Anklage wegen Beleidigung

Wollte nach Jägermeister cool sein: Azubi aus MK ruft Polizisten „ACAB“ entgegen

Graffito Tag acab
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Symbolbild

Es mag Menschen geben, die an Hauswänden oder Stromverteilerkästen vorbei laufen und sich fragen, was die Schmiererei „ACAB“ wohl bedeutet. Das trifft mutmaßlich eher auf ältere Passanten zu. Der Nachwuchs ist da schon eher im Bilde. Ein 19-Jähriger hat die vier Buchstaben am 3. August 2019 drei Polizisten entgegen gebrüllt.

Lüdenscheid - Die Beamten kannten die Abkürzung auch. Sie steht für „All Cops are Bastards“, sinngemäß also für „Alle Bullen sind Schweine“. Ein Fall für den Strafrichter.

Der Auszubildende, angehender Galvaniseur, kam gerade von der „End-of-Line“-Party an der Bahnhofsallee, „ein bisschen zu viel Bier und Jägermeister“ intus, wie er im Ermittlungsverfahren erklärte. „Ich war betrunken und wollte cool sein.“ Die „Cops“ fanden die Verbalattacke aber eher „uncool“ – und erstatteten Strafanzeige gegen den Jungen – wegen Beleidigung.

Das Verfahren gegen den Lehrling war schon einmal eingestellt worden, gegen eine Auflage: 30 Sozialstunden. Doch die Corona-Pandemie machte der Justiz und dem Delinquenten einen Strich durch die Rechnung. Es fand sich kein Termin. Als endlich etwas organisiert war und er im Dezember 2020 hätte anfangen können, schwänzte er. Ob er denn den Brief nicht bekommen habe, soll er sagen. Er antwortet: „Ach, ich kriege so viele Briefe.“ Und so sitzt er wieder vor Strafrichter Thomas Kabus und gibt sich kleinlaut.

In der Szene kursieren Ausreden wie „’ACAB’ heißt Acht Cola, acht Bier“ oder „Anne-Catrin aus Berlin“. Vor fünf Jahren hatte ein Student vor dem Amtsgericht Lüdenscheid Erfolg damit, sein Verfahren wurde eingestellt, nachdem er in Berlin mit einem T-Shirt mit „ACAB“-Aufdruck erwischt worden war. Sein Glück: Er hatte eine Jacke darüber, die die vier Buchstaben verhüllte.

Im aktuellen Fall versucht der 19-Jährige gar nicht erst, sich herauszureden. Der Staatsanwalt beantragt, eine Geldbuße gegen den Angeklagten zu verhängen statt wieder Sozialstunden. „Sie sollten Ihre Zeit besser in Ihre Ausbildung investieren!“ Richter Kabus erkennt auf 400 Euro und sagt: „Damit haben wir die Kirche im Dorf gelassen.“

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