„Wir können keine Einsätze ausfallen lassen“

Die Parkplatzsuche gestaltet sich in diesen Tagen für die Pflegedienste besonders schwierig.

LÜDENSCHEID ▪ Nur mit erheblichen Überstunden können die ambulanten Pflegedienste in Lüdenscheid derzeit ihr tägliches Pensum bewältigen. Dies bestätigten gestern übereinstimmend Manfred Baltrun („laba“ – Lüdenscheider ambulante Betreuungsarbeit), Lucy Mani (Mani, Häusliche Krankenpflege) und Nicole Rieger (Diakonisches Werk Bethanien). „Das Fahren ist nicht das Problem, sondern das Parken“, stellte Lucy Mani fest.

Ihr Pflegedienst setzt bis zu zwei Mitarbeiter hauptsächlich für Fahrdienste ein. „Rauslassen und wieder abholen“ heiße die Devise überall dort, wo das Parken unmöglich ist und lange Fußwege drohen.

Manfred Baltrun und „laba“ setzen angesichts des „absoluten Chaos“ verstärkt auf Fußmärsche. „Mehrere hundert Meter“ bis zum Einsatzort seien keine Seltenheit. „Wir pflegen hilfebedürftige, alleinstehende Menschen. Wir können keine Einsätze ausfallen lassen“, macht Baltrun deutlich. Dabei gehe es auch um die Belieferung pflegebedürftiger Mitbürger mit Medikamenten und Lebensmitteln. Überstunden seien da vorprogrammiert.

„Alle werden erreicht“, verspricht auch Lucy Mani. Nur in Ausnahmefällen habe ihr Pflegedienst Termine in den Außenbezirken nach Rücksprache mit den Betroffenen abgesagt. Dennoch häuften die Mitarbeiter bis zu zwei Überstunden täglich an.

„Nur in abgesprochenen Ausnahmefällen“ lässt das Diakonische Werk Bethanien einzelne Termine ausfallen. Manchmal sorgten auch die Kunden für Entspannung und riefen an, wenn der Besuch verzichtbar sei, berichtet Pflegedienstleiterin Nicole Rieger. „Überstunden?“ – „Natürlich!“ lautet dennoch ihre klare Ansage. Hauptproblem sei das Parken – am Buckesfeld und in anderen Auißenbezirken habe man kaum noch eine Chance, seinen Wagen in der Nähe des Einsatzortes abzustellen.

Nicht leicht haben es in diesen Tagen auch die Senioren in den Alteneinrichtungen. „Frische Luft ist ein Problem“, berichtet Karin Aubert, Einrichtungsleiterin des AWo-Seniorenheims an der Parkstraße. „Die Gefahr, dass Senioren stürzen könnten, ist einfach zu hoch.“ Dazu komme die Kälte, die ältere Menschen nicht mehr vor die Tür gehen lasse: „Altershaut ist dünn.“ Für Bewegung sorgen stattdessen Angebote wie Sitz-Gymnastik und Geh-Übungen. Auch die langen Weg in der Einrichtung sorgen für Bewegung.

Auf einen weiteren Aspekt macht Armin Reich, Mitarbeiter von „laba“, aufmerksam: Viele ältere Menschen, die nicht regelmäßig von einem Pflegedienst besucht werden und keine Angehörigen haben, hätten große Probleme, ihren täglichen Bedarf zu beschaffen. Im einen oder anderen Fall mag da die Nachbarschaftshilfe greifen. ▪ thk

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