Peter Pan: Ausflug nach Nimmerland

Hook im Marilyn-Manson-Look (Steffen Weixler). Da leistete die Maske (Monica von Kannen) ganze Arbeit.

Lüdenscheid - Alle Kinder verlassen eines Tages ihr Nimmerland, kommen nach Hause und werden erwachsen. Nur einer nicht – Peter Pan. Mittwochnachmittag zeigte ein Ensemble des Westfälischen Landestheaters jene Geschichte um den Jungen, der nicht erwachsen werden will, auf der Bühne des Kulturhauses.

Zeichentrick, reale Filme, Musicals, Bühnenadaptionen die Bandbreite, die Geschichte um Peter und seine fliegende Fee aufzubereiten, ist groß. Selbst die Japaner brachten eine Anime-Serie auf den Bildschirm, die sich mit der berühmtesten Romanfigur des Autoren James M. Barrie beschäftigte. Besetzt werden die Rollen des Pater Pans zumeist mit jungen, weiblichen Darstellern. Diesem Trend entgegen stand gestern Nachmittag der knapp 30-jährige Schauspieler Daniel Printz in der Inszenierung von Jean Renshaw auf der Kulturhausbühne und eroberte die Herzen der kleinen und großen Zuschauer im Saal mit seinen Dreadlocks, dem zerschlissenen Blätteranzug und den losen Sprüchen im Nu. Ihm stahl „Tink“ (Svenja Marija Topler) als seltsam beflügelte, patzige Rockröhre und Begleitungsfee allerdings ziemlich schnell die Schau. Das Pan’sche Trio ergänzte Hook (Steffen Weixler) im Marilyn Manson-Look, wogegen die brave Wendy (Viviane Eggers) und der Teddy-behaftete John (Barbara Büchmann) fast schon verblassten.

Zusammen mit dem nun wirklich strohblöden Hook-Gehilfen Smee (Nils Daub) versuchte die skurrile Truppe gar nicht erst, an die verspielte Poesie der Romanvorlage heran zu kommen, ließ den Märchenstunden-Kuschelkurs rasch hinter sich und bot stattdessen rockige Töne, fetzige Showeinlagen, kindgerechte Zweikämpfe und ein temporeiches „Grusical“.

Auch das Bühnenbild hatte so gar nichts von dem plüschigen Interieur eines Hauses in London um 1910. Stabile Stahlgestelle und Lichterleisten waren mal das Kinderbett, mal die Wolken, mal ein Schiff, das Piratenversteck, und mal Nimmerland, wo alles möglich ist. Mit kleinen Effekten wie dem aufblasbaren Gummikrokodil bot das halbe Dutzend eine gute Stunde lang schrille Unterhaltung. Peter Pan mal ganz anders – und absolut sehenswert. - rudi

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