„Zickenkrieg“ im OP-Saal: Vergleich vor Arbeitsgericht

Lüdenscheid - Die Märkischen Kliniken haben ein Problem – und eine Klage am Bein. Offenbar verträgt sich das Pflegepersonal in einem Operationssaal untereinander nicht besonders gut. Klägeranwalt Ingo Graf Theissen-Schweinitz nennt es „Zickenkrieg“. Seine Mandantin (45) wehrt sich gegen eine schriftliche Abmahnung. Sie ist angeblich 20 Minuten zu spät zur Arbeit gekommen. Aber sie sagt: „Ich war pünktlich.“

Die Personalabteilung des Klinikums will an der Abmahnung festhalten. Arbeitsrechtler Dr. Hans-Peter Altrogge sitzt neben Personalreferent Eckhard Sommer und betont: „Die haben das ja nicht frei erfunden, sondern haben eine Mitteilung von einer Mitarbeiterin gekriegt und mussten reagieren.“

Ob die Klägerin, seit 2008 im Klinikum beschäftigt, am 20. Februar wirklich erst um 7.50 statt um 7.30 Uhr im OP erschien, soll eine Beweisaufnahme zeigen. Arbeitsrichter Trabandt hat Ärzte und Kolleginnen vorgeladen. Doch er äußert Zweifel, ob die Zeugenaussagen zu einem gerechten Ergebnis führen. Denn der OP-Bericht des fraglichen Tages belegt die Pünktlichkeit der Klägerin – sofern er nicht nachträglich manipuliert wurde.

Eine Abmahnung ist nach den Worten des Richters „keine ganz große Sache“. Sie hat eine Halbwertzeit von zwei Jahren. Er sieht angesichts eines langes Prozesses die Verhältnismäßigkeit in Gefahr. „Muss das wirklich alles sein?“ Eine Verspätung sei ja wohl nicht so schlimm, „als wenn sie ein Messer im Bauch vergessen hätte“.

Zwei Ärzte sind der Ladung nicht gefolgt, ein Fortsetzungstermin droht. Trabandt regt ein Einigungsgespräch zwischen den Parteien an, bevor die Vernehmungen losgehen. Und noch ein Argument: „Wenn die Damen sich hier gegenseitig widersprechen, dann wird die Stimmung im OP künftig sehr frostig sein.“

Eckhard Sommer sperrt sich noch gegen einen Vergleich. „Da liegen noch einige andere Dinge im Argen. Wenn es einen Vergleich gibt, dann herrscht da nicht gleich eitel Sonnenschein.“ Doch der Richter kontert. „Dann müssen die Parteien sich eben gegenseitig bemühen!“

Dr. Altrogge bietet die Tilgung der Abmahnung zum 30. Juni 2016 an. Ingo Graf Theissen-Schweinitz schwebt der 31. Dezember 2015 vor. Sommer sagt. „Da haben wir wenig Spielraum.“ Altrogge bringt den 31. März ins Spiel. Der Klägeranwalt sagt: „Dann gehen wir halt in die Beweisaufnahme!“ Der letzte Kompromiss-Vorschlag des Richters sticht: 31. Januar. Ob der „Zickenkrieg“ im OP damit beendet ist, bleibt offen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare