„Keine Gnadenstelle“: Berufung nach Kindesmissbrauch

LÜDENSCHEID/HAGEN - Fest entschlossen zeigte sich am Montag ein 31-jähriger Lüdenscheider, der vor dem Landgericht Hagen gegen ein Urteil des Amtsgerichts Lüdenscheid stritt.

Dort wurde er am 6. Dezember 2012 wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes und wegen mehrerer Verstöße gegen gerichtlich verhängte Kontaktverbote zu einer Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Der Angeklagte hatte im Jahr 2011 über das soziale Netzwerk „Facebook“ Kontakte zu einem elfjährigen Jungen aufgenommen und diesen über das Internet zu sexuellen Handlungen aufgefordert. In der Folgezeit empfing der Angeklagte elf- und zwölfjährige Jungen in seiner Wohnung, schenkte ihnen Geld und in mindestens einem Fall ein Handy für die Kontaktaufnahme. Ein Lüdenscheider Sportverein, für den der 31-Jährige als Betreuer tätig war, untersagte ihm den Umgang mit Jugendlichen und sprach ein Platzverbot aus. Auch gerichtlich war dem Angeklagten eine Kontaktaufnahme zu minderjährigen Jungen verboten. Gegen diese Weisung verstieß der 31-Jährige jedoch mehrfach. Ohne Bewährungschance blieb das Urteil des Amtsgerichts auch deshalb, weil der Angeklagte bereits zweimal wegen ähnlich gelagerter Vergehen verurteilt worden war.

Richter Kaiser, Vorsitzender einer Berufskammer des Landgerichts und bekannt für seine offenen Worte, sah das nicht anders. „Es spricht nichts für eine günstige Sozialprognose – nicht mal von ferne am Horizont.“ Zu dieser Einschätzung trugen zwei weitere Ermittlungsverfahren bei, die inzwischen auf den Tisch der Berufungskammer geflattert waren. Erneut soll der 31-Jährige minderjährige Jungen in seiner Wohnung empfangen haben. „Ich rate Ihnen dringend, das Rechtsmittel so schnell wie möglich zurückzuziehen. Wir sind keine Gnadenstelle“, betonte der Richter.

Genau das tat der Angeklagte nicht: Er bestand auf einer Überprüfung des Strafmaßes und der ihm verwehrten Bewährungschance. Das bedeutete, dass er die Taten im Prinzip einräumte. Vor einer Fortsetzung des Verfahrens soll der Angeklagte psychiatrisch untersucht werden, um die Frage zu beantworten: Sind von diesem Mann auch in Zukunft strafbare Handlungen zu erwarten? - thk

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