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Willy Brandt eröffnet A45-Abschnitt in Lüdenscheid - erster Unfall nur wenige Minuten später

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Von: Willy Finke

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Titelseite LN Autobahn
Der Bericht auf der Titelseite der Lüdenscheider Nachrichten am 26. Oktober 1971. © LN-Archiv

Am 25. Oktober 1971, also vor fast genau 50 Jahren, war es endlich soweit: Die Bundesautobahn 45 verlief ab sofort durchgehend von Dortmund bis Wetzlar. Gab es bisher noch eine Lücke zwischen Lüdenscheid und Freudenberg, so wurde diese Lücke nun feierlich geschlossen.

Feierlich ging es in der Tat an diesem 25. Oktober, einem Montag, zu. Neben den üblichen Honoratioren hatte sich nicht nur Bundesverkehrsminister Georg „Schorsch“ Leber an der Raststätte Sauerland zur Eröffnung eingefunden, sondern auch Bundeskanzler Willy Brandt. Ihm war gerade einmal fünf Tage zuvor der Friedensnobelpreis zuerkannt worden.

Stunden vor der Eröffnung stauten sich bereits die Lastwagen, deren Fahrer als Erste den direkten Weg in den Süden antreten wollten. Zudem hatten sich tausende Schaulustige eingefunden.

Während sich die Stadt Lüdenscheid laut einem Bericht der Lüdenscheider Nachrichten nichts einfallen ließ, außer ihre Repräsentanten zur Eröffnung zu schicken, waren andere Städte kreativer. Dortmund zum Beispiel ließ einige Mitarbeiter in Biedermeier-Kostümen 189 rote Rosen verteilen – für jeden Autobahnkilometer einen.

Dann aber nahm das Unheil seinen Lauf: Die Lautsprecheranlage versagte bei der Übertragung der Festreden jämmerlich, was den deutlich angesäuerten Georg Leber zu dem Spruch verleitete: „So mies haben wir noch nie eingeweiht!“

Willy Brandt hatte bereits am Vormittag der Internationalen Kunststoffausstellung „ika“ in Lüdenscheid einen Besuch abgestattet. Wegen Nebels war zwar keine Hubschrauber-Anreise möglich, doch gelangte Brandt schließlich per Auto in die Bergstadt. Dort ließ sich der – laut Zeitungsbericht – sichtlich „abgearbeitet“ aussehende Bundeskanzler im Schnelldurchlauf durch die Ausstellung führen.

Erkennbar mehr Freude bereitete ihm ein Zwischenstopp am Informationsstand des Kreises Lüdenscheid. Dort wartete sein Duzfreund, Lüdenscheids Oberbürgermeister Erwin Welke, auf den Kanzler.

Während Brandt sich mit seinem Tross dann auf den Weg zur Autobahn-Eröffnung machte, traf am Nachmittag übrigens NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn auf der „ika“ ein. Ob er auch über die Sauerlandlinie anreiste, ist nicht überliefert.

Dafür wissen wir aber, dass es auf dem nagelneuen Teilstück der A 45 direkt nach dessen Eröffnung den ersten kleinen Unfall mit Blechschaden gab. Ein Busfahrer aus Siegen ließ, wie es hieß, seinen Wagen auf den schwarzen Mercedes eines Mitglieds der Landesregierung rollen.

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