Wirtschaftlichkeit und Gefühl: Wohnen im Wandel

Auch für die Mitarbeiter gab es ein kleines Geschenk und Dankesworte beim Geburtstagsfest zum Hundertsten.

LÜDENSCHEID ▪ Zum Schluss hatten alle zumindest ein mobiles Dach mit dem Zeichen der Mark Wohnungsgesellschaft – auch die, die womöglich noch „fremdwohnen“. Wer am Donnerstag die 100-Jahr-Feier des Unternehmens im Mercure-Hotel verließ, bekam vom Geburtstagskind einen Schirm und eine liebevoll gestaltete, informative Festschrift zum Abschied.

Vorangegangen war ein gemeinsames Fest mit Reden, dem Damenensemble Pomp-A-Dur und Tenor Stefan Lex sowie rund 200 Gästen. Darunter: 60 Mieter, die seit mehr als 40 Jahren in den Häusern der Gesellschaft wohnen.

Ein kurzer historischer Abriss blieb Wilfried Starosta vorbehalten, der das Unternehmen seit 1989 leitet. Er machte deutlich, dass sich die Zeiten zwar ändern, aber in manchem eben nicht. Denn Antrieb für die Gründung am 3. Februar 1912 sei gewesen, durch die Schaffung von Wohnraum dringend benötigte Arbeitskräfte ins Rahmedetal zu holen und ihnen Wohnungen zu bieten. „Endlich Zuhause.“ ist folglich noch hundert Jahre später das gefühlsbetonte Motto der Gesellschaft, zu deren Bestand heute fast 1500 Wohneinheiten gehören.

Wo und wie die Menschen wohnen, das ist in Zeiten des demographischen Wandels wieder ein Argument für die Attraktivität einer Stadt. Dass dazu das überlegte Schrumpfen gehört, darauf wies Starosta ebenfalls hin: „Abriss und Stilllegung sind kein Tabu mehr.“ Vor allem sei eine „adäquate Antwort“ der Mark Wohnungsgesellschaft auf den demographischen Wandel aber die gezielte Sanierung des Bestandes, betonte Aufsichtsrat Günter Nyenhuis. Auf dem langen Weg „vom Kaiser zum Gauck“ habe die Gesellschaft Generationen verbunden. Man habe seine Unabhängigkeit erhalten, verstehe sich nach wie vor als industrienah und stehe nach mitunter turbulenten Zeiten „trotzdem gut da“.

Sicherheit, Geborgenheit in Krisenzeiten, ein Hort der Ruhe, des Glücks, der Zufriedenheit – das ist die eine Seite des Wohnens. Die Wirtschaftlichkeit ist die andere Seite. Bürgermeister Dieter Dzewas lobte die Orientierung der Gesellschaft am Kern dessen, wofür sie da ist – am Interesse der Mieterinnen und Mieter. Durch Sanierungen würden ganze Wohnviertel wieder attraktiv, sagte er mit Blick auf die „Wiege“ in der Rathmecke. Und er fand kritische Worte in Richtung Gesetzgeber. Der möge, so der Bürgermeister, einmal innehalten mit immer neuen Vorschriften und den Gesellschaften Ruhe und Zeit geben für eine kontinuierliche Entwicklung.

Ein ideales Stichwort für Alexander Rychter, Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW): Man dürfe über den sozialen Auftrag hinaus nicht die Wirtschaftlichkeit vergessen. Die 471 Mitgliedsunternehmen hätten mehr als 1,5 Milliarden Euro in ihre Wohnungen investiert, sollten ganze Stadtviertel aufwerten und in Klimaschutz investieren. Doch statt dafür verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, fordere die Politik nur, ziehe sich selbst aber immer weiter zurück. „Wohnen ist“, so mahnte er, „kein beliebiges Wirtschaftsgut.“

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