World of Wordcraft: Hymne an die Macht der Worte

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Klaus Urban nimmt von Moderator Marian Heuser die „Goldene Feder“ entgegen – Eintritt fürs Finale am 15. November.

Lüdenscheid - Eine Handvoll Autoren, sechs Minuten pro Auftritt, Publikum als Jury – das ist das Erfolgrezept des Poetry-Slam „World of Wordcraft“, der am Freitag im Saal der Gaststätte Dahlmann in die 12. Runde ging. Einmal mehr war die Resonanz auf das Literatur-Spektakel überwältigend – frenetischer Beifall bei jedem Auftritt inklusive.

„Eine so gute Stimmung wie in Lüdenscheid gibt es bei keinem anderen Slam“, erklärte Organisator und Moderator Marian Heuser. Für Comedian Christian Schiffer und NRW-Meister Tobias Kunze (Absagen) sprang Wibke Plate aus Lüdenscheid ein – ihr erster Slam-Auftritt.

Anke Fuchs aus Bonn wurde als „Opener“ ausgelost. Sie lieferte – auswendig – nachdenkliche Prosa wie das Werk „Was weißt Du schon davon“, das sich darum drehte, dass der Mensch gerne vorschnell ein Urteil fällt. Fuchs zog ins Finale ein, ebenso wie Klaus Urban und Christian Bartel, die überaus erfolgreich die humoristische Schiene abdeckten. Bartel, bekannt als TAZ-Kolumnist und Autor, outete sich auf erfrischende Weise als totaler Handy-Kostverächter, der „nicht smart genug für ein Phone“ ist und sich beim Händler irrtümlicherweise für das übersichtlichste Gerät, den Lichtschalter, entscheidet.

Klaus Urban aus Stadthagen überzeugte ganz besonders mit seinen „Ein-Satz-Romanen“, die bisweilen an Tragik kaum zu überbieten waren („Du musst lernen, loszulassen, hatte der Therapeut ihr 100 mal gesagt – jetzt hing sie da!“). Doch Urban zeigte auch, dass er überzeugend nachdenkliche Töne anschlagen konnte – mit einer sprachgewaltigen Hymne an die Macht der Worte und seine Begeisterung dafür, bei der er ganz nebenbei das Recht einforderte, auch als älterer Mensch weiterhin zu leben und Spaß zu haben.

Der Kölner Mario El Toro hatte sich humorvolle Medienkritik auf die Fahne geschrieben und schaffte es bis ins Halbfinale. Obwohl auch sie hohe Punktzahlen und anerkennenden Applaus ernteten, schieden Debütantin Wibke Plate und der Paderborner Johannes Floer in der ersten Runde aus.

Das finale Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem einzig durch den Applaus der Zuschauer bewertet wurde, konnte eindeutig Klaus Urban für sich entscheiden. Sein schräger, oft schwarzer Humor in Kombination mit einer facettenreichen, farbigen Sprache brachte ihm die „Goldene Feder“ ein. Zugleich ist er nun letzter Teilnehmer des Finales am Freitag, 15. November, ab 20.30 Uhr im Kulturhaus.

Tickets für 9 Euro zzgl. Gebühren gibt es schon an der Theaterkasse oder unter www.kulturhaus-luedenscheid.de.

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