Im Wortlaut: Erklärung von Th. Becker und Uli Birkner

Thomas Becker

LÜDENSCHEID ▪ Liebe Leser und Leserinnen, sehr geehrte Bürger der Stadt Lüdenscheid, liebe Besucher der Beratungsstelle, liebe Kollegen des Verbandes.

In den letzten Tagen hat es viel Wirbel um die außerordentliche Kündigung der beiden Mitarbeiter der Beratungsstelle für Wohnungslose Herrn Ulrich Birkner und Thomas Becker gegeben. Wir, als die ehemaligen Mitarbeiter möchten hierzu eine Erklärung abgeben.

Wir sind von den Entwicklungen vollkommen geschockt, und auch unsere Familien sind restlos am Boden zerstört. Wir möchten Ihnen etwas erklären, was wir selbst aber nicht verstehen. Es ist uns aber wichtig, dass sowohl unsere Befürworter als aber auch unsere Kritiker wissen, dass wir unserer Kenntnis nach kein Verhalten gezeigt haben, das diesen Schritt rechtfertigen könnte. Wir haben 18 und 23 Dienstjahre ohne schriftliche Ermahnung, Abmahnung oder Androhung einer Kündigung beim Caritasverband in Lüdenscheid gearbeitet.

Auch jetzt haben wir kein Mitarbeitergespräch, keine Ermahnung oder Abmahnung bekommen. Der Caritasverband als Dienstherr hat uns nicht erkennen lassen, dass wir möglicherweise ein Verhalten gezeigt haben könnten, das im Entferntesten uns hätte erkennen lassen können, dass wir ein problematisches Arbeitsverhalten zeigen.

Am 24.01.2011 wurden wir schriftlich zu einer Stellungnahme über unsere Eintragungen auf dem Stundenzettel gebeten. Hier sind nach Ansicht des Vorsitzenden des Caritasverbandes Herrn H.W. Wolff fehlerhafte Eintragungen (vorgeworfen werden uns drei Verfehlungen) vorgenommen worden. Wir bekamen eine Frist bis zum 28.01.2011 gesetzt, in der wir die Möglichkeit der schriftlichen Stellungnahme bekamen. Dieser Aufforderung kamen wir pflichtgemäß nach und der Sachverhalt war für uns insoweit geklärt, da keine Rückfragen gestellt wurden oder ein weiterer Gesprächsbedarf bestand. Am Dienstag, den 01.02.2011 tagte der Caritasrat, in dem wohl beschlossen wurde, dass am Mittwoch die Mitarbeitervertretung gehört werden soll. Diese teilte dann am Mittwoch, den 02.02.2011 Herrn Becker mit, dass die außerordentliche Kündigung für beide Mitarbeiter ausgesprochen wird. Herr Birkner, der seinen Resturlaub aus 2010 in Österreich nahm, wurde in Kenntnis gesetzt, und brach daraufhin seinen Urlaub umgehend ab.

Ich informierte, in einer ersten durch Verzweiflung gekennzeichneten Reaktion, den Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid und auch die Medien. Wir suchten am nächsten Tag den Weihbischof Vorrath auf, der versprach, sich in das Thema einzuarbeiten und mit dem Vorsitzenden Herrn Wolff zu sprechen.

Offiziell hat der Vorsitzende des Caritasverbandes bis heute mit uns ein Gespräch gesucht, obwohl ausreichend Möglichkeit dazu bestanden hätte. Am 07.02.2011 wurde die außerordentliche Kündigung durch Herrn Wolff und eine Kollegin zugestellt, in dem die Kündigung in den Briefkasten gesteckt wurde.

Nach vielen Jahren der sozialen Arbeit, möchten wir uns auf diesem Weg an die Bürger der Stadt Lüdenscheid wenden und über diese aktuellen Abläufe und Sachverhalte informieren. Wir möchten auch, dass die die Leser und Leserinnen wissen, aber auch gerade die Besucher der Beratungsstelle sowie unsere Kollegen, dass wir keine Verfehlungen begangen haben, die diesen Weg rechtfertigen würden. Hinter den beiden Mitarbeitern steht auch eine Familie. Bei Herrn Becker sind das zwei Kinder (und Hund) im Alter von 9 und 12 Jahren, in der Familie Birkner gibt es einschneidende gesundheitliche Beeinträchtigungen, die einer erheblichen medizinischen Betreuung bedürfen.

Wir möchten Sie und vor allem jedoch die Besucher der Beratungsstelle bitten, die Hilfe und angebotene Unterstützung des Caritasverbands weiterhin in Anspruch zu nehmen. Wir selbst sind bemüht unsere Arbeit beim Caritasverband wieder aufnehmen zu können. Wir sind in den vergangen Jahren durch intensiven Einsatz für die unterschiedlichen Probleme von Menschen bekannt geworden. Wir haben eine Tagesstätte für psychisch kranke Menschen aufgebaut, mit dem damaligen Geschäftsführer Herrn Hinz und gegen viele Widerstände, wir haben Hilfe für Arbeitslose konzeptioniert und installiert, wir haben das Stromsparprojekt in den Caritasverband Lüdenscheid geholt und wir haben maßgeblich mit an der Umsetzung des Demenzcafés mitgearbeitet. Wir haben die Tafelarbeit und den Obdachlosen Freundeskreis nach Kräften unterstützt und haben in den letzten Jahren intensiv mit der Stadt Lüdenscheid zusammengearbeitet. Wir haben uns weitergebildet und an Seminaren teilgenommen. Derzeit nahm Herr Becker an einer einjährigen Weiterbildung zum Gesundheitscoach teil.

Wir werden uns jetzt dem Arbeitsamt vorstellig machen, da wir kein Gehalt mehr bekommen. Wir würden gerne in unseren alten Wirkungskreis zurückkehren und das gerade erlebte Trauma verarbeiten. Wir sind der Meinung, dass wir keine Verfehlung begangen haben, die einen solchen Schritt rechtfertigen würde, da wir unserer Ansicht nach alles schlüssig und nachvollziehbar erklären konnten. Darüber jedoch haben demnächst andere zu befinden.“

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