Verborgene Geldquelle gefunden

Frau vererbt Stadt 230.000 Euro für "soziale Zwecke" - jetzt fließt das Geld in Bauprojekt 

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Euro-Banknoten (Symbolbild). 

Lüdenscheid – Eine Witwe vererbte der Stadt Lüdenscheid umgerechnet 230.000 Euro für "soziale Zwecke". Jetzt will die klamme Stadt das Erbe auflösen, um ein Bauprojekt zu finanzieren. 

Der Bau der neuen Musikschule an der Ecke Hochstraße/Staberger Straße wird teurer. Das geht aus einer Vorlage der Stadtverwaltung für die Sitzung des Stadtplanungs-Ausschusses am 25. September hervor. Um die Mehrkosten aufzufangen, will die Stadt eine Erbschaft aus den 1990er-Jahren auflösen. 

Das Ergebnis der Ausschreibung am 15. August brachte die letzte Gewissheit. Die kalkulierten Kosten in Höhe von 6,65 Millionen Euro reichen nicht aus. Die Baupreise steigen derzeit so stark, dass Aufschläge von jährlich 8 Prozent für einzelne Gewerke vorzunehmen sind, heißt es aus der Verwaltung. 

Das Modell der neuen Musikschule.

Mehrkosten in Höhe von 450.000 Euro beantragte die Stadt beim Land NRW. Doch der Fördermittelgeber folgte der Argumentation nur bedingt. Statt 7,1 Millionen Euro erkannte das Ministerium nur eine Baukostenerhöhung auf 7 Millionen Euro an. Darin sind erstmals auch die Einrichtungskosten in Höhe von 250.000 Euro enthalten. Zudem machte der Fördermittelgeber deutlich, dass jede künftige Kostensteigerung zu Lasten der Stadt Lüdenscheid gehe. 

Einrichtung der Musikschule nicht mehr mit Fördergeldern

Was also tun? Laut Verwaltungsvorlage könne man Kosten bei der Fassadengestaltung, bei der Dachabdichtung und bei der Beleuchtung einsparen. Zudem soll die Einrichtung der Musikschule nicht mehr mit Fördergeldern gestemmt werden. Denn: Bei der Suche nach verborgenen Geldquellen wurde die Stadt offenbar fündig.

In den 1990er-Jahren hatte die Ehefrau eines ehemaligen Lüdenscheider Musikdirektors der Stadtkasse umgerechnet 230.000 Euro vermacht. Mit den Zinserträgen wurden seitdem soziale Zwecke unterstützt. 

Anlagezins nähert sich Null-Prozent-Marke

Laut Verwaltung hätten sich die Anlagezinssätze zuletzt aber der Null-Prozent-Marke angenähert. „Laufende Zinserträge“ wurden „seit einiger Zeit“ nicht mehr erwirtschaftet. Weil die Direktoren-Witwe damals der Musikschule Instrumente vererbt und die Anteile an dem Musikverlag ihres verstorbenen Ehemannes der „Sozialkasse für notleidende Komponisten“ vermacht hatte, kommt die Stadtverwaltung zu dem Schluss: „Eine Verwendung im Themenbereich ‘Musik’ dürfte ihrem mutmaßlichen Willen entsprechen.“ 

Das Erbe solle daher für die Einrichtung der Musikschule verwendet werden. Die Erbschaftsgeberin soll im Musikschulneubau, der in den Osterferien 2022 fertig sein soll, mit einer Plakette geehrt werden.

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