Quarantäne mit Corona-Infizierter

Wochenlang engen Kontakt mit Infizierter - Test immer negativ: Reporter berichtet

Antikörper Test Kevin Herzog Corona
+
Kevin Herzog wollte wissen, ob er Corona schon gehabt hat. Deshalb machte er einen Antikörpertest beim Lüdenscheider Arzt Sebastian Geitz.

Kevin Herzog war wochenlang mit einer positiv getesteten Person in Quarantäne. Er wollte wissen, ob er sich infiziert hat und hat verschiedene Tests gemacht.

Lüdenscheid – Kevin Herzog war eine Kontaktperson ersten Grades. Er lebt mit seiner Partnerin in Lüdenscheid, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Er wollte wissen, ob er sich angesteckt hat, und machte nicht nur einen Corona-, sondern später auch einen Antikörpertest:

An einem Samstag war ich mit meiner Freundin für einen Kaffee bei meiner Verwandtschaft. Am Montag erhielt ich dann einen Anruf, dass eine unserer Kontaktpersonen beim Arzt einen Corona-Test machen musste.

Nach kurzer Rücksprache mit der Redaktion packte ich meine Sachen und begab mich in freiwillige Quarantäne. Das Risiko, selbst infiziert zu sein und andere im Büro anzustecken, war einfach zu groß. Also war von da an Homeoffice angesagt – und das zusammen mit meiner Freundin, die selbst auch von zu Hause aus arbeitet. Grundsätzlich ist es ja erst einmal schön, mit den Menschen zusammen zu sein, die einem wichtig sind. Doch nachdem ich zu Hause ankam und meine Freundin mir sagte, dass es ihr nicht gut gehe, bekam ich ein komisches Gefühl. Das kann ja kein Zufall sein, dass jemand, mit dem wir einen Kaffee getrunken hatten, Symptome aufweist und kurze Zeit später meine Freundin auch über Unwohlsein klagt, dachte ich mir.

Und die Befürchtungen sollten sich als angebracht herausstellen. Nur einen Tag später bekam ich einen Anruf. „Ich bin positiv. Ihr müsst wahrscheinlich in Quarantäne“, sagte die Person aus meiner Verwandtschaft. Schnell wurde mir klar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass meine Freundin und vielleicht auch ich selbst mit dem Coronavirus infiziert sind, deutlich gestiegen war. Sollte es meine Freundin erwischt haben – sie klagte ja über Symptome – war ich mir sicher, dass auch ich das Coronavirus in mir tragen würde.

Corona positiv

Nachdem sich der Zustand meiner Freundin verschlechterte, machte sie bei ihrer Hausärztin einen Corona-Test. Das Ergebnis: positiv.

Inzwischen befanden wir uns auch offiziell in Quarantäne und der Schock, dass sich die nächste Person aus meinem direkten Umfeld mit dem gefährlichen Virus infiziert hatte, saß tief. In einem Gespräch mit dem Gesundheitsamt Hagen, dort bin ich wohnhaft, wurde mir mitgeteilt, dass bei mir kein Corona-Test nötig sei, da ich keinerlei Symptome aufweisen würde.

Die folgenden Tage waren geprägt von Langeweile. Zwar half es, weiterhin im Homeoffice zu arbeiten, doch die Zeit nach der Arbeit bestand im Grunde genommen nur aus Netflix schauen und essen. Mit der Zeit fiel einem die Decke auf den Kopf und man sehnte sich nach einem entspannten Spaziergang. Doch daraus sollte so schnell nichts werden, denn die Symptome meiner Freundin wurden eher schlechter als besser.

Neben den Gelenkschmerzen, Schwindelanfällen und generellen Kreislaufproblemen verlor sie auch den Geschmacks- und Geruchssinn, die bis heute nicht zurück sind. Deshalb entschied sich das Gesundheitsamt des Märkischen Kreises dazu, die Quarantäne meiner Freundin zu verlängern.

Verunsicherung

Nun war ich verunsichert. Welche Auswirkungen hat die Quarantäne-Verlängerung meiner Freundin auf mich? Ich suchte eine Antwort und fragte erneut beim Gesundheitsamt Hagen nach. Nach etwas Hin und Her empfahl mir der Mitarbeiter, einen PCR-Test zu machen. Fiele dieser negativ aus – womit er jedoch nicht rechne – könne ich planmäßig aus der Quarantäne entlassen werden.

PCR-Test

Also machte ich einen Termin bei einem Arzt, um den PCR-Test durchführen zu lassen. An einem Freitagmorgen stand ich also vor der Arztpraxis. Die Mitarbeiterin kam in voller Montur, also mit Schutzanzug, Handschuhen, Maske und Stäbchen, nach draußen und nahm einen Abstrich von meinem Rachen und meiner Nase. „Das Ergebnis sollte bis spätestens Montag vorliegen“, sagte sie, nachdem sie mir einen Zettel in die Hand gedrückt hatte, auf dem Anweisungen standen und ein QR-Code, den ich mit meiner Corona-App scannen solle, um das Ergebnis zu bekommen.

Noch am selben Abend bekam ich mein Ergebnis über die App. Für meine Freundin, den Mitarbeiter des Gesundheitsamts Hagen und auch für mich war das Ergebnis überraschenderweise negativ. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet, hatte ich die zurückliegenden zwei Wochen doch in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung mit einer nachweislich positiv getesteten Person verbracht.

Gemischte Gefühle

Doch die positive Nachricht war, dass ich aus der Quarantäne entlassen werden konnte. Das sorgte für gemischte Gefühle. Auf der einen Seite war ich natürlich erleichtert, mich wieder frei bewegen zu dürfen. Auf der anderen Seite war aber auch klar, dass ich die Wohnung meiner Freundin verlassen, und in meine Wohnung gehen würde, so lange sie noch in Quarantäne ist. So wollte ich vermeiden, mich vielleicht doch noch zu infizieren.

Antikörpertest

Um auf Nummer sicher zu gehen, und auch, weil ich mir immer noch nicht vorstellen konnte, dass ich mich nicht infiziert habe, machte ich einen Antikörpertest. Dazu machte ich einen Termin mit dem Lüdenscheider Arzt Sebastian Geitz aus. In seiner Praxis am Buschhauser Weg wurde mir eine Blutprobe entnommen und in das Lüdenscheider Labor Wahl zur Auswertung geschickt.

Nur wenige Tage später hatte ich das Ergebnis vorliegen. Es war erneut negativ. „Keine spezifische Antikörperbildung gegen SARS-CoV-2 nachweisbar, lese ich in dem Befund, den ich per E-Mail zugeschickt bekommen habe. Serologisch somit kein Hinweis auf eine stattgefundene Infektion, steht dort auch.

Und schon wieder bin ich überrascht. Ein endgültiger Beweis sei der Befund aber auch nicht, sagte mir Geitz in einem Gespräch. „Ein solcher Antikörpertest ist lediglich ein Indiz, aber kein Beweis.“ Ob ich mich also tatsächlich nicht angesteckt habe, kann nicht zu 100 Prozent bewiesen werden. Die beiden durchgeführten Test lassen aber darauf schließen, dass ich bisher von dem so gefährlichen Virus verschont geblieben bin. Und dann macht sich doch auch ein Stück weit Erleichterung breit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare