Wilhelmstraße als Hochburg für Handys und Perlen

Die Immobilienstudie „Cityfacts“ nimmt die Einkaufsstadt Lüdenscheid und die 1-A-Lagen der Wilhelmsstraße unter die Lupe – mit durchwachsenen Ergebnissen.

LÜDENSCHEID - Als liebens-und erlebenswert preist das Stadtmarketing die Bergstadt, die Einkaufsstadt Lüdenscheid stellt sich gern als blühendes Mittelzentrum dar. Aber ist das wirklich so? In „Stadtfakten“ (Cityfacts) hat das Immobilienunternehmen Lührmann, laut Eigenwerbung „einer der deutschlandweit führenden Spezialisten für Vermietung und Verkauf von Ladenlokalen und Einzelhandelsimmobilien in innerstädtischen 1-A-Lagen“, Stadt und Wilhelmstraße untersucht und bewertet. Diese Ergebnisse sind ernüchternd, die Aussichten eher düster.

Bestimmte Standards in 253 deutschen Mittel- und Großstädten untersucht Lührmann regelmäßig und setzt die Städte dazu jeweils in eine Rangfolge. Bei der Einwohnerzahl liegt Lüdenscheid auf Platz 106, bei der Bevölkerungsentwicklung schon nur noch auf Platz 227: Zwischen 1999 und 2008 verlor die Stadt gut 5,5 Prozent. Die Prognose von 2006 bis 2025 liegt bei minus 9,3 Prozent: Platz 218. Ebenfalls ein Minus von 9,3 Prozent bei der Beschäftigungsentwicklung von 2000 bis 2009 bedeutet Rang 210 von 253.

Besser liegt Lüdenscheid bei der Einzelhandels-Kaufkraft für 2010: Rang 75 belegen die Bergstädter hier, weil jeder laut Lührmann für 5642 Euro im Jahr einkaufen kann. Das liegt knapp über dem Bundesdurchschnitt. Beim Einzelhandels-Umsatz pro Einwohner liegt Lüdenscheid wieder klar darunter – Platz 170.

Zur Wilhelmstraße: Ihr stärkster Bereich liegt laut Studie im Umfeld des Stern-Centers, „das sich mit seinen vielfältigen Einzelhandelskonzepten deutlich gegen die Fußgängerzone abhebt“. Absolute Spitzenplätze im Lührmann-Vergleich der 1-A-Lagen (Stand Juni 2010) erobert die Wilhelmstraße mit Platz 7 bei der Telekommunikation und Rang 16 beim Schmuck – sie ist also eine echte Hochburg für Handys und Perlen.

Vergleichsweise stark vertreten sind auch Lebensmittel (Platz 29) und Textil-Anbieter (Platz 71). Ganz unten, auf Platz 227, liegen die Schuhe; Sportartikler und Vollsortimenter gibt es auf der Einkaufsmeile zwischen Stern- und Karussellplatz gar nicht.

Zum Filialisierungsgrad: Örtliche Einzelhändler sind zu 37 Prozent vertreten (Platz 187), nationale Filialisten zu 40 Prozent, was der Wilhelmstraße sogar Platz 2 in diesem Lührmann-Ranking einträgt. Regionale Ketten (2 Prozent/Platz 196) und internationale Filialisten (20 Prozent/Platz 215) gibt es in der Fußgängerzone dagegen vergleichsweise wenige.

Die Mietnachfrage auf der Einkaufsmeile liegt laut Lührmann „auf schwachem Niveau, wobei überwiegend kleine Ladenlokale gesucht werden. Das ebenfalls schwache Kaufinteresse geht im Schwerpunkt von privaten Investoren aus.“ Künftig sei die Fortsetzung der Marktentwicklung für 1-A-Handelsobjekte auf schwachem Niveau zu erwarten.

Die Mietpreise lägen auf der Wilhelmstraße bei optimalen Bedingungen zwischen 11 Euro pro Quadratmeter (für 1200 bis 1500 qm und einer Front bis zu 15 Metern) und 36 Euro (bei 80 bis 120 qm Ladenfläche und bis zu sechs Metern Front).

„Die Einkaufsstadt Lüdenscheid“, heißt es schließlich in einer Kurzanalyse, „weist hinsichtlich ihres baulichen Zustandes, Erscheinungsbildes und Angebotsstruktur noch deutliche Optimierungspotenziale auf.“ Im Klartext: Es gibt viel zu verbessern.

Lührmanns Cityfacts führen hier zum Beispiel die Stufen auf, die viele Geschäfte wegen des Gefälles der Wilhelmstraße aufweisen. Und: „Gegenüber dem nahe gelegenen Wettbewerbsstandort Dortmund kann sich Lüdenscheid in der Gesamtbetrachtung nicht behaupten.“

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