Interview mit dem Lüdenscheider Kinobesitzer

Bald Deutschlands "Lieblingskino"? So baut André Lubba seinen Filmpalast um

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Noch wird kräftig gearbeitet: Aysen Özer und Jannik John vom Werkteam Christian Kaulbach mit einem Pärchen-Sitzelement.

Lüdenscheid – Zum erneuten Mal wurde der Filmpalast in Lüdenscheid über die Film-Plattform Moviepilot unter die Top 100 der beliebtesten Kinos in Deutschland gewählt. Seit 2001 ist er in Besitz von André Lubba, der seitdem einiges in dem Haus an der Werdohler Straße verändert hat.

Neben zahlreichen Investitionen in die beiden Säle des Filmpalasts
findet derzeit noch der Anbau weiterer Kinos statt – bis Ende November sollen sie eröffnet werden. 

André Lubba, dessen Eltern und Großeltern bereits Kinos betrieben haben, spricht im Interview mit Dana Mester über die Veränderungen, seine persönlichen Kino-Vorlieben und darüber, wie er in Zeiten von Netflix und Co. die Zukunft der großen Filmleinwände sieht.

Erneut unter den Top 100 der deutschen Kinos – wie fühlt sich das für Sie an? 

Das hat uns natürlich wieder total gefreut. Mit „Sie“ habe ich allerdings ein Problem – denn das habe ja nicht nur ich geleistet, sondern das liegt auch an allen meinen Mitarbeitern. Wir sind total froh darüber! Wir bemühen uns immer sehr, und das ist ja schon eine Auszeichnung – das macht Spaß. 

Und das vermutlich besonders, weil es zum erneuten Mal so ist, oder? 

Das ist natürlich die Bestätigung. Das Publikum wählt einen rein. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 

Was denken Sie, warum die Leute für Sie abstimmen? 

Ich hoffe, weil wir nett sind und gute Arbeit machen. Aber das fragt man besser die Leute selber. 

Haben Sie von den Besuchern denn Feedback zum Kino bekommen? 

Ja, man bekommt es auch immer auf Facebook und ähnlichem mit: „Macht weiter so“, das ist eine tolle Sache. Und wir sind ja auch ein bisschen ein anderes Kino – wir werden zwar größer, versuchen aber, familiär zu bleiben. 

Das ist für mich ganz wichtig, dass das nicht wie so ein riesiger Kinotempel wird. Jeder kennt einen, man kennt die Kunden und weiß schon, wenn die reinkommen: Der möchte da und da sitzen und dann versucht man auch, das immer so hinzukriegen. 

Also ist es sehr persönlich gehalten – und das schätzen auch die Kunden? 

Ja, das hoffe ich doch! 

Mit der Wahl unter die Top 100 dürfen Sie sich auch für den Titel des „Lieblingskinos“ bewerben. 

Ja, wir sind dabei. Man hat auch einen Fragebogen von denen bekommen, der wird gerade ausgefüllt – ich war eben sogar noch dabei, etwas dafür zu tun. Da muss man ein Bewerbungsvideo machen... das ist ein bisschen problematisch für uns gerade, weil wir ja gleichzeitig noch am Bauen sind – und das in der Endphase. 

Das alles auf die Reihe zu kriegen, ist schwierig. Aber bewerben möchten wir uns trotzdem. Und hoffen, dass das wieder reicht. 

Wieder? Sie waren 2018 auch unter den Top 10 – weil sie sich ebenfalls für den Titel beworben haben? 

Genau, wir haben das letztes Jahr auch gemacht und sind unter die Top 10 in Deutschland gekommen. Da hatten wir auch schon wenig Zeit wegen des Anbaus. Geht ja auch darum, was wir präsentieren. 

Was präsentieren Sie denn? 

Es geht in dem Fragebogen auch darum, was wir gemacht haben. Dieses Jahr geht es um soziales Engagement. Wir hatten zum Beispiel Übernachtungspartys, unter anderem mit dem SOS-Kinderdorf. Oder wir haben andere Gruppen, denen wir Filme zeigen. Solche Sachen tauchen dann in der Bewerbung auf. 

Dann wollen wir natürlich auch schon unsere neuen Säle mit einbringen, denn das ist dieses Jahr ein ganz wichtiger Schritt gewesen. Und man merkt, dass Kunden und auch Firmen, die uns unterstützen, voll dahinter stehen. Das freut einen natürlich. 

Was erwartet die Kunden in den neuen Kinosälen? 

Wir bekommen zwei neue Säle dazu, die, glaube ich, sehr schön sind. Sie sind wieder alle mit Liegen ausgestattet und es gibt ein paar andere besondere Bereiche, wie eine Skylounge – sodass man wirklich vom Balkon runter guckt – oder eben einen speziellen VIP-Bereich, den wir auch regelmäßig an Kunden verschenken möchten. 

Vor allem steigt aber das Filmangebot drastisch. Wir waren da vorher sehr eingeschränkt. Wir wollen auch wieder Filmkunst aufnehmen, dafür wird gerade auch der ganz kleine Saal, das Kino 2, renoviert. 

Wie viel Geld investieren Sie in den Umbau? 

Der Anbau mit dem Umbau – der ist auch teurer geworden als geplant – wird bei so dreieinhalb Millionen Euro enden. 

Wird das finanziell unterstützt? 

Das wird vom Land unterstützt. Wir zahlen grundsätzlich – so funktioniert das beim Kino – mit jeder verkauften Kinokarte einen Prozentsatz an die Filmförderung. Und da bekommt man dann auf Antrag auch zinslose Kredite. Und das wird damit unterstützt. 

Nimmt man denn viel ein über ein Kinoticket? 

Also, wir verdienen mehr an den Süßwaren als an den Karten. Darum müssen die Süßwaren im Kino auch teurer sein. Wir sind verpflichtet, einen gewissen Mindestschnitt zu bringen für Kinokarten und der darf auch nicht zu günstig sein. 

Also verdienen Sie mehr mit Popcorn als mit den Tickets? 

Kann man jetzt drehen, wie man will – entweder bleibt ein Popcorn-Anteil übrig oder es bleibt ein Film-Anteil übrig. Man versucht über die Süßwaren, den Gewinn rauszuholen. 

Was verkauft sich denn am Besten? 

Popcorn, Cola! Popcorn ist Kinogold – so nennt man das. 

Essen Sie das auch gerne? 

Nee, eigentlich gar nicht. Ich probiere das zwar immer, weil wir das ja frisch machen, aber ich würde nie selber mit einer Tüte Popcorn im Saal sitzen. 

Was ist Ihre liebste Kino-Knabberei? 

Das schwankt – aber ich nehme meist ‘ne Cola und ein Snickers mit und das war‘s. 

Lohnen sich all die Investitionen? Gehen überhaupt noch viele Leute ins Kino? 

Bei uns ja. Wie es woanders ist, weiß ich nicht. Es funktioniert gut, sonst würden wir das ja gar nicht machen. Egal, wie gerne wir das machen, wir müssen den Laden hier auch finanzieren. Und das klappt ganz gut – sonst wäre der Anbau gar nicht möglich gewesen. 

Wie hat sich das Kino in den vergangenen Jahren verändert? 

Man sieht das am großen Saal ganz gut: Früher war es den Leuten egal, die wollten ins Kino – da ging’s ihnen nur um den Film. Heute ist das ein Gesamterlebnis. Die hätten früher auf Bananenkisten gesessen, nur um den Film zu sehen. Heute sind die Ansprüche des Kunden höher geworden. 

Liegt das auch an den Streaming-Diensten, weil man viel zuhause sehen kann? 

Die Besucherzahl ist insgesamt zurückgegangen. Wir kommen gut klar, die Streaming-Dienste müssen nicht immer negativ sein. Was man zuhause nicht hat, ist eben dieses Massenerlebnis – mit Freunden zusammen zu sein. 

Ein Comedy-Film allein vor dem Fernseher ist nicht so lustig, aber mit zehn Leuten oder einer Person, die wahnsinnig lacht im Saal, schon – dann lacht der ganze Saal immer mit. Das ist einfach Atmosphäre. 

Die Atmosphäre mit den Liegen und den Logen ist speziell. Wünschen sich das die Gäste? 

Die VIP-Loge im großen Saal war der Anfang, das war 2003, glaube ich – wir waren die Ersten, die überhaupt so etwas gemacht haben und wir waren auch die Ersten mit Liegen – das ist schon ein bisschen was Besonderes. Und es wurde gut angenommen. 

Man kann ja auch Fördermittel erhalten, die wir aber nie bekommen haben, weil man durch eine Platzreduzierung nicht mehr Umsatz generieren könne. Aber wir haben das Gegenteil bewiesen. Hier ist für jeden was dabei – man kann teuer sitzen, günstig sitzen, jeder Bereich hat etwas Besonderes. 

Und ich hoffe, dass das auch in den neuen Sälen so weitergeht und jeder Saal ein Alleinstellungsmerkmal hat. Dass der Kunde neugierig wird und etwas Neues ausprobieren will. Das ist eine Detailverliebtheit – ich wollte das immer so haben, wie ich selber gerne im Kino sitzen würde. Nicht für die Masse, sondern wie man selbst Spaß dran hat. 

Wie gehen Sie persönlich am liebsten ins Kino? 

Ich gehe komischerweise echt noch sehr oft ins Kino. Ich gehe auch, egal wo ich bin – im Urlaub oder so – in jedes Kino rein und gucke mir das an. Man kriegt ja auch da mal neue Ideen. Das ist Hobby und Beruf in einem – sonst würde ich das gar nicht so durchhalten, muss ich sagen. Ich gehe morgens her und abends nach Hause und bin glücklich. Das ist das Wichtige dabei. 

Und das wünschen Sie sich vermutlich auch für alle, die in ihr Kino kommen, oder? 

Unbedingt! 

Beobachten Sie auch mal die Konkurrenz und überlegen, was Sie ändern könnten? 

Man holt sich schon mal Orientierungshilfen, aber das mache ich eigentlich relativ wenig. Hier bei der direkten Konkurrenz in der Umgebung gar nicht. Man hört eher mal über Fachzeitschriften, wo es was Neues gibt, ist dann neugierig und guckt – das macht eben einfach Spaß. Aber wir haben ja eigentlich einen technischen Standard wie ein Multiplex-Kino, wie ein richtig großer Palast und das als kleines Kino. 

Haben Sie einen Lieblingssitzplatz? 

Hier im neuen Saal habe ich noch gar keinen, aber ich werde die alle ausprobieren. Ich denke, oben auf dem Balkon links. Ich bin nicht so, dass ich zentral sitzen muss. Auch im großen Saal sitze ich rechts außen. Man hat so seine Vorlieben, dort kann ich auch mal die Leute beobachten. 

Worauf sind Sie im Filmpalast besonders stolz? 

Ich mach‘s gerne, das ist wie Heimat. Ich freue mich, wenn Kunden kommen und sagen: „Ihr habt‘s toll gemacht.“ Das ist eine Bestätigung. Ich bin sehr zufrieden.

An welchen Tagen kommen die Leute am häufigsten zu Ihnen? 

Freitag, Samstag, Sonntag. Wenn sie alle frei haben. Wir haben ein Geschäft, das von der Freizeit der anderen lebt. Wenn alle frei haben, müssen wir arbeiten. Und das ist natürlich filmabhängig. 

Die kalte Jahreszeit, das sind einfach die Top-Monate. Darum bringen die Filmverleihe ja jetzt auch die Eiskönigin und Star Wars im Dezember raus – weil das die Top-Zeiten sind. Im Hochsommer bei 30 Grad geht man nicht gerne ins Kino. Obwohl wir hier auch eine Klimaanlage haben. 

Haben Sie weitere Pläne und Ideen für die Zukunft? 

Ich denke, nach dem Bau ist vor dem Bau. Wir haben schon noch ein paar Ideen, was man machen kann, aber wir schließen jetzt erst mal einen Großteil ab. Wir brauchen wohl auch eine kurze Pause, um uns zu erholen. Erst mal muss es ja jetzt komplett fertig werden. 

Zu öffnen heißt nicht, auch hundertprozentig fertig zu sein. Manches muss fertig sein, anderes können wir noch nachschießen. Angestrebtes Ziel ist, dass wir die neuen Säle im November eröffnen. Das kann sich natürlich immer noch um ein paar Tage verschieben.

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