Zahl der Privatpleiten steigt stark an

Die Schulden wachsen ihnen über den Kopf, die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist stark angestiegen.

LÜDENSCHEID ▪ Immer mehr Menschen geraten in die Schuldenfalle und kommen aus eigener Kraft nicht wieder heraus. Das geht aus Zahlen hervor, die das Landgericht Hagen auf LN-Anfrage mitteilte.

Nach Angaben von Pressedezernent Till Deipenwisch stiegen die abgeschlossenen Fälle von Verbraucher- oder auch Privatinsolvenzen vom 1. Halbjahr 2008 bis zum vergleichbaren Zeitraum dieses Jahres um 83 auf 236. Dies bezieht sich auf die Städte Lüdenscheid, Halver, Kierspe, Meinerzhagen, Altena, Plettenberg und Neuenrade.

Die Gründe, weshalb Privatpersonen die Schulden über den Kopf wachsen, sind vielfältig: Arbeitslosigkeit, leichtgläubig abgeschlossene Kredite, gescheiterte Selbstständigkeit, ein überbordendes Konsumverhalten sind nur einige, die die Betroffenen den Überblick verlieren lassen. Irgendwann können sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und geraten in einen Teufelskreislauf, aus dem sie allein gar nicht mehr herauskommen. Miet- und Energiekosten können nicht mehr aufgebracht werden. Die Existenz ist in hohem Maße gefährdet.

Das Team der städtischen Schuldnerberatung kennt diese Entwicklung nur zu gut, kann aber den Trend des Landgerichts nicht bestätigen. Sozialamtsleiter Karl-Heinz Burghof verzeichnet für 2008 genau 1132 Beratungen zum Thema Insolvenz, darunter waren 263 neue Anfragen, im vergangenen Jahr waren es 1031, darunter 264 Erstberatungen.

Die neue Insolvenzordnung, nach der auch Privatpersonen Insolvenz anmelden können, trat 1999 in Kraft. Das Verfahren greift dann, wenn die Überschuldung in den nächsten sechs Jahren nicht mehr über die Pfändung von verwertbaren Vermögensgegenständen oder durch pfändbare Geldbeiträge zu tilgen ist. Grundlage für letzteres ist eine gesetzliche Zumutbarkeitstabelle. Die Verbraucherzentrale warnt in diesem Zusammenhang vor unseriösen Kreditvermittlern, die die Notlage der verschuldeten Menschen ausnutzen: „Eine umfassende rechtliche, wirtschaftliche und persönliche Beratung und Vertretung gegenüber den Gläubigern bieten die Schuldner- und Verbraucher-Insolvenzberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände, Kommunen oder Verbraucherzentralen an.“ Auch wenn die Wartelisten teilweise lang seien – nach Angaben der Verbraucherzentralen sind in Deutschland zwischen drei und vier Millionen Privathaushalte überschuldet –, seien dort kurzfristig zunächst allgemeine Sprechstunden möglich, in denen drängende Fragen der Existenzsicherung mit Gläubigern oder dem Arbeitgeber gelöst werden könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare