„Wir konnten uns nicht in die Augen sehen“

Rund 50 Bürgerinnen und Bürger kamen gestern zum Gedenken an die jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Mordens zur Gedenktafel hinter der Stadtbücherei. Hella Goldbach von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit las die Namen der von den Nazis ermordeten oder gewaltsam ums Leben gekommenen Lüdenscheider Juden vor.

LÜDENSCHEID ▪ „Erschossen, für Tod erklärt, verschollen, ermordet, in Auschwitz, Treblinka oder Majdanek“: Auch 66 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee machte die Liste der Lüdenscheider Juden, die durch das Morden der Nazis ihr Leben verloren, noch betroffen.

Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger kamen zum Gedenken an die jüdischen Nazi-Opfer zum Gedenkstein an der Stadtbücherei, wo Hella Goldbach von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit den Opfern ihre Namen zurückgab und von ihrem Verschwinden oder gewaltsamen Ende kündete. „Wir müssen wissen, dass Erinnern weh tut. Es lässt uns angesichts der unendlichen Gräueltaten verstummen“, sagte Hella Goldbach später bei einer kleinen Gedenkstunde im Forum des Rathauses. Sie erinnerte auch an eine Zahl, die zumeist hinter den sechs Millionen Ermordeten verborgen bleibt: 1,5 Millionen Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns waren Kinder.

Bürgermeister Dieter Dzewas erinnerte an die Zeiten „blühenden jüdischen Lebens in Lüdenscheid“ und zitierte aus den Erinnerungen von Schülerinnen des Gertrud-Bäumer-Kollegs an den Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz. In dem betroffen machenden Bericht heißt es unter anderem: „Zeitweilig konnten wir uns nicht einmal in die Augen sehen.“

Bürgermeister Dieter Dzewas behielt bei allem wichtigen Gedenken die Gegenwart im Blick: „Lassen Sie uns als gute Demokraten in Deutschland verhindern, dass so etwas jemals wieder geschieht.“ ▪ thk

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