Gastspiel geplatzt: Nur Zirkus - keine Vorstellung

Der Wachschutz vorm Zirkuseingang wies Besucher gestern darauf hin, dass sie das Zelt auf eigene Gefahr betreten.

LÜDENSCHEID - Premiere geplatzt, das restliche Gastspiel wohl auch: „Der Grosse Russische Circus“, der bis Sonntag auf dem alten Lidl-Gelände an der Altenaer Straße sein 1000-Mann-Zelt aufgeschlagen hat, hält sich dort illegal auf. Zudem hat die Stadt keine Zeltabnahme erteilt, weshalb der Fachdienst Bauordnung gestern „ausdrücklich vor dem Besuch“ warnte.

Zugleich herrschte Fassungslosigkeit auf allen Seiten. „So einen Vorverkauf hatten wir schon lange nicht mehr, und jetzt das“, sagten Leyla Mak und Gino Frank, beim Zirkus für die Reklame zuständig. Sie hätten, so beteuern die beiden, den Platz ordnungsgemäß gemietet und weisen einen handschriftlichen, von einem Klaus Cramer, „ein Herr im Anzug mit schwarzem BMW“, unterschriebenen Vertrag vor. Gegen eine Kaution von 200 Euro und eine Platzmiete von 100 Euro erlaube er das Gastspiel. Allerdings: Lidl-Immobilienleiter Sascha Estel kennt keinen Cramer, spricht von Hausfriedensbruch, hat vor Ort schon Schäden festgestellt und einen Wachschutz angefordert, der Zirkusbesuchern gestern den Zugang verweigern sollte – „aus Prinzip, aber auch aus versicherungsrechtlichen Gründen. Wenn da etwas passiert...“ Ob der Wachdienst auch heute und morgen aktiv ist, wusste Estel gestern noch nicht. „Ich habe so einen Fall noch nie gehabt“, sagt er und regt sich über „absolut kriminelles Verhalten“ auf: „Für mich ist das eine Masche.“

Von „Masche“ spricht auch Kirsten Schwade vom Fachdienst Bauordnung, von „gefälschtem Vertrag“ und daher nicht vermietetem Gelände. Die Polizei habe am Mittwoch, noch vorm Zeltaufbau, räumen wollen, aber die Zirkusleute hätten sich widersetzt. Für die Zeltnutzung müsse ein Zirkus die Abnahme beantragen, dann werde ein Zeltbuch mit Sicherheitsabnahmen vorgelegt und das Zelt per Rundgang überprüft. „Unsere Leute sind gar nicht da gewesen“, sagt Kirsten Schwade. Bußgeldtatbestände gebe es nicht, „weil’s kein öffentliches Grundstück ist“.

Den Zirkus gebe es seit 1861, „aber sowas wie hier ist uns noch nie passiert“, sagt Gino Frank. „Wir wissen gar nicht wohin, wir haben erst nächste Woche wieder einen Gastspielort.“ Angesichts dessen, dass eine einstweilige Verfügung nicht vor Montag käme, spielte der Zirkus gestern auf Zeit: Wie’s weitergehe, entscheide sich morgen.

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