Neues aus dem Amtsgericht

Zahnschmerzen bringen 42-Jährigen auf die Anklagebank

Zahnarzt
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Symbolbild

Ein Mann aus Lüdenscheid ist wegen Hausfriedensbruchs angeklagt. Doch Staatsanwalt und Strafrichter haben ein Einsehen - das Verfahren wird eingestellt.

Er hatte sich „die Zähne rausmachen lassen“, berichtet der Angeklagte. Deshalb habe er dringend Schmerzmittel gebraucht. Von den vielen Apotheken in der Innenstadt suchte er sich ausgerechnet die im Stern-Center aus, „die anderen hatten ja schon zu“, es war der 11. Januar 2020, 18.40 Uhr. Die Wahl der Apotheke brachte dem 42-Jährigen schon wieder eine Anklage ein, diesmal wegen Hausfriedensbruchs.

Das Hausverbot hatte er sich bereits ein halbes Jahr vorher eingehandelt. Der Verstoß dagegen war nach Worten des Dortmunder Strafverteidigers Christian Isselhorst ein Treffer „voll ins Schwarze“. Der Sicherheitsdienst des Einkaufszentrums erkannte den 42-Jährigen sofort und erstattete Strafanzeige.

Strafrichter Markus Pohl hört sich die Erklärung des Angeklagten in aller Ruhe an. Er hatte sicher schon schlimmere Straftäter vor sich. Dass der etwas undeutlich sprechende Mann – liegt’s an der Maske oder an den fehlenden Zähnen? – für das vergleichsweise lapidare Vergehen überhaupt mit einem Rechtsanwalt auftaucht, liegt mutmaßlich an seinem Vorstrafenregister. Das wird aber heute gar nicht erörtert.

Denn der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragt die vorläufige Einstellung des Verfahrens. Im Hinblick auf einen weiteren Strafbefehl von November 2020, so der Ankläger, würde eine Ahndung wegen des Hausfriedensbruchs „nicht beträchtlich ins Gewicht“ fallen. Richter Pohl sagt: „Das finde ich großzügig, damit kann ich mich anfreunden.“

Anwalt Isselhorst und sein Mandant verlassen den Gerichtssaal 125 nach einer Viertelstunde. Der gesetzliche Betreuer des 42-Jährigen ist gar nicht erst gekommen. Und auch seine Ehefrau konnte ihm nicht beistehen. Den Grund dafür benennt Amtsichter Markus Pohl in einem einzigen kurzen Satz. „Die sitzt in Strafhaft.“

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