Zaunkönig vor dem Umzug - Waldstück soll Wohnhäusern weichen

Martina Baumast von der Stadtverwaltung erläuterte die Baupläne für die Fläche zwischen Stettiner Straße und Westerfelder Weg.

Lüdenscheid -  Die Mechanismen ähneln sich in letzter Zeit. Soll heißen: Die Stadt will an unterschiedlichen Stellen Lüdenscheids Grundstücke für die Wohnbebauung freigeben – doch die eingesessene Nachbarschaft reagiert skeptisch bis entrüstet.

So ist das in Othlinghausen. So ist das an der Neuenhofer Straße. Und so ist das aktuell auch in Lüdenscheid-Süd. Das zeigte sich jetzt bei einer öffentlichen Info-Veranstaltung im alten Telekomhaus.

Konkret ging es dabei um Planungen im Bereich Bremecketal. Dort soll ein bis dato öffentliches Waldstück für Wohnhäuser weichen. Besagte Areal befindet sich zwischen der Stettiner Straße und dem Westerfelder Weg, dort ungefähr auf Höhe der Hausnummern 98 und 100.

Bei der Anhörung schlug der Verwaltungsabordnung um Stadtplaner Lars Bursian sogleich Misstrauen entgegen. „Welche Profitinteressen stecken dahinter, dieses Grundstück zum Leben zu erwecken?“ So lautet die erste Frage eines Anwohners. Keine Einzelstimme. Wirklich angetan von den städtischen Ideen zeigte sich niemand.

Grünfläche rund 1500 Quadratmeter groß

Zu den Planungen selbst: Die Grünfläche, um die es geht, ist rund 1500 Quadratmeter groß. Neben Buschwerk ragen dort auch imposante Bäume in den Himmel, darunter Eichen.

Ursprünglich sollte auf dem Gelände übrigens ein Spielplatz entstehen. Warum es nie dazu kam, ist unklar. „Die Stadt hat das bewusst verschleppt“, urteilt ein Anwohner. „Es gibt dort dafür keinen Bedarf“, sagt Bursian.

Stadt will Investor ins Boot holen

Wie auch immer, nach dem Willen der Stadt soll die Fläche an einen Investor vergeben werden. Nach der Rodung der Waldfläche würden dann laut Bursian „auf drei bis vier Grundstücken eingeschossige Wohnhäuser“ entstehen. Trotz schrumpfender Bevölkerung sei „die Nachfrage dafür vorhanden.“

Einen Fußweg zwischen Stettiner Straße und Westerfelder Weg – er führt derzeit noch durch das Wäldchen – soll es auch künftig geben. Auf einen behindertengerechten Ausbau wird dabei allerdings verzichtet. Bursian: „Das wäre schlicht zu aufwändig und zu teuer.“

Anwohner fürchten Verlust einer grünen Oase

Die Anwohner fürchten derweil den Verlust einer grünen Oase und die Vernichtung einer Nische für Tiere und Pflanzen. Und in der Tat haben auch städtische Ökologen bei einer Ortsbegehung diverse Tiere gesichtet. Den Zaunkönig etwa und die Zwergfledermaus. Ein Problem sieht die Verwaltung dennoch nicht – die Tiere sollen in die umliegenden Gärten umziehen. - dt

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