19 Zeugen und ein Geständnis vor Gericht

Lüdenscheid - Acht Monate auf Bewährung hat ein 24-jähriger Auszubildender vor Gericht erhalten, weil er in einer Disco in der Lüdenscheider Innenstadt CS-Gas versprüht hat. Auswirkungen hatte sein Geständnis sowie drei Vorstrafen.

Einen „richtigen Tumult“ habe es in jener Nacht gegeben, sagt Amtsrichter Andreas Lyra. Am Ende mussten sieben junge Frauen und Männer mit Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden im Krankenhaus versorgt werden. Und einem heute 24-Jährigen klebten die Ärzte einen „Cut“ unterm Auge zu. Er war derjenige, der in einer Disco in der Innenstadt CS-Gas versprüht hat – und der deshalb jetzt auf der Anklagebank saß.

Aber wie das so ist nach Kneipenschlägereien oder Tumulten auf der Szene: Es sei immer ein „bisschen diffus“, die Sache aufzuklären, so Lyras Erfahrung. „Man hat fünf Zeugen und kriegt fünf verschiedene Aussagen.“ Deshalb hat er vorsorglich schon mal 19 Zeugen vorgeladen.

Ob die Prozessbeteiligten um eine üppige Beweisaufnahme herumkommen, soll der 24-jährige Auszubildende – zur Tatzeit Kellner in dem Laden – entscheiden. Der sitzt blass und eingeschüchtert neben seinem Verteidiger Franz-Günter Heß. Sein Plan war eigentlich, sich auf Notwehr zu berufen.

Davor warnt ihn der Richter eindringlich. „Nach Aktenlage gibt es ganz ganz viele Aussagen zu dem Fall. Eine reine Notwehr ist aber nirgendwo dokumentiert.“ Er könne verstehen, sagt Andreas Lyra: „Sie haben richtig auf die Schnauze gekriegt, und Sie waren darüber sehr erregt.“ Der 24-Jährige versteht auch. Er nickt und knetet nervös seine Hände. Die Juristen werten das als Geständnis. Und Strafverteidiger Heß sagt: „Es hat wohl wenig Zweck, 19 Zeugen zu hören.“

Das Angebot des Richters, ein schnelles Geständnis werde sich „erheblich strafmildernd auswirken“, ist zu verlockend. Alle Zeugen aussagen zu lassen, klingt riskant. Der Richter: „Dann weiß ich nicht, was am Ende ‘rauskommt.“ Jetzt nickt der Staatsanwalt auch.

Das Urteil ergeht wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung. Demnach legt sich am 1. Dezember ‘12 gegen 2.45 Uhr ein später Gast am Einlass mit dem Kellner an, aus einem Wortgefecht wird eine handfeste Keilerei, der damals 23-Jährige muss schmerzhaft einstecken, Türsteher verhindern zunächst Schlimmeres. Der Kellner rennt in den Laden, kommt mit dem Reizgasfläschen zurück und sprüht es seinem Widersacher ins Gesicht. Weitere ungezielte Sprühstöße treffen Unbeteiligte.

In der Tat wirkt sich das Geständnis positiv aus. Doch drei Vorstrafen fallen ebenfalls in die Waagschale. Das Urteil: acht Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung.

Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare