Ziviler Ungehorsam schon seit vielen Jahren

Elke Wenzel (l.) findet es gut, dass Monika und Peter Neumann heute zum Buß- und Bettag ihr Geschäft schließen.

LÜDENSCHEID ▪ „Herr Blüm ist mir gegenüber nicht weisungsberechtigt“, sagte sich Peter Neumann, als der damals zuständige Bundesminister den Buß- und Bettag abschaffte, um mit dem zusätzlichen Arbeitstag den Arbeitgeberanteil an der Pflegeversicherung zu finanzieren. Das war 1995. Der „Bettenfritze“ von der Werdohler Straße reagierte mit „zivilem Ungehorsam“, wie er selbst sagt und schloss sein Bettengeschäft dennoch an dem gestrichenen Feiertag. Dabei ist es geblieben. Auch heute bleibt das Geschäft geschlossen – zum 74. Mal in der Geschichte des Bettenhauses, wie Peter Neumann es auch am Dienstag alle Kunden in einer Anzeige wissen ließ.

Während ansonsten kaum noch jemand überhaupt daran denkt, dass am 17. November mal ein gesetzlicher Feiertag war, wird der 63-Jährige heute Morgen in den Gottesdienst in der Jesus-Christus-Kirche in Meinerzhagen besuchen und anschließend mit ehemaligen Beschäftigen eine Wanderung veranstalten, um danach gemeinsam im Gasthaus Rose gemütlich zu essen. „Das ist im Prinzip unsere gemeinsame Weihnachtsfeier“, sagt Ehefrau Monika, die voll und ganz hinter dem zigfachen zivilen Ungehorsam, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hat, steht. „Ich lasse mir einfach nicht gern etwas vorschreiben“, sagt Peter Neumann, und als Selbstständiger müsse man nun mal Durchsetzungskraft haben. „Wer immer in anderer Leute Spuren läuft, kann nie führen“, verrät er sein Erfolgsrezept. Ganz besonders gefallen ihm die Worte eines fränkischen Pfarrers, die er einmal überliefert bekam: „Wenn in einem Wald ein Baum fällt, bemerkt das niemand. Aber es erregt Aufsehen, wenn der ganze Wald fällt, und ein Baum bleibt stehen.“ Peter Neumann ist seit 15 Jahren der Baum, der einfach nicht weichen will und an „seinem Feiertag“ festhält. Das habe nicht einmal unbedingt religiöse Gründe. „Es geht mir da einfach ums Prinzip.“

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