„Zuccaba“: Keine Chance für den Windschutz

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Halil Özince ist frustriert: Den Windschutz-Teil seiner kleinen Allwetter-Terrasse musste er wieder abbauen.

Lüdenscheid - „Irgendwann hat man als Unternehmer keine Lust mehr.“ Halil Özince, Betreiber der 2011 eröffneten „Zuccaba“ am Sternplatz, ist frustriert. Daran ist er nicht ganz unschuldig, aber im Kern dreht sich seine Geschichte trotzdem um eine zentrale Frage der Gestaltungssatzung: Muss der Gast auf Windschutz verzichten, weil’s Stadtgestaltern nicht gefällt?

Vergangenen Sommer brachte die sogenannte „Luftballon-Revolution eine Diskussion um Stadtgestaltung und einige ihrer als einzwängend empfundenen Vorschriften in Gang. Ein Aspekt: aus Gestaltungsgründen unerwünschter Windschutz.

Das Problem an der „Zuccaba“ stellt sich laut Halil Özince wie folgt dar: Um die Folgen des Nichtraucherschutzgesetzes für rauchende Gäste zu mildern, hat er unter zwei großen – genehmigten – Schirmen auf von der Stadt angemieteter Fläche Sitzgelegenheiten geschaffen. Problem: „Wenn der Wind unter die Schirme fegt, sind die weg.“ Und so wuchs die Konstruktion, nach und nach ergänzt durch Blumenkübel, lackierte Stützbalken und seitlichen transparenten Windschutz. „Da war ich naiv“, sagt er heute, hoffte gleichwohl auf Toleranz durch die Stadt, weil’s doch „schön aussieht“. Die Stadt jedoch forderte eine Baugenehmigung, die das Amt mit Hinweis auf die Gestaltungssatzung verwehrt habe. Nach langem Hin und Her kam mit der Ordnungsverfügung die Zwangsgeld-Festsetzung von 2000 Euro. Seitdem steht auf der Facebook-Seite des Cafés: „Die Zukunft in unserem Lüdenscheid ist fraglich . . .“

Seine Kunden säßen gerne beim Kaffee draußen, weiß Halil Özince: „Im Endeffekt verdient die Stadt an uns doch Geld.“ Ohne Windschutz sieht er seinen Umsatz gefährdet. Paradox findet er, dass sogar die Schirmfirma angefragt habe, ob sie das Foto von der Windschutzkonstruktion für ihren Prospekt haben dürfe, „weil’s so schön geworden ist“. Manchmal fragt er sich, warum er hier eröffnet hat. „Weil’s meine Heimatstadt ist“, lautet seine Antwort. Doch Freunden, die hier ein Ladenlokal suchen, rät er ab: „Kollege, mach’s nicht, geh woanders hin.“

Erklärter Windschutz-Gegner ist Björn Weiß, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtplanung und Umwelt. Doch die Meinung sei im Ausschuss einhellig durch alle Parteien gegeben, sagt er. Seine Begründung: Man wolle den Nichtraucherschutz nicht dadurch aufheben, „dass wir zusätzlichen umbauten Raum schaffen, damit die Leute dann da rauchen“. Nicht ganz nachvollziehen kann er, dass man draußen sitzen möchte, aber windgeschützt: „Entweder, ich will mich draußen hinsetzen oder nicht.“ Dass das ein Thema sei, sehe er nicht: „’Die Bürger’ habe ich hierzu noch nie gehört; was wir hören, sind einige Gastronomen.“ 

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