„Lokale Gesundheitszentren“

SPD will mehr Flexibilität für Praxen

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Ulrich Duffe (l.) und Shari Kowalewski halten flexible Praxismodelle für geeignet, um dem Ärztemangel zu begegnen.

Lüdenscheid - Mit flexiblen Praxismodellen will die SPD-Kreistagsfraktion die Versorgung mit Allgmeinmedizinern und Fachärzten sicherstellen. Solchen „lokalen Gesundheitszentren“ stehe auch die Kassenärztliche Vereinigung aufgeschlossen gegenüber.

Ulrich Duffe, Kreistagsabgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales, sieht alle Beteiligten in der Pflicht, „an dem Thema dran zu bleiben“. Speziell in Altena liege die Versorgungsquote mit Hausärzten gerade einmal bei 75 Prozent. „Dort herrscht schon Alarmstufe rot.“

In Kierspe und Meinerzhagen sehe es nur wenig besser aus. „In den nächsten zehn Jahren wird die Situation extrem kritisch, da viele Mediziner die Pensionsgrenze überschreiten.“ Deshalb müssten Arbeitszeiten und finanzielle Risiken künftig besser verteilt werden, so Shari Kowalewski.

„Wir brauchen mehr Flexibilität, um Jüngere auch für den ländlichen Raum zu begeistern. Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit betrifft jeden“, erklärte die SPD-Kreistagsabgeordnete und Gesundheitspolitikerin. Für einen Hausarzt alleine sei es heute nicht mehr attraktiv, an sieben Tagen in der Woche Tag und Nacht für die Patienten zur Verfügung zu stehen.

Wenn sich aber mehrere Ärzte Räume, Geräte und Personal teilten, damit die finanziellen Belastungen reduzierten und so auch eigene Freiräume einteilten, könne eine Praxis auch im Kreis an Bedeutung gewinnen.

Die wohnortnahe Versorgung älterer Menschen ließe sich mit einer stundenweisen Ergänzung durch Fachärzte – auch aus Krankenhäusern – ideal kombinieren. Duffe: „Während es eine Ballung von Fachärzten in Lüdenscheid und Iserlohn gibt, ist die Situation zum Beispiel in Valbert oder Rönsahl nicht einfach.“ Es gebe einen ganzen „Strauß an Möglichkeiten“, um diese „lokalen Gesundheitszentren“ zu strukturieren.“

Beispielhaft ist für die beiden SPD-Kreistagspolitiker der „Gesundheitscampus Sauerland“ im ehemaligen Balver St. Marien-Hospital. Haus- und Fachärzte sowie pflegerische- und medizinische Service-Anbieter haben sich unter einem Dach zusammengeschlossen. Mit dieser Kombination sieht sich die Stadt für die nächsten 30 Jahre gerüstet.

Inzwischen, so die SPD-Politiker, stehe auch die Kassenärztliche Vereinigung „sehr verschiedenen Lösungsansätzen für Praxisformen“ aufgeschlossen gegenüber.

Um das Thema in die Fläche zu tragen, sollen die Fraktionen vor Ort über individuelle Konzepte beraten und Initiativen entwickeln. Shari Kowalewski: „Ein Arzt für eine Praxis ist kein Zukunftsmodell.“

- Von Bernd Eiber

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