Wohnungsmarkt im Wandel: Lüwo-Chef tritt ab

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Christoph Loos, Vorstand der Lüdenscheider Wohnstätten AG, geht Ende des Monats in den Ruhestand.

Lüdenscheid - Exakt zehn Jahre hat seine letzte berufliche Etappe gedauert. Jetzt, mit 66 Jahren, ist die Ziellinie in Sicht. Christoph Loos, Vorstand der stadteigenen Lüdenscheider Wohnstätten (Lüwo) AG, geht Ende des Monats in den Ruhestand.

Die Art, wie er sich verabschiedet, entspricht seiner Arbeitsweise. „Langfristiges Planen ist wichtig“, sagt er. So hat er das Chefbüro an der Liebigstraße längst seinem Nachfolger überlassen – und residiert bis Ende Januar am schlichten Konferenztisch im Besprechungsraum. 

Aber das ist nicht nur Planung, das hat in seinem Fall eher was mit Genügsamkeit zu tun. Darauf angesprochen, zuckt er nur kurz mit den Schultern. „Reicht doch!“

Der Wille, Potenziale auszuschöpfen

Hätte er „Reicht doch!“ schon in jungen Jahren zu seinem Lebensmotto erhoben, wäre Christoph Loos wohl ewig der kleine Elektriker geblieben. Doch ein Blick auf seinen Weg zeugt von Ehrgeiz und dem Willen, Potenziale auszuschöpfen. 

In Olpe als „aechter Ölper“ geboren, besuchte der kleine Christoph „ganz normal“, wie er sagt, die Volksschule. Es folgt eine Lehre zum Elektroinstallateur, er besucht die Fachoberschule, absolviert den Abschluss, studiert an der Fachhochschule Betriebswirtschaftslehre und schließlich in Berlin Volkswirtschaft an der Freien Universität. 

Die Wahl des Studienortes kommt nicht von ungefähr. Loos lächelt bei der Erinnerung: Wer damals in West-Berlin wohnte, den berief die Bundeswehr nicht ein – eine durchaus gängige Position unter den frühen Grünen, denen er sich später anschloss. 

Anfänge beim Wohnungsbau-Giganten

Er beginnt seine Laufbahn in der Wohnungswirtschaft bei der Veba Immobilien AG in Bochum, die heutige Vonovia AG. „Da habe ich wirklich fast alles gemacht.“ 

Loos sammelt bei dem Wohnungsbau-Giganten Erfahrungen in Aufgabenfeldern wie Mieterbetreuung, Controlling oder Projektmanagement – und eignet sich das Rüstzeug für einen Vorstandsposten an. 

Gleichzeitig engagiert er sich ehrenamtlich bei den Lüdenscheider Grünen und ist unter anderem als sachkundiger Bürger in Ratsgremien tätig. Seine Partei entsendet ihn als Mitglied in den Aufsichtsrat der stadteigenen Lüwo. 

Als der frühere Lüwo-Chef Peter Podzuck Ende 2009 seinen Rückzug aus dem Vorstand der Aktiengesellschaft bekannt gibt, schlägt Loos’ Stunde. „Abgesehen von einer Reihe von Leerständen“, erinnert sich Christoph Loos, „habe ich ein gut geführtes Unternehmen vorgefunden“.

Mehr als schlichtes Verwalten des AG-Eigentums

Doch der zum Teil sehr alte Wohnungsbestand auf der einen und das Schrumpfen der Lüdenscheider Stadtbevölkerung auf der anderen Seite lassen für den neuen Vorstand schlichtes Verwalten des AG-Eigentums nicht zu. „Ich habe als erstes eine Portfolio-Analyse gemacht.“ 

Das Ergebnis ist richtungsweisend: Leer stehende und wegen geringen Standards der Ausstattung nicht mehr vermietbare Wohnungen werden teilweise verkauft. 2300 Objekte hatte Loos übernommen, aktuell unterhält die AG noch 2056 Wohnungen. 

Die Verkaufserlöse steckt die Lüwo in die Modernisierung – und konzentriert sich dabei nicht auf einzelne Häuser, sondern denkt „in Quartieren“, wie Loos sagt. 

Aus schlichten "Buden" werden schmucke Mietobjekte

So werden aus schlichten „Buden“ schmucke Mietobjekte in freundlicherem Wohnumfeld – Dammstraße/Wiesenhang ist ein Beispiel, das Karree an der Buckesfelder Straße ein weiteres. Trotzdem liegt das Mietpreisniveau nach Worten des Vorstandes im Schnitt „weit unter dem des Landes und der Stadt“. 

Christoph Loos ist überzeugt: „Wir brauchen keine neuen Baugebiete, sondern Ersatz für alte.“ So werden Am Grünewald in großem Stil leere Blocks abgerissen und Neubauten errichtet. Dieses Projekt, das Vorstand Loos noch angeschoben hat und sein Nachfolger Joachim Effertz umsetzen wird, ist politisch unumstritten. 

"Es gibt keinen Wohnungsmangel in Lüdenscheid"

Anders sieht es an der Gneisenaustraße aus, wo alte Schlichtbauten verschwinden und das Gelände für Einfamilienhäuser vermarktet wird. Öffentlich geäußerte Kritik, es gebe zu wenig sozialen Wohnungsbau in der Kreisstadt, weist Loos zurück. „Das ist Quatsch! Es gibt keinen Wohnungsmangel in Lüdenscheid!“ 

Und es wird ab dem 1. Februar auch keinen Mangel an Bewegung und Beschäftigung geben für den Ruheständler. Der Garten hält ihn auf Trab, das Rennrad-Fahren hält ihn fit, Saunabesuche ebenso. 

Reisen gerne ohne Rückreisetermine

Unverhohlen aber klingt die Vorfreude, wenn er an Reisen mit seiner Frau denkt. Überall hin, natürlich häufiger zu seiner Tochter nach Süddeutschland – und zu seinem Bruder, der in Australien lebt. 

„Dann auch gerne ohne Rückreisetermin.“

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