Zuschauer gebannt von „The King‘s Speech“

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Zwei starke Persönlichkeiten: Das Wechselspiel zwischen Götz Otto (links) als „Bertie“, Herzog von York, und Steffen Wink als Lionel Logue dominierte den gestrigen Theaterabend im Kulturhaus.

LÜDENSCHEID ▪ Zwischendurch hätte man im Zuschauersaal des Kulturhauses eine Stecknadel fallen hören können – so gebannt verfolgte das Publikum das Schauspiel auf der Bühne. Die Theatergastspiele Kempf zeigten am Mittwochabend mit „The King’s Speech“ bis in die Nebenrollen exzellente Schauspielkunst, die mit stehenden Ovationen belohnt wurde.

Spätestens seit der Oscar-Verleihung 2011 ist die Geschichte vom stotternden „Bertie“, dem späteren britischen König Georg VI., und seinem Sprachtherapeuten, dem australischen Schauspieler Lionel Logue weltbekannt. Gleich vier Trophäen gab es, darunter die für das beste Originaldrehbuch von David Seidler. Sein Stück, das auf der wahren Geschichte beruht, war zu sehen.

Im Mittelpunkt stehen zwei starke Persönlichkeiten – der eine verdient sich mit selbstbewusst-provokanten, aber erfolgreichen Methoden als Sprachtherapeut, der andere lebt, nach strengen Adelsregeln erzogen, als „Royal“, ist aber als Zweitgeborener nicht darauf vorbereitet, König zu werden. Steffen Wink als Lionel Logue und Götz Otto als „Bertie“, Herzog von York, geben diese beiden starken Charaktere. Götz Otto sind die Zerrissenheit zwischen dem totalen Pflichtbewusstsein und dem Trauma einer lieblosen Kindheit, sowie die Anstrengung, die es bedeutet, sich den Dämonen im Kampf gegen das Stottern zu stellen, förmlich anzusehen. Völlig kühl und lässig mit dem Selbstbewusstsein dessen, der weiß, was er tut, agiert dagegen Steffen Wink. Sie sind zwei Solisten, die im Rahmen der ihnen durch ihre gesellschaftlichen Rollen aufgezwungenen Distanz Freunde werden – und so ein eigenwilliges Duett bilden.

Das Finale des Stückes ist die berühmte Rede George VI. zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Götz Otto setzt diese Szene eindrucksvoll um. Der Zuschauer weiß, dass das erst der Anfang ist. Flankiert wird Otto dabei von fast allen Akteuren. Alle Rollen dieses Stückes, das auf ausgefeilte Bühnenbilder verzichtet und stattdessen ausschließlich auf die Präsenz der Schauspieler setzt, sind gut besetzt: Georgs Frau Elisabeth (Daniela Kiefer), Lionels Frau Myrtle (Mona Perfler), der Erzbischof von Canterbury (Christian Claaszen) sowie Winston Churchill und Georg V. (Harald P. Wieczorek). Vor allem Herbert Schäfer, der außerdem Premierminister Baldwin mimt, hat als angetrunkener David, Prince of Wales, im Dialog mit seinem Bruder (Götz Otto) eine großartige Szene. ▪ gör

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