Wohnhausbrand an Düppelstraße: Nachbarn berichten über Angeklagte

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In der Nacht des Wohnhausbrandes an der Düppelstraße verhinderte die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Häuser.

Lüdenscheid - Eine drogensüchtige Frau (37) aus Lüdenscheid soll am 3. August Feuer in ihrer Dachwohnung an der Düppelstraße gelegt haben. Die Feuerwehr rettete zwei Nachbarinnen aus dem Erdgeschoss. Die 37-Jährige steht wegen schwerer Brandstiftung und Mordversuchs in zwei Fällen unter Anklage.

Am zweiten Prozesstag im Verfahren gegen die Angeklagte kommen Nachbarn aus dem Wohnhaus an der Düppelstraße zu Wort. Einerseits werfen die Schilderungen der Zeugen ein denkbar schlechtes Licht auf die Frau aus dem Dachgeschoss. Andererseits hören die Prozessbeteiligten im Hinblick auf die Anklage wenig Belastendes. 

Mehr über den Wohnhausbrand

Sicher scheint nur: Das Leben unter einem Dach mit der 37-Jährigen war für die Bewohner strapaziös. Eine Nachbarin (67) aus dem Erdgeschoss sagt: „Die war immer laut und frech“ – vor allem unter Drogen- und Alkoholeinfluss. „Und sie war ja immer besoffen.“ 

Sie sei bedroht worden, erinnert sich die Zeugin, „Ich hau dir auf die Schnauze“, dabei habe sie der Frau nie was getan. Ständig hätten Türen und Fenster geknallt, einmal habe sie Haussicherungen im Flur herausgeschraubt und kaputt getreten – oder ihre Klingel zerstört. 

Alkohol und Selbstgespräche im Garten

Wenn Männerbesuche kamen – „irgendwelche besoffenen Penner“ –, sei es noch lauter geworden. Ein paar Mal habe sie die Angeklagte gesehen, „wie sie nackig im Garten lag oder nackig vors Haus ging“. 

Eine 63-Jährige will die Angeklagte beobachtet haben, wie sie mit sich selbst sprach, „abwechselnd auf Deutsch und Polnisch oder Russisch“. Die Frau habe im Garten getrunken, „und dann saß sie jemandem gegenüber, der nicht existierte“. 

Auch ein 48 Jahre alter Kellner berichtet über Krawall, laute Musik, Geschrei und Türenschlagen in der Dachwohnung. Und über Männerbesuche, „auch Afrikaner“. Der Kellner wartet immer noch darauf, dass er in seine Wohnung zurück kann, das Löschwasser „hat alles kaputt gemacht“. 

Eine weitere Hausbewohnerin, Arbeiterin von 51 Jahren, bestätigt die Geschichten ihrer Nachbarn. Die Vermietungsgesellschaft habe sie aufgefordert, Notizen über das Gebaren der 37-Jährigen anzufertigen. „Das habe ich gemacht, aber nie abgeschickt.“ 

Kündigungsschreiben lag schon vor

Trotzdem wurde nach dem Feuer am 3. August ein Kündigungsschreiben in der Wohnung der Angeklagten gefunden. Ruhiger, sagt die Arbeiterin, sei die Frau aus der Dachwohnung erst geworden, als sie einen festen Freund hatte. „Da war sie seltener zu Hause.“ 

Mehrere Polizeibeamte, die am Abend des Brandes an der Einsatzstelle waren, kannten die Angeklagte von einem Einsatz am Abend zuvor. Ein Kunde der Mc-Donald’s-Filiale an der Bräuckenstraße hatte die Polizei alarmiert, weil er von der 37-Jährigen bedroht und beleidigt werde. 

Die Polizisten erteilten der Frau einen Platzverweis. Einer sagt: „Da war sie noch ziemlich gut zu Fuß.“ Das war sie am nächsten Tag offenbar nicht mehr. 

Wo sie wann in ihrer Wohnung Kerzen „und Klamotten“ angezündet hat, was sie am Tattag an Alkohol und Drogen konsumiert und ob sie tatsächlich eine Kündigung vom Vermieter gekriegt hat – das liegt für die Frau, verteidigt von Rechtsanwalt Frank Peter Rüggeberg, offenbar alles im Nebel des Rausches. 

"Ich möchte so gerne eine Therapie machen"

Nach ihrer Inhaftierung schreibt sie ihrem Lebensgefährten einen Brief, aus dem Richterin Heike Hartmann-Garschagen vorliest. „Hallo, Schatz! Meine Wohnung ist ausgebrannt, ich weiß gar nicht, wie das passiert ist.“ 

Sie bittet ihren Liebsten, sie zu besuchen und Geld für Tabak zu überweisen. Außerdem schreibt sie: „Ich möchte so gerne eine Therapie machen!“

Der Prozess vor dem Schwurgericht Hagen wird am 17. Februar, 9.30 Uhr, im Saal 201 fortgesetzt.

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