Ziemlich wildes Treiben in der Nacht der Musicals

Ständige Kostümwechsel mussten die Akteure stemmen.

Lüdenscheid - Musicals bleiben ein Garant für großes Publikumsinteresse: Ausverkauft war das Kulturhaus am Silvesterabend, als die „Nacht der Musicals“ einen wilden Ritt durch 14 Produktionen des boomenden Genres bot. Nach zweieinhalb Stunden Programm und zwei Zugaben feierte das Publikum die Sänger und Tänzer mit „standing ovations“.

Mamma Mia – was für einen Umzugs-Marathon müssen diese Akteure an einem Abend stemmen: Vom eleganten Ballkleid ins verruchte Engelchen-Kostüm und zurück ins wallende Ballkleid, weiter ins FDJ-Hemd und in die Russenuniform bis zum poppigen Abba-Kostüm der 80er Jahre – da war das unter österreichischer Regie agierende internationale Musicalteam tatsächlich bei „Mamma Mia!“ und in der Pause angekommen, nach der das Spektakel sich ungebremst fortsetzte. Nicht immer war die Lautstärke angemessen, und das Publikum regelmäßig mit Scheinwerfern zu blenden, ist ebenfalls keine besonders gute Idee. Wabernde Trockeneisnebel mögen zuweilen für eine besondere Atmosphäre gut sein – am Silvesterabend entwickelte sich dadurch aber ein recht hartnäckiger Dunst, der ebenfalls die Sicht auf die Bühne einschränkte.

Vereinzelt bemerkten auch Besucher, dass das bunte Programmheft noch einige andere Musicals auflistete, als tatsächlich zu sehen waren. Das allerdings hängt mit dem Konzept zusammen: 27 Sänger nannte die lange Liste mit dem Ensemble, das sich auf bis zu drei Spielorte gleichzeitig verteilen kann. Das ist bei großer Nachfrage wie jener an einem gepflegten Silvesterabend eine feine Sache. Und natürlich ändert sich mit den zur Verfügung stehenden Besetzungen auch das Programm. Höhepunkte aus 14 Musicalproduktionen sind definitiv genug, um jedem Besucher auch persönliche Favoriten zu bieten.

Ein mutiges Bad in der Menge nahm Tamás Szaras als „Sweet Transvestite“ der „Rocky Horror Picture Show“. Stimmlich beeindruckte allen voran Elvira Kalev Cattaneo, deren Talent auch den Machern der Revue nicht verborgen blieb: Ihre vielseitige Stimme machte am meisten Freude im „Phantom der Oper“, in Mamma Mia und in „Elisabeth“, dem gefeierten Ego-Trip einer Königin: „Ich gehör’ nur mir.“

Natürlich erreichte das Medley aus dem kultigen Abba-Musical sein Publikum genauso wie Falcos „Rock Me Amadeus“ und die Klopper von Queen: „Somebody to love“, „We are the Champions“ und „We will rock you“. Beliebt bleibt auch die Udo Jürgens-Show „Ich war noch niemals in New York“, die mit einem Medley gewürdigt wurde.

Hilfreich bei der Orientierung in diesem vielfältigen Programm war das Triptychon aus Projektionsflächen, das Fledermäuse, afrikanische Landschaften und Evita Perón, den Mond und Mozart präsentierte. Und so war es nach einem ziemlich wilden Treiben nicht nur dem Silvesterabend zu verdanken, dass das Publikum angenehm angeregt in den Rest der Nacht starten konnte.

Von Thomas Krumm

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