Als Förster im „Sturm der Liebe“

Zungenbrecher und Zukunftspläne: Die Karriere des Schauspielers Arne Löber aus dem MK geht voran

Junger Mann im abgeholzten Wald
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Arne Löber genießt einen der seltenen Besuche in der Heimat. Beim Spaziergang rund um Schloss Neuenhof erzählt er von seinen Plänen.

Der Lüdenscheider Schauspieler Arne Löber treibt seine Karriere voran - als Förster Florian Vogt in der täglichen Seifenoper „Sturm der Liebe“.

Wie alles begann: In Amerika war’s wohl, im High-School-Austauschjahr in Nebraska. „Ich wäre gerne Football-Profi geworden, habe dann aber mit Theater angefangen“, erzählt der Lüdenscheider Arne Löber. Heute, mit 28, ist er Förster. Mittendrin in seiner Rolle, seinem Traumberuf als Schauspieler.

Beim Waldspaziergang rund um Schloss Neuenhof erzählt der ausgebildete Mime von den Herausforderungen einer täglichen Seifenoper, einer „Daily“ wie „Sturm der Liebe“, in der er seit Folge 3491 den Förster Florian Vogt spielt, montags bis freitags, 15.10 Uhr im Ersten. Inzwischen ist er mit Filmpartnerin Christina Arends als Maja von Thalheim das Traumpaar der Staffel 17, eine besondere Rolle in der Rolle. Die wird, so will es die Serien-Logik, mit Hochzeit und Abschied enden.

Mindestens ein Jahr Arbeit sichert ihm das Engagement für die Staffel. Ein Jahr zum Lernen. Ein Jahr, um aufzufallen. Ein Jahr, in dem er sich mit geschätzten Serien-Kollegen wie Sven Waasner („Unter uns“) messen kann. „Heute spiel’ ich den an die Wand“, fordern sie sich manches Mal gegenseitig spielerisch heraus. Ein Jahr, in dem das Ensemble für eine knappe Stunde Fluchten aus dem Pandemie-Alltag ermöglicht. Maskenlose Märchen, Träume, Ablenkung. Realitätsferne. Nur hinter den Kameras, sagt er, seien die Regeln wieder so strikt wie überall.

Eine bis elf Szenen am Tag

Eine bis elf Szenen am Tag, 25 Szenen pro Woche – „Wir als Hauptpaar haben etwas mehr“, plaudert der Lüdenscheider aus dem Telenovela-Alltag. Er steht um 6.30 Uhr auf, bis zu einer Dreiviertelstunde dauert der Weg ins Münchner Studio oder zum Außendreh. Als Arne geht er in die Maske und kommt nach 20 Minuten als geschminkter Naturbursche im Florianskostüm wieder heraus. Ein Viertelstündchen bleibt meist, um sich noch einmal in seinen Text zu vertiefen. Um neun Uhr beginnt der Drehtag.

Das Lernpensum ist beachtlich, aber es wird Routine: „Du kannst das auf einmal.“ Der intrigante Alltag im fiktiven 5-Sterne-Hotel Fürstenhof dreht sich um Hahnenkämpfe, Eifersüchteleien und kriminelle Energie, Missverständnisse und Liebesschwüre. Seit 16 Jahren scheint das täglich Millionen Menschen in mittlerweile mehr als 20 Ländern zu faszinieren. Vor ein paar Jahren konnte Bavaria Film vermelden, ihre deutsche Telenovela sei unter den Top 10 der europaweit einträglichsten Importserien, hinter Dauerbrennern wie CSI Miami, How I met your Mother oder The Mentalist.

Der Kontakt zu den Fans, treue Follower – auch das mag er an der Arbeit für Film und Fernsehen. „Ich komme mit dem Beantworten der Fanpost nicht hinterher“, gibt der Traumpaar-Partner zu: „Wir schreiben Autogramme ohne Ende.“ Zu Ostern gab’s Schoko-Pakete von fremden „Freunden“, hin und wieder Liebeserklärungen. Zu spät, er ist vergeben.

Das Gesamtpaket aus Drama, Comedy, Romanze, neuerdings auch Stunts, was dem einstigen Sportstudenten sehr entgegenkommt, passt. „Du hast so viele Möglichkeiten“, erzählt er, locker auf dem Schlossmäuerchen sitzend, die Hände gerne in Bewegung, die Mimik auch. Nach längerer Zeit ist er mal wieder in der Heimat, genießt es, spürt die Sauerländer Wurzeln, ist „zurück an dem Ort, wo die Wünsche entstanden sind“. Und fühlt sich gerade als Glückskind. „Es wäre schon cool“, meint der Fröhliche in einem ernsteren Moment, „irgendwo ‘ne Base zu haben.“ Bis dahin liebt er alles genau so, wie es gerade ist.

„Meine Figur ist schon anders als ich“, sagt er und grinst. Doch der Typ Naturbursche, der Sonnyboy, jemand, der viel lacht, doziert, ein bisschen besserwisserisch unterwegs ist – das passt, findet er, der aber auch ganz anders kann. Schauspieler halt. „Wenn du das Kostüm ablegst, bist du wieder du“, sagt er. Erkannt wird er trotzdem. Das, findet er, dürfte ruhig noch etwas mehr werden: „Ich würde mich nicht dagegen sträuben, dass es passiert. Das ist ja auch Teil der Faszination.“

Der nächste Schritt ist gemacht: Am 28. April (ARD, 18 Uhr) wird sein Auftritt im Rateteam von „Wer weiß denn sowas“ mit Moderator Kai Pflaume, Elton und Bernhard Hoëcker gesendet. Genau sein Ding: „Ich bin jemand, der ohne Punkt und Komma reden kann.“ Selbst Sätze wie „Das sind die Dinge, die die DDR betreffen“, des Schauspielers Zungenbrecher-Übung zum Lockern der Mundmuskulatur.

Dass die derzeit geschmeidig bleibt, ist nicht selbstverständlich. Die Pandemie trifft die Kultur mit voller Wucht. Sein Privileg, spielen zu dürfen, ist ihm bewusst. Und er hofft für seine ganze Branche: „Corona ist nicht alles. Es wird schon weitergehen.“ Was wie eine Drehbuchzeile klingt, ist Ausdruck tiefster Überzeugung. Es passt auch auf „Sturm der Liebe“. Auch danach wird’s schon weitergehen, sagt der junge Akteur, der eben das an seinem Beruf so liebt: die Abwechslung, die gespannte Ungewissheit, das immer wieder Neue: „Ich vertraue darauf, dass schon etwas kommen wird.“

Neugierig ist er und offen. „Man muss sich das Spielerische bewahren.“ Vielleicht ist das das Geheimnis seiner Wandelbarkeit vor der Kamera, auf der Bühne, als Synchronsprecher. „Es wäre total schön, irgendwann mal eine eigene Unterhaltungsshow zu haben“, träumt er seit der Pflaume-Aufzeichnung: „Da habe ich gebrannt.“ Brennen würde er auch für eine Rolle als erster Tatort-Kommissar im Sauerland. Ermittlungen in den Wäldern rund um Schloss Neuenhof, warum nicht? Fotos mit Lokalkolorit wären nun schon im Kasten. Vollprofi, eben.

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