Wirt „Adi“ Altmann-Czichy feiert 80. Geburtstag mit Stammgästen

+
Einen Frühstückskorb gab’s vom Herren-Stammtisch, der nach dem Sport immer noch kurz in der „Tenne“ einkehrt.

Lüdenscheid - Manchmal ist er Gastgeber in eigenen Diensten: Er holt das gute Geschirr aus dem Schrank, hängt das Schild „Geschlossene Gesellschaft“ in die Tür der Wirtschaft „Zur Tenne“, setzt Erdbeerbowle an. Dann kommen die Stammgäste und Freunde und gratulieren ihrem „Adi“ zum Geburtstag – diesmal zum Achtzigsten.

Zeit, sich dazuzusetzen, fand der Wirt natürlich nicht. Auch deshalb hat er’s nach 42 Jahren hinterm Tresen in den Knien. Aber Maurer wollte der gebürtige Dortmunder nicht sein Leben lang bleiben. Lieber reißt er Mauern nieder, setzt Gäste zusammen, die „wie Sauerländer so sind“, sich ungern zu jemandem setzen, den sie nicht kennen. „So haben wir uns kennengelernt“, erzählt Margarete Däumer von den Anfängen ihres Stammtisches an der Werdohler Straße 57; alle 14 Tage trifft man sich seit zehn Jahren zu sechst: „Wir halten ihm die Treue.“

Die Treue belohnt auch der Wirt, der nicht an Ruhestand denkt, aber doch nur noch in Fünf-Jahres-Schritten bis zum nächsten Jubiläum. Seine „Tenne“ öffnet er mittlerweile freitags und samstags, unterstützt vom indischen Koch „Pitti“, und träumt sich die übrige Zeit lieber nach Bayern. Denn die schöne Stadt von einst, die ihn 1968 gelockt hat, sei Lüdenscheid längst nicht mehr, findet „Adi“. Dass er noch miterleben musste, wie durchs Rauchverbot das Tresengeschäft wegbricht, hätte er auch nicht gedacht. Bis 1973, bevor er die Tenne übernahm, arbeitete er in der Kluser Quelle, im Möbel-Franz-Haus an der Kreuzung Humboldtstraße. Das Haus ist längst abgerissen, die Erinnerung an die heile Kneipenwelt von einst geblieben.

Erinnerungen finden sich in dem traditionellen Gastraum zuhauf. Fotos von Ausflügen mit dem Sparclub, als „noch nicht jeder nach Mallorca musste“, ein gerahmter Zeitungsausschnitt, Erzgebirge-Spieldosen auf gekachelter Theke, bayrische Brez’n dahinter und der Spruch „Wat dä Buer nich kennt...“ darüber – das ist Kneipenkultur mit Charakter, das ist Adis Welt. „Wenn ich anfange, Witze zu erzählen, dann hab’ ich einen auf“, lacht er. Und los geht’s: „Fritzchen. . .“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare