Zeugin hat „zu viel um die Ohren“

Lüdenscheid - Es ist eine fast unsägliche Geschichte. Entsprechend gespannt ist die Stimmung im Gerichtssaal. Die Ehefrau des Angeklagten (24) sitzt weinend im Zuschauerraum. Strafverteidiger Ralf Bleicher sagt, sein Mandant sei erst am Vortag aus dem Krankenhaus entlassen worden. Chronische Herzprobleme. Der Altenpfleger ist angeklagt wegen brutaler Vergewaltigung.

Doch der Prozess wird ausgesetzt, noch ehe die Beweisaufnahme eröffnet ist. Dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Jürgen Leichter fehlt ein wichtiges Gutachten. Immerhin erscheint die Belastungszeugin diesmal. Das ist vergleichsweise ungewöhnlich. Denn als der Richter eine Psychologin damit beauftragt hatte, die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers abzuklopfen, konnte sie die junge Probandin nicht erreichen. „Sie ist offenbar ständig umgezogen“, sagt die Sachverständige.

Die Zeugin behauptet, der Altenpfleger sei in einem Treppenhaus von hinten über sie hergefallen und habe sich an ihr vergangen. Der Angeklagte bestreitet das. Die junge Frau bringt einen weiteren Zeugen mit in den Gerichtssaal und einen Freund. Warum sie denn nie zu erreichen gewesen sei, möchte der Richter von ihr wissen. „Ich hatte zu viel um die Ohren“, lautet die Antwort.

Die Begutachtung folgt auf dem Fuß. Neuer Termin von Amts wegen.

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