Vorbereitungen laufen seit Monaten

Die Meistereien sind für den Winter präpariert

Der Winter kann kommen: Das Team der Autobahnmeisterei Lüdenscheid um Betriebsdienstleiter Jens Kaminski (kariertes Hemd) ist bereit für die kalte Jahreszeit.

Lüdenscheid - Tausende Tonnen Salz, eigens geschulte Mitarbeiter und ein Konzept, das Glätte schon vor ihrem Entstehen verhindern soll – der Landesbetrieb „Straßen NRW“ hat seine Meistereien für den Winter präpariert. Auch an den beiden Lüdenscheider Standorten sind die Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen. Sobald es frostig wird, sind die Straßenwärter im Einsatz.

Von Manuel Klötzer

„Wir sind jetzt startklar für den Winter“, sagt Jens Kaminski. Als Betriebsdienstleiter der Autobahnmeisterei Lüdenscheid ist er für rund 150 Kilometer Straße zuständig. Die Vorbereitungen auf die kalte Jahreszeit haben aber schon vor Monaten angefangen: „Begonnen haben wir im Grunde nach dem letzten Winter“, so Kaminski. Die Fahrzeuge sind gereinigt, eventuelle Schäden behoben. Die Salzhalle ist mit rund 1200 Tonnen gut gefüllt, hinzu kommen jeweils 500 Tonnen in den beiden Außenlagern. Zuletzt standen für die rund 20 Straßenwärter noch theoretische und praktische Schulungen sowie letzte Überprüfungen der Fahrzeuge auf dem Programm.

Daten direkt vom Deutschen Wetterdienst

Ingo Fries hat die Wetterdaten im Blick, um die Straßenwärter bei Bedarf in Bereitschaft versetzen zu können.

Damit die Autobahnmeisterei nicht von Schnee und Eis überrascht wird, beobachtet Kaminski regelmäßig die Wettervorhersage. Die Daten stammen direkt vom Deutschen Wetterdienst sowie den Wetterstationen entlang der Autobahnen. So kann der Betriebsdienstleiter seine Mitarbeiter in Einsatzbereitschaft versetzen, sobald sich winterliche Temperaturen ankündigen. Mitarbeiter der Winterdienstzentrale in Hamm beobachten indes Tag und Nacht das Wetter und können die diensthabenden Straßenwärter sofort alarmieren, wenn sich akute Glätte ankündigt. „Durch diese professionelle Organisation sind wir meist schon im Einsatz, bevor es wirklich glatt ist“, erklärt Jens Kaminski die „rechtzeitige Streuung“. Gerade der unsichtbaren und damit tückischen Glättearten wie Reifglätte versucht „Straßen NRW“ so Herr zu werden. Besonders wichtig sei das auf der Autobahn 45 mit ihren großen Höhenunterschieden und den vielen Talbrücken.

Mit dem breiten Front- und dem zusätzlichen Seitenpflug können die Straßenwärter die Autobahn zweispurig räumen und streuen.

Ihr Fahrverhalten verändern die meisten Verkehrsteilnehmer erst dann, wenn Schnee zu sehen ist. Die Autobahnmeisterei rückt dann mit schweren Räumfahrzeugen aus: Ein einzelnes Fahrzeug kann die Fahrbahn auf bis zu 6,80 Metern Breite räumen und auf rund zwölf Metern bestreuen. So gelingt es, zumindest zwei Fahrstreifen befahrbar zu machen und den Verkehrsfluss aufrecht zu erhalten – notfalls Tag und Nacht, denn auch wenn es keinen Rechtsanspruch auf freie Straßen gibt, müssen die Autobahnen nach Möglichkeit rund um die Uhr benutzbar sein. Für die Mitarbeiter bedeutet das Schichtdienste von bis zu zwölf Stunden. Normalerweise sind die Straßenwärter im Winterdienst allein unterwegs, nur bei den besonders breiten Fahrzeugen besteht die Besatzung aus zwei Personen. Diese müssen neben dem Fahren ständig die Technik im Auge behalten, auf das Geschehen um sich herum achten und dabei natürlich keine Fahrzeuge oder Ähnliches beschädigen.

Neben Salzvorrat auch Tank mit flüssiger Sole

Eines der Winterdienst-Fahrzeuge kommt ohne festes Salz aus und sprüht stattdessen flüssige Sole auf die Fahrbahn.

Neben dem Salzvorrat besitzen die Räum- und Streufahrzeuge auch einen Tank mit flüssiger Sole, also einer Salzlösung. Direkt vor dem Aufbringen auf die Fahrbahn wird das Salz hiermit befeuchtet, wodurch es schneller wirkt und besser auf der Fahrbahn haftet. Eine beachtliche Menge Salz kann so eingespart werden. Seit einiger Zeit besitzt die Meisterei außerdem ein Fahrzeug, das reine Sole auf die Fahrbahn sprüht. Ähnlich arbeitet auch die automatische Taumittelsprühanlage, die auf der Autobahn 45 zwischen Hagen und Lüdenscheid die Autofahrer vor der unsichtbaren Glätte schützt.

