Würdiger Trauerakt für Jürgen Dietrich

Drei Chöre und das Streichquartett der Musikschule verliehen dem großen Trauerakt der Stadt im Kulturhaus einen würdigen Rahmen.

LÜDENSCHEID - Jürgen Dietrich hat als Bürgermeister und Vorsitzender zahlreicher Vereine seiner Heimatstadt unvergessliche Reden gehalten, darunter viele Lobreden. In dem eindrucksvollen Trauerakt, mit dem die Stadt gestern ihres am 25. Juni verstorbenen Ehrenbürgers gedachte, bekam auch seine Familie vieles zurück: die Liebe, die er Lüdenscheid entgegenbrachte, und das Versprechen, diesem großen Sohn der Stadt ein Denkmal zu bauen – in den Herzen der Menschen.

Bei einem, der so tiefe Spuren hinterlassen hat, wäre das gar nicht anders möglich. Wie tief sie sind, zeigten die vollen Ränge im Kulturhaus – vor allem aber die Reden. Sie belegten zunächst die Verdienste Jürgen Dietrichs.

Um die Stadt, für die er in ganz Europa Partnerschaften schloss. Um die Kirchen, deren Freund er als tief gläubige Christ war, ungeachtet der Konfession. Um die CDU als politische Heimat, deren Gesicht er war und die er in Lüdenscheid mehrheitsfähig machte. Um die Aktion Wigginghausen, die es ohne ihn heute in dieser Form ebensowenig gäbe wie die Lebenshilfe für Menschen mit geistigen Behinderungen. Um das Johannes-Busch-Haus, in das er zu seinen Geburtstagen einlud. Um den „Kleinen Prinzen“, den er überhaupt erst möglich machte. Um die Deutsch-Belgische Gesellschaft, in der er sich für das Miteinander in der Stadt wie für die Völkerverständigung einsetzte. Um das Amalie-Sieveking-Haus, deren Hospizarbeit er maßgeblich unterstützte. Um den Verein für die Geschichte Preußens, wo die Museumsfreunde seinem hohen Interesse und profunden Wissen um die Geschichte entsprachen. Um das Chorwesen, was ihm das Lüdenscheider Männer-Quartett, der MGV Union Rahmede und der Bergstadt-Chor unter Leitung von Thorsten Potthoff, begleitet vom Streichquartett der Musikschule, mit einer großen Gemeinschaftsleistung dankte.

Doch selbst all das konnte nur ein Ausschnitt aus dem Wirken dieses einzigartigen Menschen sein, der immer auch ein Versöhner war.

Was gestern im Kulturhaus aber vor allem durchschimmerte, war die Freundschaft. Ob Bürgermeister Dieter Dzewas, Pfarrerin Bärbel Wilde, Christdemokrat Bernd Schulte, Lebenshilfe-Sprecher Friedrich-Wilhelm Linden, Paul Bosmans von der Deutsch-Belgischen Gesellschaft, Ex-Stadtdirektor Klaus Crummenerl, Frank Scheibe, Leiter des Johannes-Busch-Hauses, Hans-Peter Osterkamp für das Sieveking-Haus, Erzpriester Stavros Georgakakis oder Dechant Johannes Broxtermann: Jedem Redner, jedem nach seiner Art, war die enge Verbundenheit mit Jürgen Dietrich anzumerken, die auch viele der Gäste im Publikum spürten.

Es war ein in jeder Hinsicht würdiger Abschied. Wenn Jürgen Dietrich ihn von oben gesehen hat – es hätte ihn sicher gefreut. Er hätte es bloß keinem gesagt.

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