Wunsch nach einem unabhängigeren Leben

Melanie Terra an ihrem derzeitigen Arbeitsplatz bei den Märkischen Werkstätten am Freisenberg.

LÜDENSCHEID ▪ Melanie Terra hat einen Wunsch wie die meisten anderen jungen Menschen auch: Am liebsten möchte die 29-Jährige zuhause ausziehen und mit Gleichgesinnten in einer Wohngemeinschaft ein selbstbestimmtes Leben beginnen.

Doch für Melanie Terra sind solche Pläne alles andere als selbstverständlich, seit ein schrecklicher Tag im Januar 2001 ihr Leben auf brutale Art auf den Kopf stellte: Drei Monate nachdem sie eine Ausbildung zur Arzthelferin begonnen hatte, wurde sie als Beifahrerin in einen schweren Unfall verwickelt. Dabei verlor der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug und geriet in den Gegenverkehr. Ihrer Auskunft nach trugen aufgezogene Sommerreifen zu dem Unfall bei. Bei dem Crash rutschte sie aus dem Sicherheitsgurt und schlug zuerst mit dem Kopf auf der Straße auf. Die Folge waren schwerste Gehirnverletzungen, von denen sie sich in den folgenden Monaten nur mühsam erholte. Vieles musste Melanie Terra neu lernen: Essen, trinken und vor allem sprechen. Bedingt durch eine zusätzlich erlittene schwere Lungenquetschung fällt es ihr bis heute schwer zu sprechen. Bis auf kleine Strecken, die sie sich zu Fuß fortbewegen kann, ist sie bis heute auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch hinter diesen Schwierigkeiten steckt ein wacher Geist, der sich nach einem selbstbestimmteren Leben sehnt: „Ich möchte gern selbständiger werden und in einer Wohnung leben, wo ich mein eigenes Reich habe. Ich kann meinen Eltern doch nicht ewig auf der Pelle hocken. Ich weiß, dass ich auf pflegerische Hilfe angewiesen bin, und daher bleibt mir nur eine Wohngruppe mit ähnlich Betroffenen übrig.“ Bisher wohnt die 29-Jährige bei ihren Eltern – das muss aber nicht so bleiben. Doch beide gängigen Alternativen passen nicht zu ihr: Melanie Terra ist weder in einem Altenheim noch in einem Wohnheim für geistig Behinderte angemessen untergebracht, weil sie nicht geistig behindert ist. Die Alternative wäre eine Wohngruppe mit anderen jungen Menschen, die an einem erworbenen Hirnschaden leiden und ebenfalls gerne unabhängiger leben würden. Melanie vermutet, dass es in Lüdenscheid mehrere junge Menschen gibt, die ihr Schicksal in der einen oder anderen Form teilen. Das Konzept einer solchen Wohngruppe müsste mitsamt der dazugehörigen Betreuung noch entwickelt und es müsste ein Träger für die Einrichtung gefunden werden. Theoretisch sehe die Sozialgesetzgebung so etwas aber durchaus vor, meint Melanie Terra. Seit März 2009 können sich Menschen mit Behinderungen in Deutschland auch bei einem erhöhten Pflegebedarf auf die UN-Behindertenrechtskonvention berufen, die einen angemessenen Lebensstandard und größtmöglichen Schutz gewährleistet.

Ihr erster Schritt zur Verwirklichung ihres Traums ist die Suche nach Gleichgesinnten. „Über Zuschriften würde ich mich riesig freuen!“ Sollte die Suche erfolgreich sein, stellt sich Melanie Terra eine „stadtzentrale Wohnung vor, in der ich auch mal allein mit dem Elektrorollstuhl in die Stadt fahren kann“. ▪ thk

Mögliche Mitbewohner, die sich von dieser Idee einer gemeinsamen Wohngruppe angesprochen fühlen, können sich direkt an Melanie Terra wenden. E-Mail: Melanie.Terra@web.de

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