Für Einsätze im Stau oder gegen die Fahrtrichtung haben zwei Fahrzeuge der Autobahnmeisterei Blaulicht und Martinshorn

Nicht alle Autofahrer verhalten sich dabei immer umsichtig: Gerade Lkw bleiben bei starker Glätte oft zu mehreren an gleicher Stelle stecken. Wenn dann bis zu fünf Lkw nebeneinander auf der Fahrbahn stehen, ist auch für den Winterdienst kein Durchkommen mehr – mit dramatischen Auswirkungen, wie Jens Kaminski erklärt: „Neben Familien mit Kindern stecken in der Kälte oft Personen fest, die auf Medikamente angewiesen sind.“ Die Räumfahrzeuge müssen dann entgegen der Fahrtrichtung an die entsprechende Stelle herangefahren werden, um die liegengebliebenen Fahrzeuge zu befreien. Hierfür hält die Autobahnmeisterei seit 2011 zwei Fahrzeuge bereit, die mit Blaulicht und Martinshorn ausgestattet sind.

Mit dem breiten Front- und dem zusätzlichen Seitenpflug können die Straßenwärter die Autobahn zweispurig räumen und streuen.

Weil die meisten Winterdienstfahrzeuge aber weiterhin nur orangene Kennleuchten tragen, sollten Autofahrer bei Schnee und Glätte besonders aufmerksam sein und im Stau frühzeitig eine Gasse bilden. Außerdem rät Kaminski Autofahrern, die Wetterlage und eventuelle Hinweise im Radio zu verfolgen und ihr Fahrverhalten entsprechend anzupassen. Vor einer längeren Autobahnfahrt sollte außerdem das Auto vollgetankt und Getränke sowie Decken an Bord sein.

Neben der für die Autobahnen zuständigen Meisterei hat „Straßen NRW“ noch einen weiteren Standort in Lüdenscheid. Die hiesige Straßenmeisterei ist ein Stützpunkt der Herscheider Meisterei, zusammen kommen sie auf rund 35 Mitarbeiter. Von Lüdenscheid aus werden rund 160 Kilometer Straßen betreut. Hierzu gehören die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, das so genannte Basisnetz. Für die Ortsdurchfahrten sind allerdings die städtischen Winterdienste zuständig.

Straßenmeisterei ebenfalls gerüstet

Straßenwärter Benjamin Franke demonstriert die komplexe Steuerung für das große Räum- und Streufahrzeug.

Auch bei der Straßenmeisterei ist alles bereit, sagt der dortige Leiter des Betriebsdienstes, Ingo Fries. Anders als die Kollegen auf der Autobahn sind seine Mitarbeiter zwar normalerweise nur von 6 bis 22 Uhr im Einsatz, aber auch sie können schnell auf die Wetterbedingungen reagieren: „Innerhalb von 15 Minuten haben wir unsere Fahrzeuge mit Pflügen und Streuvorrichtungen ausgerüstet und können dann sofort auf die Straßen“, erklärt Fries. Auch hier sind die Straßenwärter auf das umsichtige Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer angewiesen: „Wenn einem ein Streufahrzeug entgegenkommt, sollte man seine Geschwindigkeit reduzieren und Platz machen, im Zweifel auch anhalten.“

Die Salzhallen von „Straßen NRW“ – hier die der Straßenmeisterei Lüdenscheid – sind mit Tausenden Tonnen Salz gefüllt.

Für das Basisnetz von „Straßen NRW“ lagern in Herscheid und Lüdenscheid zusammen rund 4000 Tonnen Salz, die bei Glätte auf die Straßen gebracht werden. Die Arbeit beginnt meist dann, wenn die Temperaturen unter drei Grad sinken, wobei es auch ohne Schneefall genug zu tun gibt: Im vergangenen Jahr zum Beispiel hat es vergleichsweise wenig geschneit, trotzdem habe es „gewaltige Einsätze“ zur Bekämpfung von Straßenglätte gegeben. Bei Bedarf muss auch Streusalz nachbestellt werden, so Ingo Fries: „Unter Umständen bestelle ich auch mal 500 Tonnen am Tag, dann rücken oft 15 Sattelzüge an.“

An beiden Standorten beginnt die Winterdienst-Saison spätestens Anfang November und zieht sich bis in den April. Sowohl Kaminski als auch Fries sind jedoch froh, den Autofahrern die kalte Jahreszeit so stressfrei wie möglich machen zu können. Zu verdanken haben sie das nicht nur der Technik, sondern vor allem auch ihren Mannschaften, die Tag und Nacht für die Verkehrssicherheit arbeiten, so Jens Kaminski: „Die Aufgabe Winterdienst kann nur im Team bewältigt werden.“

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