Zugfahrer warten drei Stunden auf Lokomotivführer

LÜDENSCHEID - Etliche Reisende standen am Montagmorgen am Bahnhof vor einem unbemannten Zug – und vor einem großen Problem. Gegen 5 Uhr, als die erste Fahrt des Tages anstand, kam die Durchsage: „RB 29 000 von Lüdenscheid nach Dortmund fällt heute wegen Personalmangels aus.“

Von Olaf Moos

Erst um etwa 8.15 Uhr setzten sich die Waggons in Bewegung – gleichzeitig mit dem Bus im sogenannten Schienenersatzverkehr. Der Lüdenscheider Klaus Künzel zum Beispiel, der um 8.06 Uhr per Bahn zum Dortmunder Hauptbahnhof aufbrechen wollte, sah sich in Gesellschaft von rund 25 Mitreisenden, die ratlos an der Bahnsteigkante ausharrten. Drei Stunden zuvor erwischte es Frank Schreiber und seine Leidensgenossen auf dem Weg zur Arbeit. Um kurz nach 7 Uhr sei der erste Bus im Schienenersatzverkehr gerollt, hieß es.

Wolfgang Gaede, der gegenüber in seinem Reisebüro DB-Fahrkarten verkauft, konnte den Fahrgästen ebenfalls keine Antworten geben. „Mich hat niemand informiert.“ Auch die Taxenfunkzentrale, die bei plötzlichen Zugausfällen schon mal ein Fax von der Bahn AG und den Auftrag bekommen hat, Fahrgäste ersatzweise zu befördern, blieb diesmal außen vor, so Gaede.

Erst nach 8 Uhr wurde ein Mann von einem DB-Auto am Bahnhof abgesetzt, der den Zug dann in Bewegung setzte. „Ab 9 Uhr lief es wieder normal.“ Nach Gaedes Beobachtung komme es „drei bis vier Mal im Jahr“ vor, dass morgens einfach kein Zugführer vor Ort ist. Im Normalfall seien Verspätungen durch Zugausfälle nicht so dramatisch. „Aber was passiert, wenn jemand um eine bestimmte Zeit am Flughafen sein muss?“

Laut Bahn AG handelte es sich gestern um einen „kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfall des Lokomotivführers“. Derartige Fälle kämen „äußerst selten“ vor. Ersatzansprüche könnten über die DB-Reisezentren geltend gemacht werden.

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