläche unter Zwangsverwaltung. Der letzte Mieter, die HC Aludruckguss, blieb erst die Miete schuldig, schlitterte dann in die Insolvenz. Die Gesellschaft wurde Ende 2020 schließlich aufgelöst. Auch der Eigentümer der Immobilie geriet – ohne Mieteinnahmen – in Not.

Die Sparkasse Lüdenscheid als Hauptgläubiger strengte bereits 2019 die Zwangsversteigerung der Gewerbeimmobilie an, um über diesen Weg wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzuerhalten. Zur Vorbereitung des Verfahrens wurde Ende 2019 ein Exposé erstellt. Darin bemängeln die Gutachter einen insgesamt schlechten Unterhaltungszustand und eine eingeschränkte Grundstücksnutzung durch den über das Grundstück verlaufenden Elspe-Bach, der der Immobilie am 14. Juli zum Verhängnis wurde.

Der Altbau wies aber auch schon 2019 eine Vielzahl von altersbedingten Mängeln auf. Besser ist der Zustand des etwa 2001 errichteten Neubaus. Der Verkehrswert des gesamten Komplexes wird Ende 2019 mit 1,37 Millionen Euro angegeben. Das war vor der Flut.

Notdürftig abgesperrt ist das Grundstück an der Talstraße.

Ein erster Versteigerungstermin am Amtsgericht Lüdenscheid blieb ohne Ergebnis. Als ein Bieter weniger als 70 Prozent des Verkehrswerts aufruft, schreitet der Gläubiger ein. „Die Sparkasse hat daraufhin einen Antrag auf Zuschlagsverweigerung gestellt“, sagt Gerichtssprecher Marcus Teich.

Der zweite Termin ist nun für den 23. August, 9 Uhr, angesetzt. Dann sinkt die Bietergrenze wie bei Zwangsversteigerungen üblich auf 50 Prozent des Verkehrswerts. Volker Schnippering, Sprecher der Sparkasse Lüdenscheid, kann sich im Gespräch mit unserer Zeitung aber auch vorstellen, dass aufgrund der aktuellen Entwicklung ein niedrigeres Angebot akzeptiert würde. „Allerdings nicht zu jedem Preis“, sagt Schnippering. Reicht der Sparkasse das letzte Gebot nicht aus, kann der Gläubiger das Verfahren noch im Gericht einstellen.

Zuletzt kamen laut Gerichtssprecher Teich ein Vertreter der Sparkasse und der Zwangsverwalter an der Talstraße zusammen, um die Hochwasserschäden vor Ort zu begutachten. Dabei ging es auch darum, ob der Verkehrswert neu ermittelt und das laufende Verfahren eingestellt werden müsse. „Für die Immobilie existierte keine Elementarschadenversicherung, deshalb können durch die Flutschäden beim Verkehrswert deutliche Verschiebungen stattfinden“, erläutert Teich und meint Verschiebungen nach unten.

Doch bei dem Ortstermin habe die Sparkasse den Schaden an den Gebäuden als nicht so hoch eingeschätzt, berichtet der Gerichtssprecher. Diese Einschätzung teilt Volker Schnippering. Die „relevanten Gebäude“ seien vom Hochwasser nicht so stark betroffen gewesen, sagt der Sparkassen-Sprecher. Anders sieht es beim in den 1960er-Jahren fertiggestellten Altbau aus. Der Zwangsverwalter habe das Gebäude im Zuge seiner Verkehrssicherungspflicht gesichert und bereits Angebote für Reparaturen eingeholt, erklärt Schnippering.

Gerichtssprecher Teich geht davon aus, dass der Termin trotz aller Flut-Widrigkeiten am 23. August stattfindet. Ob es aber ein Gebot gibt und wie hoch es ist, wissen die Beteiligten erst im Gerichtssaal.

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